2019 ist ein ganz besonderes Jahr für Ennetbaden. Die Gemeinde feiert 200 Jahre Eigenständigkeit und damit auch Unabhängigkeit von der Stadt Baden. Im Historischen Museum Baden beginnt am kommenden Freitag eine ganz besondere Ausstellung: Im «Melonenschnitz», dem Museumsanbau auf Ennetbadener Boden, laufen jetzt die letzten Vorbereitungsarbeiten.

Hauptattraktion der Sonderausstellung «Der Rebberg von Baden» sind die Fotografien des Ennetbadeners Werner Nefflen. Und das wiederum bringt mit sich, dass das Museum gleich ein doppeltes Jubiläum begehen kann: Am vergangenen Sonntag wäre Werner Nefflen 100 Jahre alt geworden.

Der Fotograf starb vor fünf Jahren nach einem schaffensreichen Leben. Rund 40 000 Filme hat Werner Nefflen im Lauf seines Lebens belichtet, Hunderte Bilder und Negative werden im Badener Stadtarchiv sorgsam aufbewahrt. Am 28. April 1919 in Baden geboren, wuchs Nefflen in Ennetbaden auf, wo er fast sein ganzes Leben verbrachte – abgesehen von einigen Reportagereisen, die ihn durch den Aargau und um die Welt führten. Vielen galt er als fotografisches Gewissen der Region.

Der Wein als Bindeglied

Trotz aller Freude an der Trennung: Ennetbaden und Baden blieben seit der vom Regierungsrat verordneten Scheidung anno 1819 stets eng verbunden. Der Wein war stets eines der verbindenden Elemente: Bis ins 19. Jahrhundert war der Weinbau die Haupterwerbsquelle für die Ennetbadener. In den Reben am Geissberg und an der Goldwand wuchs seit dem Mittelalter der Stadtwein, den Einheimische und Gäste der Kurstadt Baden tranken.

In der Ausstellung fühlt man sich nun buchstäblich wie in einem Rebberg. Neben den Bildern von Ennetbaden gibt es immer wieder Ausblicke hinüber in die Stadt Baden. Zahlreiche kostbare Objekte lassen einen eintauchen in die Geschichte der einst so armen und heute so wohlhabenden Gemeinde Ennetbaden. Man findet hier die Originalurkunde von Königin Agnes von Ungarn, die 1354 die Spitalreben und die Spitaltrotte stiftete.

Man liest, wie die Weindynastie Wetzel im 17. Jahrhundert aus dem Elsass hierher geholt wurde, um mit gut gekeltertem Wein die Attraktivität des Kurorts Baden zu steigern. Es geht in der Ausstellung aber längst nicht nur um gute Tropfen: Man findet Objekte aus der Blüte und vom Niedergang des Kurbetriebs sowie aus dem reichen Vereins- und Festleben – man denke nur an die Türggenzunft.

Und man lernt, wie sich nach dem Ausbreiten der gefrässigen Reblaus die Goldwand allmählich vom Weinberg zum bevorzugten Wohnhang für das Kader der Badener BBC entwickelte – mit zahlreichen architektonischen Pioniertaten. Nicht zuletzt ist diese sehenswerte Ausstellung auf vielfältige Weise interaktiv: So gibt es etwa eine sinnliche «Traubenlese» für Kinder und für Erwachsene – und zur Belohnung für die richtig gelösten Aufgaben ein Glas Wein oder Traubensaft.

«Der Rebberg von Baden»: vom 3. Mai bis zum 8. September im Historischen Museum Baden, mehr zum Programm unter www.museum.baden.ch