Kolumbien
Vom warmen Kolumbien als Volontär in die kalte Schweiz

Der 21-jährige Ciro Angulo-Ruiz aus Kolumbienabsolviert ein Volontärjahr in der Schweiz. Er berichtet überseine erste Erfahrung mit Schnee, anfängliche Sprachbarrieren und die Sehnsucht nach dem kolumbianischen Essen.

Yvonne Lichtsteiner
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Ciro Angulo-Ruiz (rechts) mit seinem Gastvater Armin Poznicek.YL

Ciro Angulo-Ruiz (rechts) mit seinem Gastvater Armin Poznicek.YL

18 Uhr in Neuenhof – es ist dunkel und kalt. In der Türschwelle eines kleinen Hauses steht ein grosser, schlanker, junger Mann und lächelt. «Hallo, mein Name ist Ciro», sagt er auf Deutsch mit Akzent, der deutlich zu hören ist. Seine Muttersprache ist eigentlich Spanisch, denn er stammt aus Kolumbien.

Mit der Austausch-Organisation ICYE reiste er mit einer Gruppe Jugendlicher in die Schweiz, um hier ein Volontärjahr zu verbringen. Der 21-jährige Kolumbianer erzählt: «Ich komme aus dem Dorf Cereté, es hat aber nur etwa 80000 Einwohner.» Sekunden später erinnert er sich, dass dies für Schweizer Verhältnisse alles andere als klein ist. «Stimmt, Kolumbien ist ja zehnmal grösser als die Schweiz», erinnert sich Ciro und lacht. «Über die Schweiz wusste ich vor meiner Abreise nicht viel, nur dass das Land ein ausgezeichnetes Zugsystem haben soll.» Er sei durch sein Bauingenieur-Studium – das er in Bogotá absolviert – schon vor der Abreise daran interessiert gewesen.

Flug über den grossen Teich

«Der erste Tag in der Schweiz war schwer für mich. Ich sprach kein Wort Deutsch und alles war fremd», erzählt Ciro und erinnert sich an den 6.August des letzten Jahres – dem Tag seiner Ankunft. Den ersten Monat verbrachte er mit anderen Volontären von ICYE in Luzern, um einen Intensivkurs in Deutsch zu besuchen.

Bei der ersten Begegnung mit seiner Gastfamilie in Neuenhof reichten seine Deutschkenntnisse dennoch nicht aus. «Ich konnte mich nur mit Händen und Füssen mit ihnen verständigen», so Ciro. Durch aufmerksames Zuhören und Üben habe er aber schnell Fortschritte gemacht. Auf der Arbeit spreche er hauptsächlich Englisch. Sein Deutsch könne er so leider nicht wirklich verbessern, bedauert er. «Ich arbeite in der ‹ISZW›, der ‹Swiss International School Zurich West› und betreue dort Kinder im Primarschulalter.» Die Aufgabe gefalle ihm sehr, denn es gebe dort Kinder aus der ganzen Welt.

«Multikulti» und viel Akzeptanz

Sowieso fände er es spannend, wie multikulturell die Schweiz sei. «In Kolumbien sind viele Menschen streng katholisch und deshalb oft konservativ.» In der Schweiz könne man herumlaufen, wie man will und es sagt niemand etwas. Das bewundere der Kolumbier sehr. Die Offenheit der Schweizer sei erstaunlich, da diese im Ausland oft als eher verschlossen beschrieben werden. «Es mag sein, dass die Schweizer länger brauchen, um jemanden kennen zu lernen. Aber dafür sind sie dann auch wirklich deine Freunde.»

Er habe bis jetzt unglaublich viel erlebt, sagt Ciro. Zum Beispiel habe er das erste Mal Schnee gesehen. «Es war anders, als ich ihn mir vorgestellt hatte – nicht so kalt.» Und auch das Skifahren sei noch wackelig gewesen – Spass habe es aber gemacht.

Trotz der guten Erfahrungen und der eindrucksvollen Zeit vermisse er seine Familie manchmal sehr. «Neujahr verbringe ich sonst immer mit ihnen, das hat mir dieses Jahr gefehlt», sagt er wehmütig. Auch das kolumbianische Essen fehle ihm ab und zu. «Hier sei es aber auch gut – und Schokolade esse er besonders gern», sagt er und schmunzelt.

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