Statt mit dem Postauto an die Badenfahrt zu gehen, habe sie schliesslich ein Taxi nehmen müssen. «Der Bus war voll und ist an der Station vorbeigefahren», sagt eine Festbesucherin, die vom Rohrdorferberg stammt und sich bei der az gemeldet hat. Ein anderes Mal habe das Postauto zwar gehalten und Fahrgäste seien ausgestiegen, jedoch konnten keine neuen hinzusteigen. «Wenn es schon nur alle zehn Jahre eine Badenfahrt gibt, wieso werden keine zusätzliche Busse eingesetzt?», ärgert sie sich.

Bei der Postauto AG, die unter anderem den Rohrdorferberg bedient, ist man sich bewusst, dass es zu Wartezeiten kommen kann: Vor allem am ersten Festsamstag sei man vom ausserordentlichen Besucherandrang überrascht worden, sagt Patrick Zingg, Leiter der Postauto-Region Nordwestschweiz. «Wir kamen zwischen 18 und 20 Uhr an unsere Kapazitätsgrenzen.» Unter der Woche kämen in den Hauptverkehrszeiten die ordentlichen Pendler hinzu, «leider lassen sich deshalb während der Badenfahrt Wartezeiten für unsere Fahrgäste nicht immer vermeiden».

Für die zehn Festtage hat die Postauto AG ihr Angebot ausgebaut. So leistet sie rund 2300 zusätzliche Kurse und fast 40 000 Mehrkilometer. Auch setze man unter anderem auf der Strecke Berikon/Widen–Baden mehrere Busse hintereinander ein, wobei ein voller Bus bis Baden durchfährt, sagt Zingg. Zwischen den Bussen würden sich dann einige Minuten Abstand ergeben, je nachdem, wie viele Ein- und Aussteiger unterwegs seien. «Erfahrene öV-Nutzer kennen diese Systematik und wissen, dass nach einem durchfahrenden Bus noch einer folgt, der anhält.»

«Wartezeit ist erträglich»

Auch die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) leisten über 2000 Kurse mehr. Beispielsweise verkehren während der Festzeiten und bis eine halbe Stunde nach Festende fast alle Linien, die durch Baden fahren, im 15-Minuten-Takt. Ab Wettingen Zentrumsplatz, Nussbaumen und Kantonsspital fahren Busse im 7,5-Minuten-Takt nach Baden und zurück. Doch ist das ausreichend? Bei den RVBW seien keine Kundenreaktionen eingetroffen, sagt Sprecherin Marija Nikolova. Bisher haben man immer alle Fahrgäste mitnehmen können. Mit Ausnahme des ersten Festsonntags, als der SBB-Tunnel in Baden gesperrt wurde, Fahrgäste in Wettingen aussteigen und mit den RVBW nach Baden fahren mussten. «Und wenn nun tatsächlich ein Bus übervoll ist, so ist die Wartezeit auf den nächsten Bus mit 7,5 oder 15 Minuten erträglich», sagt Nikolova. Bei der Postauto AG heisst es, dass es jeweils eine Herausforderung sei, die Anreise-Spitze abschätzen zu können. Zingg: «Unsere Planung wird laufend optimiert.»

Die Transportunternehmen haben nun reagiert. Seit Mittwoch sind die Festpässe als Gratisticket in den 17-A-Welle-Zonen bereits zwei Stunden statt eine Stunde vor Festbeginn gültig. «Damit können die Festbesucher bereits einen früheren Zug oder Bus für die Anreise benutzen und so können die Kurse in der Hauptverkehrszeit entlastet werden», sagen RVBW und Postauto AG. Auch die SBB ergreifen Massnahmen: Auf das zweite Festwochenende werden Züge zusätzlich verstärkt, wobei um 0.22 Uhr ein Extrazug von Baden nach Brugg–Lenzburg–Aarau–Olten fährt. «Ausserdem setzen die SBB unter der Woche zusätzliche Kundenbetreuer ein», teilen sie mit.