Mehr als 500 Jahre lang war das Agnesen-Spital das Zentrum der Krankenpflege in der Region. Nur dank der grosszügigen Stiftung und dann über Jahrhunderte weiterer Schenkungen der Habsburger hielt es solange Bestand. Gründerin war die verwitwete Königin Agnes von Ungarn, deren Vater, König Albrecht I. im Jahre 1308 in Windisch ermordet wurde. Dessen Witwe Elisabeth gründete zuvor das Klosterstift Königsfelden.

Über das 1349 erstellte Haus selber weiss man nicht allzu viel. Paul Haberbosch ging der Geschichte in den Neujahrsblättern von 1978 nach, aus Anlass des Bezugs des Kantonsspitals. Er stützte sich auf einen Beschrieb des Architekten Caspar Joseph Jeuch aus dem Jahre 1818 ab, weil vom Haus keine Zeichnungen, nur solche vom etwaigen Grundriss vorhanden waren.

Das Agnesen-Spital, zuweilen auch Heilig-Geist-Spital genannt, befand sich zwischen der Häuserfront an der Weiten Gasse und der katholischen Stadtkirche, war 49 Meter lang und 12 bis 15 Meter breit. Das Spital erwirtschaftete lange Jahre Überschüsse, sodass auch Zehntenrechte in umliegenden Bauernorten erworben werden konnten. So führte heute noch die Gemeinde Fislisbach in ihrem Wappen das ungarische Doppelkreuz.

In Frickers «Geschichte der Stadt und Bäder zu Baden» wird das Spital nur kurz und abschätzig erwähnt: «Es ist leicht begreiflich, dass der einerseits hart an dem die Kirche umgebenden Beerdigungsplatz gelegene, anderseits nur durch einen schmutzigen, mit Ratten reichlich bevölkerten Ehegraben von einer Häuserreihe getrennte, wenig bequem gebaute und unansehnliche alte Spital mitten im Weichbild der Stadt je länger, je lästiger werden musste.» 1863 folgte der Abbruch des Agnesen-Spitals.

Dass das Medizinalwesen in Baden im Argen lag, wurde schon Jahre zuvor erkannt. Weil das Agnesenspital noch als Alten- und Findelkinderheim genutzt wurde, wurden ansteckende Kranke ins äussere Spital (Siechenhaus) neben der später erbauten Sankt Anna-Kapelle auf die andere Seite der Limmat verlegt.

Während 25 Jahren hatte die Stadt kein eigenes Spital. Zwar diente in der unteren Altstadt das «Kornhaus» als grosses Spitalhaus. Erst im Jahre 1888 richtete man im ehemaligen Siechenhaus das Stadtspital ein. In Schilderungen heisst es, dass die Zahl der zu Betreuenden jährlich zugenommen habe und vom Spitalarzt wie von den pflegenden Ingebohler-Schwestern einen fast übermenschlichen Einsatz erfordert habe. Dabei handelte sich je länger, je mehr um Chronischkranke und Langzeitalterspflege. Bald war klar, dass die Stadt unbedingt ein neues Spital für medizinische Zwecke benötigen würde.

Am 1. August 1912 wurde unweit von diesem Spitalhaus entfernt das Städtische Krankenhaus eröffnet, heute Regionales Pflegezentrum Baden. 100 Betten standen zur Verfügung. Die Zahl der Hospitalisationen schnellte sprunghaft in die Höhe und erreichte mit 791 im Jahr 1913 mehr als das Doppelte als im Vorjahr, schildert Robert Rhiner in den Neujahrsblättern 2006. 1938 erfolgte ein Ausbau. 1943 kaum der erste chirurgische Chefarzt. Im Operationsbereich wurde weiter ausgebaut.

Schon beinahe Kantonsspital

Das Krankenhaus wurde auch fortlaufend modernisiert. Längst hatte das städtische Krankenhaus die Rolle eines Kantonsspitals im wachsenden Raum Baden erhalten. Zu Beginn der 1950er-Jahre wurde die Idee laut, wegen der peripheren Lage des Kantonsspitals in Aarau und vor allem wegen der rasanten Bevölkerungsentwicklung im Raum Baden ein zweites, für den östlichen Ostaargau bestimmtes Kantonsspital zu bauen. Dies auch darum, weil die immer schneller steigenden Anforderungen mit der vorhandenen Infrastruktur nicht mehr bewältigt werden konnte. So war Jahre lang der Spitalgärtner gleichzeitig Chauffeur des städtischen Krankenwagens. 1960 erfolgte die Aufteilung in die Abteilungen der Chirurgie, der inneren Medizin, einer Frauen- und einer Röntgenabteilung mit vier vollamtlichen Chefärzten.