Baden
Vom hässlichen grünen Klotz zum schmucken Wohnobjekt

Zwei Fliegen auf einen Schlag: Am Bahnhofplatz erhält die exponierte Fassade des CoopCity-Gebäudes ein neues Gesicht. Gleichzeitig wird der Wohnanteil massiv erhöht.

Roman Huber
Merken
Drucken
Teilen
Mit den Lamellen wird die Fassade der Bahnhofstrasse 28 (Visualisierung) ein anderes Bild abgeben. zulauf & Schmidlin

Mit den Lamellen wird die Fassade der Bahnhofstrasse 28 (Visualisierung) ein anderes Bild abgeben. zulauf & Schmidlin

Stadtwohnen erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit, und gleich neben dem Bahnhof ist es besonders begehrt zu wohnen, wenn der Lärmschutz stimmt. Dass das auch im Gebäude an der Bahnhofstrasse 28 möglich ist, würde man heute nicht unbedingt erahnen. Doch der hässliche grüne Klotz wird umgestaltet und in warme kupferne Farbtöne verpackt. Er wird auch baulich leicht verändert. Mit dem Ausbau des Attikageschosses wird der Wohnanteil des Gebäudes massiv erhöht.

Im Rahmen einer umfassenden Sanierung der Aussenhülle wird das Attikageschoss neu als Kranzgeschoss ausbildet. Das heisst, dass der Wohnungsbau auf die Fassade hinausgesetzt wird, wodurch sich ein grosszügiger Innenhof bildet. Ausschlaggebend für diesen Eingriff dürfte der Auszug der expandierenden Softwarefirma BDP vor knapp zwei Jahren ins Bädergebiet gewesen sein, denn seither steht das Attikageschoss leer.

Die Swiss Life, Eigentümerin der Liegenschaft Bahnhofstrasse 28, hat sich nun dazu entschlossen, die beiden obersten Geschosse zu Wohngeschossen umbauen, nachdem sie diese Pläne vor über fünf Jahren erst in die Schublade versorgt hatte. Bei einem Umbau an diesem Ort muss die Bauherrschaft den gemäss Bau- und Nutzungsordnung geforderten Wohnanteil von 30 Prozent so weit wie möglich erfüllen. Im jetzigen Zustand weist das Gebäude eine Wohnnutzung von lediglich sieben Prozent aus. Hauptmieterin bleibt weiterhin Coop City, die vor wenigen Jahren die Ladengeschosse umgebaut und erneuert hat.

Der Umbau wird vom Architekturbüro Zulauf und Schmidlin geplant. Das Badener Büro gewann den Wettbewerb, den die Bauherrschaft zusammen mit der Stadt Baden bereits vor neun Jahren durchgeführt hatte, und darf nun ihr optimiertes Siegerprojekt realisieren. Im Attikageschoss sind 10 neue Kleinwohnungen vorgesehen, im dritten Geschoss werden die bestehenden Studios in fünf Wohnungen umformiert. Die Wohnungen sind zum lärmgeschützten Innenhof ausgerichtet und ermöglichen so ein angenehmes Stadtwohnen.

Das äusserliche Erscheinungsbild am Bahnhofplatz wird sich stark verändern. Aus energetischen Gründen bekommt der Bau eine vorgehängte Glasfassade. Dahinter werden bewegliche Lamellen aus gefalzten Blechen aufgehängt, die je nach Stellung, Lichteinfall und Sonnenstand ein besonderes Farbenspiel von hellem Orange bis zu tiefem Braunrot ergeben sollen.

Die Farbgestaltung haben die Architekten mit der Künstlerin Ruth Maria Obrist kreiert, die wie die Architekten Zulauf und Schmidlin im Merker-Areal domiziliert ist. «Es ist eine farbliche Fortsetzung der umgebenden Bauten, vom Bahnhofgebäude über das Haus der Neuen Aargauer Bank bis zum Bau von Kantonalbank und Migros», erklären die Architekten. Die Fassadengestaltung ist bereits von der Stadtbehörde begutachtet worden; zurzeit ist ein Muster an der Fassade angebracht.

Der Umbau wird im Februar gestartet und dauert mehrere Monate. «Der Bauablauf muss sehr genau geplant werden, denn er hat unter Betrieb von Bus, Taxi sowie Coop City zu erfolgen», sagt Architekt Stefan Schmidlin. Das Investitionsvolumen beträgt immerhin 12 Millionen Franken.

Wohnen in der Stadt Baden liegt im Trend, und das auch bei Zürchern. «Man hat sämtliche Einkaufsmöglichkeiten gleich vor der Haustür, ein reichhaltiges kulturelles Angebot und ist erst noch verkehrstechnisch optimal angebunden», sagt Schmidlin. Das sei nicht einfach ein unbelegter Baden-PR, fügt sein Kompagnon Dieter Zulauf an: «Für unser Wohn-Hochhaus-Projekt an der Bruggerstrasse haben wir bereits mehr Anfragen als Wohnungen zur Verfügung stehen werden, obschon die für die Baueingabe notwendige Revision der Bau- und Nutzungsordnung noch nicht einmal über die Bühne gegangen ist.»