Montagsporträt

Vom Einfamilienhaus in die Terrassensiedlung – sie haben es nicht bereut

Fredy und Myrta Hossli sind begeistert von ihrer neuen Terrassenwohnung im sechsten Stock an der Herrenmatt 3 mit Blick über dir Brugger Altstadt.

Fredy und Myrta Hossli sind begeistert von ihrer neuen Terrassenwohnung im sechsten Stock an der Herrenmatt 3 mit Blick über dir Brugger Altstadt.

Von aussen wirkt das Mehrfamilienhaus, in dem Fredy und Myrta Hossli wohnen, wie ein Bunker. Trotzdem fühlen sich wie in einem Wohnparadies. Und sind froh, dass sie von Gebenstorf nach Brugg gezogen sind.

Bunker, Klotz, Schlammberg, Burg: Die neue Überbauung mit 16 Terrassenwohnungen an der Herrenmatt 3 in Brugg gibt zu reden und sorgt manchmal für staunende Gesichter. Die hellbraune Lasur, die die gesamte Sichtbetonoberfläche überzieht, verleiht dem Haus Glanz oder wirkt abweisend – je nach Lichteinfall und Sichtweise.

Von der Baslerstrasse her lässt sich die Dimension der Siedlung kaum erfassen. Nur kleine Luken geben Einblick in die Garage im Erdgeschoss. Vor der Liegenschaft ragen Betonzacken aus dem Trottoir, als ob sie Passanten warnen möchten, ja nicht in die Nähe zu kommen. Der Hauseingang ist auf der Seite etwas versteckt. Drei Besucherparkplätze sind am Boden mit einem gelben Streifen markiert.

Die acht 4½-Zimmer-Wohnungen und acht 5½-Zimmer-Wohnungen sind alle bewohnt. Fredy und Myrta Hossli gewähren der az einen Blick in ihr neues Zuhause im sechsten Stock. Der Schräglift mit Fenster in der Mitte der Liegenschaft erinnert unweigerlich an eine Bergbahn. Auf der Wiese oberhalb des Neubaus weiden manchmal Schafe.

Hosslis 4½-Zimmer-Wohnung ist inklusive Aussenbereich und Nebenräumen 20 Meter breit und etwa 18 Meter tief. Im April 2013 sind sie von Gebenstorf nach Brugg gezogen. «Beim Ausbau konnten wir unsere Wünsche anbringen», sagt Myrta Hossli.

Auf das vierte Zimmer verzichtet

Die offene Küche mit dem Wohn- und Essbereich wirkt praktisch und pflegeleicht. Das Ehepaar verzichtete bewusst auf das vierte Zimmer und liess stattdessen eine grosse weisse Bücherwand als Raumtrenner herstellen, die auf der Rückseite zwei Büroarbeitsplätze integriert hat. Von der Terrasse ist bei klarem Wetter der Blick über die Brugger Altstadt auf die Alpenkette frei. Auf dieser Aussichtsplattform haben Hosslis mehrere Sitzecken eingerichtet und zwei Liegestühle zum Relaxen aufgestellt. Die beiden «Faulbäume» und die grossen Blumenrabatten lassen jederzeit Gartenfreuden aufkommen.

Myrta Hossli zeigt dem Besuch die beiden Schlaf- und Badezimmer. Alle Einrichtungen wirken sehr assortiert und sind sorgfältig ausgesucht. Diverse Bilder, Accessoires und eine spezielle Farbgestaltung ergeben gesamthaft eine wohnliche Atmosphäre. Die Fassadenstruktur setzt sich im hinteren Badezimmer farblich und mit den kleinen Fenstern fort. «Für die Nachbarn war dieser grosse Neubau am Anfang sicher schwierig. Dank den kleinen Fenstern bleibt ihnen die Privatsphäre trotzdem gewahrt», sagt die begeisterte Bewohnerin und blickt zu den nächsten Häusern in der Herrenmatt.

Keller liegt hinter der Wohnung

Dann führt sie durch die Nebenräume: Hinter der eigentlichen Wohnung erstreckt sich auf der ganzen Breite ein grosser, unbeheizter Raum für Vorräte mit zusätzlichen praktischen Wandschränken für Kleider und Schuhe. «Wenn ich die nächste Tür öffne, werden Sie gleich nochmals staunen», fährt Myrta Hossli fort. Tatsächlich, ein weiterer 20 Meter breiter, grob verputzter Raum, ist in den Hang gebaut und dient den Eigentümern als Keller. Hier haben Hosslis die Waschküche, einen Fitness- sowie einen Abstellraum eingerichtet.

«Diese Terrassensiedlung hat uns von Anfang sehr gut gefallen – und zwar mit den speziellen Details, wie sie Ken Architekten aus Zürich geplant haben», sagt die gebürtige Bruggerin. «Die Lage ist zentral und wir können manchmal bequem auf das Auto verzichten. Durch die hohen Fassadenmauern wird der Verkehrslärm auf der Terrasse auf ein Minimum beschränkt und ist im Wohnraum nicht mehr hörbar.» Alle Bewohner – darunter sieben Kinder – pflegen untereinander einen guten Kontakt. Man kennt sich, ist per Du, hat auch schon zusammen Apéro getrunken. Auf dem Dach befindet sich eine gemeinsame Terrasse mit Spielplatz, Schachbrett und Sitzgelegenheiten.

Ende September ist Schluss

«Ich hatte zuerst Bedenken, dass wir weniger Privatsphäre haben als früher im Einfamilienhaus. Durch die geschickte Abtrennung der Wohneinheiten ist dies glücklicherweise nicht der Fall», sagt Fredy Hossli. «In einem zu offenen Bau hätte ich nämlich nicht wohnen wollen», ergänzt seine Frau, mit der er seit 50 Jahren verheiratet ist.

Der gebürtige Zeiher hat aktuell alle Hände voll zu tun. Als Verwaltungsratspräsident der Boutique Fil à Fil AG ist er mit dem Räumungsverkauf im Modegeschäft in der Brugger Altstadt beschäftigt. Nach 27 Jahren erfolgreicher Tätigkeit – unter der Mithilfe von Tochter Iren – hat sich das Ehepaar Hossli entschlossen, die Boutique zu verkaufen.

Ende September ist Schluss – bis dann sollten sämtliche Kleidungs- und Schmuckstücke, Taschen, Schuhe, Tücher sowie Dekormaterial verkauft sein. Boutique Fil à Fil AG wird unter der neuen Eigentümerin, Doris Müller Erismann, weiterhin bestehen bleiben. Am 3. Januar ist Neueröffnung.

Iren Bärtschi, seit 2004 Geschäftsführerin, löst sich vollständig vom elterlichen Betrieb und erfüllt sich einen lang ersehnten Traum: Sie eröffnet ebenfalls im Januar, ein paar Türen weiter in der mittleren Altstadt, selbstständig eine kleine Damenmode-Boutique – mit zusätzlichen Eigenkreationen.

Während eines Vierteljahrhunderts haben Mutter Myrta und Tochter Iren, die auch in Brugg lebt, zusammen im Verkauf gewirkt. «Wir hatten nie Streit. Im Gegenteil: Wir haben uns gut ergänzt», betont Myrta Hossli.

Kundinnen aus Zürich und Biel

«Von den Brugger Frauen allein hätten wir aber nicht leben können. Ein grosser Teil unserer Kundinnen kam von auswärts – auch von Zürich, Basel oder Biel. Das breite und spezielle Angebot mit kleinen und grossen Grössen sowie die individuelle Beratung waren unser Erfolgsrezept.» Fredy, heute rüstiger Senior, war in dieser Zeit der Büro-Mann im Hintergrund und sorgte sich um Finanzen und Marketing.

Wenn Hosslis Fil-à-Fil-Ära zu Ende ist, wollen sie das Pensionierten-Leben in ihrer grosszügigen Wohnung mit der idyllisch bepflanzten Terrasse noch intensiver geniessen. Und hin und wieder werden sie einen wehmütigen Blick über die Baslerstrasse Richtung Brugger Altstadt werfen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1