Ein Wahl-Leserbrief gegen Badens Schulvorsteherin Ruth Müri in der «Schweiz am Wochenende» von letzter Woche sorgte nicht zuletzt bei der Schule selber für Unmut. So hiess es darin: «Ein Kollege erzählte, dass das neue Schulhaus Rütihof mit neuen Stühlen und Tischen etc. ausgestattet wurde, obwohl es die Alte noch lange getan hätten.» Damit hat SVP-Einwohnerrat Daniel Glanzmann, bestärkt durch eine «Insiderinformation» seine Mutmassung verbunden, dass altes Mobiliar einfach liquidiert und, wie er schrieb das Geld bei der Volksschule Baden «mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen» werde.

Das lässt die Volksschule nicht so auf sich sitzen. In ihrer Antwort an den Leserbriefschreiber heisst es denn: «Ein grosser Teil des bisherigen Mobiliars wird bis zur Züglete in den Herbstferien in den Pavillons gebraucht. Zwei dieser Pavillons werden im Herbst beziehungsweise im Frühling, in die Innenstadt sowie in den Kappelerhof gezügelt, wo zusätzlicher Schulraum benötigt wird. Das Mobiliar wird mitgezügelt und dort weiter verwendet.»

Wenig Material wird entsorgt

«Entsorgt wird wenig, sehr altes Mobiliar und defektes Mobiliar», teilt Mirjam Obrist, neue Geschäftsleiterin Volksschule mit. Der Verein Tagesbetreuung für Kinder Baden (TaBa) übernehme das Mobiliar im gelben Schulhaus. Weiter werde in den Fachräumen (Werken/Textiles Werken) das bisherige Mobiliar übernommen. «Es bleibt das Mobiliar in drei Klassenzimmern der Provisorien», so die Mitteilung. Damit würden die Gruppenräume in den neuen Schulhäusern eingerichtet. Zudem werde damit in den anderen Schulhäusern der Stadt sehr altes oder defektes Mobiliar ersetzt.

Mirjam Obrist hat zwar Verständnis für Glanzmanns Eindruck: «Wenn ein Schulhaus fertig gebaut ist und Lastwagen mit neuem Mobiliar vorfahren, dann kann dies tatsächlich den Eindruck erwecken, dass das alte Material statt gezügelt einfach weggeworfen würde.» Doch auch darum sei das nicht der Fall, weil zurzeit in verschiedenen Schulkreisen die Schülerzahlen steigen würden und neue Abteilungen im Entstehen seien. «Wie der Einwohnerrat haben auch wir das grösste Interesse, die knappen finanziellen Mittel gezielt und sinnvoll einzusetzen. Und ich schätze es, auf Optimierungsmöglichkeiten innerhalb der Schule hingewiesen zu werden, um die Schule stetig weiter zu entwickeln», teilt Obrist mit.

«Auch die Schule hat ihren Sparauftrag», und dieser sei sehr deutlich angekommen, erklärt Obrist. Sie ist seit Februar als Nachfolgerin von Alex Grauwiler im Amt. Bei der zusätzlichen Sparübung von vier Prozent habe sich das Sparen längst über den administrativen Bereich bis in den Unterricht hinein ausgedehnt, fügt sie an. Vier Prozent würden etwa 240 000 Franken bedeuten, wobei ein grosser Teil bei der Schule aufgrund der gesetzlichen Vorgaben nicht eingespart werden könne. Ebenso seien die Lehrerbesoldungen vom Kanton vorgegeben.

Gespart worden sei dennoch, sagt Obrist. So habe man beispielsweise auf der Sekundarstufe eins den Schneesporttag und bei der Primarschule die Klassenlager gestrichen. «Das hat schulintern heftige Diskussionen ausgelöst, denn aus Sicht zahlreicher Lehrkräfte würden damit den Schülerinnen und Schülern wertvolle Erfahrungen genommen.»