Am Bahnhof haben sich am Dienstagmorgen dramatische Szenen abgespielt, wie durch ein Wunder ist ein Mann mit einigen wenigen Schürfungen davongekommen.

Ein Augenzeuge berichtet gegenüber der Aargauer Zeitung, er habe gerade das Perron auf Gleis 1 betreten, als Leute schrien: «Stoppt den Zug!» Plötzlich habe er gesehen, dass ein Mann von einem abfahrenden Zug mitgeschleift wurde.

«Der Zug fuhr langsam los, der Mann hing zwischen Wagen und Bahnsteig.» Sein Arm hing an der Türe, er habe nicht erkannt, ob er eingeklemmt war oder ob der Mann sich festhielt, erzählt der Augenzeuge.

Er habe einen Koffer erkannt, der quer in der Tür lag, und eine Tasche, die sich später als Skisack herausstellte. «Ich rannte mit dem Zug mit, sagte dem Mann: «Lassen Sie los!»

Nach etwa 150 Metern habe der Mann sich fallen lassen, er landete zwischen Gleis und Gehsteig. «Ziehen Sie die Hände ein, drücken Sie sich an den Bahnsteig», habe er dem ungefähr 60-jährigen Mann mit weissem Haar zugerufen, während der Zug halb neben, halb über diesem Richtung Zürich losfuhr.

«Ist schon gut, bin nicht verletzt»

Als der Zug im Kreuzlibergtunnel verschwand, konnte der Mann mithilfe des Augenzeugen aufstehen. Wenige Meter vor ihm auf dem Gleis lagen die Ski, hinter ihm das Portemonnaie.

Sichtlich geschockt, mit zerrissener weisser Hose und Schürfungen, habe er auf Hochdeutsch gesagt: «Ist schon gut, bin nicht verletzt, ich habe heute Geburtstag.»

Er habe zu spät bemerkt, dass er in Baden aussteigen müsse. «Als ich beim Aussteigen war, fuhr der Zug schon wieder los», sagte der Glückspilz, ehe er in den nächsten Zug nach Zürich einstieg – wohl, weil er den Koffer holen wollte, wie der Augenzeuge vermutet.

Wenige Momente später holten Beamte den Mann aus dem stehenden Zug. «Um 8.02 Uhr sind wir telefonisch von einer Frau informiert worden, es tönte dramatisch», sagt Martin Zulauf, Badener Stadtpolizei-Kommandant.

Glück im Unglück

«Wir boten einen Krankenwagen auf, in diesem wurde der Mann zur Untersuchung ins Kantonsspital gefahren. Er hatte grosses Glück im Unglück und ist nur mit ein paar Kratzern davon gekommen.»

Die SBB erklären, es habe sich beim Zug um einen City-Nightliner der Deutschen Bahn gehandelt, der von Hamburg nach Zürich unterwegs war. Eine unabhängige Behörde, die Unfalluntersuchungsstelle des Bundes, kläre nun ab, wie dieser Zwischenfall passieren konnte.

«In der Schweiz ist es nicht vorgesehen, dass ein Zug abfährt, wenn noch eine Wagen-Türe offen ist», erklärt Mediensprecher Daniele Pallecchi. «Eine elektronische Anzeige zeigt den Lokführern im Führerstand, ob alle Türen geschlossen sind.»

Der City-Nightliner habe sich aus einer SBB-Lokomotive und Wagen der Deutschen Bahn zusammengesetzt. «Ob die Türenanzeige funktionierte und weshalb es zu diesem Zwischenfall kommen konnte, wird nun abgeklärt.»