Arosa/Litzirüti

Vom Badener Ferienheim zum Asylzentrum

Das «Valbella» in Litzirüti war während Jahrzehnten Sport- und Ferienheim der Stadt Baden. Ho

Das «Valbella» in Litzirüti war während Jahrzehnten Sport- und Ferienheim der Stadt Baden. Ho

Vor neun Jahren verkaufte der Verein «Ferienheim Baden» sein Ferienhaus Valbella in Litzirüti unterhalb Arosa. Tausende von Badener Schülern hatten dort Ski- und Sommerlager verbracht. Jetzt nutzt der Kanton Graubünden das Haus als Asylunterkunft.

Während Jahrzehnten fanden im Schanfigg Ski-, Sommer- und Klassenlager der Volksschule Baden statt. Später wurde das Sport- und Ferienheim in Litzirüti auch als Ausbildungsort für Jugend- und Sportleiterkurse des Kantons genutzt.

Die Nachricht, dass aus dem mit dem Gütesiegel III (höchste Qualitätsauszeichnung) des Schweizer Tourismus-Verbandes ausgezeichneten Ferienhaus eine Asylunterkunft werden soll, lässt in Baden Erinnerungen wach werden.

Keine Freude hat der Gemeinderat von Arosa. Doch angesichts 800 Asylsuchender, die Graubünden zugeteilt werden, sieht sich der Kanton gezwungen, zusätzliche Unterkünfte sicherzustellen. Dies laut der «Südostschweiz», weil für die bisherige Reserveunterkunft Ende März 2016 der Mietvertrag ausläuft. Das Transitzentrum in Litzirüti werde aber erst belegt, wenn die übrigen Unterkünfte im Kanton voll seien.

Schönste Kindheitserinnerungen

Mit dem Badener Ferienheim in Litzirüti sind schönste Kindheits- und Jugenderinnerungen verbunden. Vor allem ältere ehemalige Badener Schülerinnen und Schüler wissen von diesen erlebnisreichen Zeiten einiges zu erzählen.

Heute unvorstellbar war allein die Hinreise mit der Bahn, wenn sich an die 100 Kinder mit Ski, Sack und Pack geführt von zwei, drei Leiterpersonen vom Gleis 1 durch den Zürcher Hauptbahnhof zum Schnellzug ins Bündnerland schleppten. In Chur hiess es Umsteigen, wo es auf Holzbänken durch Dutzende Tunnels mit der RhB nach Litzirüti ging.

Früher brettelten die Badener am ersten Tag an den Hängen in Litztirüti die Pisten noch selber flach. Und noch Anfang der 60er-Jahre marschierte man in den ersten Tagen mit geschulterten Skis bis nach Arosa oder gar bis zum Hof Maran.

Die Seilbahnfahrt aufs Weisshorn war jeweils der Gruppe 1, den besten Skifahrern, am zweitletzten Skitag vorbehalten. Am letzten Tag fand das Skirennen in Litzirüti statt, später dann auf den Pisten in Arosa.

Das Lagerleben war jedoch als Gesamtes unvergesslich. Es begann am Morgen mit Musik zur Tagwacht und endete mit dem gemeinsam gesungenen Lied «Abendstille überall», begleitet von Maria Räber, die von 1952 bis 1974 die legendäre Heimleiterin war, auf ihrer Laute.

Disco oder Nüni-Stei – Das Lagerleben hatte es in sich

Ob Disco oder Nüni-Stei, oder ob im Esssaal unten ein Skifilm gezeigt wurde – die Abende des Lagerlebens hatten es in sich. Einige werden sich an den ersten Kuss erinnern, an die heimlich gerauchte Zigarette, an die Streiche oder – wer erwischt wurde – an die nächtlichen Strafexpeditionen durch den Schnee und ans Schneeschaufeln. Auch der laut hallende Gong, der das Essen ankündigte, ist vielen noch in den Ohren.

Die veränderten Feriengewohnheiten der Gesellschaft machten dem Ferienheim bereits Ende der 90er-Jahre zu schaffen. Daran vermochte die extern vergebene Bewirtschaftung nichts zu ändern. Während vieler Jahre versuchte der Vorstand des Vereins Ferienheim Baden, die Zahlen im Lot zu halten.

Der Anteil Badener Schüler am Gesamtumsatz sank auf 12 Prozent. Das stete Defizit war im Stadtrat wiederkehrendes Thema. Notwendig gewordene Instandstellungsarbeiten hätten den jährlichen Geldbedarf auf 90 000 Franken steigen lassen. Im Jahre 2006 fasste der Vorstand den Entschluss, das Haus zu verkaufen, der Stadtrat gab sein Einverständnis.

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