Von allen guten Badener Geistern verlassen

Roman Huber
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Das soll der neue Brand werden für das Botta-Bad: «47», oder «Fortyseven», erfunden von einem Werbebüro in Sursee, im Auftrag der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach – doch wo ist da «Baden» geblieben? Dieser Name ist ein Affront gegenüber der ältesten Therme Europas, keltischen Ursprungs, die durch die Römer berühmt und im Mittelalter von weit her aufgesucht wurde, dann in der Belle Epoque ihren Höhepunkt erlebte. Was soll dieser Lifestyle vorgaukelnde Brand, wo es doch hier einen emotionalen Inhalt, einen echten Bezug zu Baden bräuchte.

«Fortyseven» stehe für das 47 Grad heisse Thermalwasser, so die Werber. Was soll denn die Botschaft sein: die Temperatur oder, dass es sich um das mineralreichste Thermalwasser handelt?

Und mit Verlaub: Wer will sich schon beim «Wellnessen» seinen Hintern verbrennen – bei 47 Grad. Zudem könnte «47 Grad» eher für Bad Ragaz stehen. Wer nämlich auf der nördlichen Erdhalbkugel dem 47. Breitengrad folgt, stösst auf Bad Ragaz. Gut, ein Markenrechtsstreit wird es nie geben, denn die Bad Ragazer dürften beim Namen «Tamina Therme» bleiben.

Zugegeben, «Fortyseven» hört sich gar nicht so schlecht an, zum Beispiel für eine Bar, einen Club, weniger für ein Spielcasino, wo ja beim Roulette die «37» die höchste Zahl ist, dagegen nahezu perfekt für den Nachfolge-Agenten von James Bond. Der Name polarisiere, hiess es im Interview mit Bad-Geschäftsführerin Nina Suma. Das ist ziemlich untertrieben, denn bei niemandem, der sich bisher geäussert hat, ob Archäologin Andrea Schär als Kritikerin der ersten Stunde, ob in einer Satire-Kolumne in dieser Zeitung, in Leserbriefspalten, auf dem Online-Portal oder in den Sozialen Medien wie auf Badens Strassen: Ich habe nirgends lobende Worte für «Fortyseven» gefunden.

Ausser von Stadtammann Markus Schneider. Wie er bei der Präsentation in aller Spontaneität seinen Gefallen kundgetan hatte, blieb bis jetzt ein Rätsel – ebenso, woher er den Glauben nahm, dass sich dieser Name durchsetzen werde. «Fortyseven» wird sich nie durchsetzen können! Nach einem 30-jährigen Kampf gegen den Niedergang des Bäderortes, mit dem sich viele Menschen in und weit um Baden herum verbunden fühlen, darf Baden diesen Namen nicht auf seinem Bad sitzen lassen. Egal, in welcher Reihenfolge oder wer die Initiative ergreift: Die städtische Abteilung Standortmarketing, der Stadtrat oder der Einwohnerrat stehen in der Verantwortung.

Wer nun meint, die Stadt könne dem privaten Badbetreiber gar nicht dreinreden, kennt die jüngste Geschichte der Bäder nicht: Das neue Thermalbad wurde vor zwölf Jahren über ein Studienverfahren ermittelt, aus dem eine Jury, bestehend aus Mitgliedern der Stadt und der Verenahof AG, das Projekt von Mario Botta ausgewählt hat. An dieses Verfahren steuerte die Stadt 660000 Franken bei. Weitere über 1,5 Millionen Franken investierte sie in den «Entwicklungsrichtplan Bäder», diverse Planungsarbeiten, verschönernde und verkehrstechnische Massnahmen im oder für das Bäderquartier, vor allem zugunsten der Erneuerungen in den Bädern.

Die Stadt muss nun Paroli bieten. Wie schrieb es der Schöpfer von «Allons-y Argovie» zum Jubiläumsfest des Kantons Aargau, der erfahrene Werber Hans Rudolf Wehrli, jüngst in seinem Leserbrief in der Aargauer Zeitung: «Zurück auf Feld 1!» Das ist das Gebot der Stunde.

Der neue Name soll über einen Ideenwettbewerb mit Badener Werbern von einer breit abgestützten Jury gekürt werden. Oder – warum denn ins Neudeutsch schweifen? – man besinnt sich der Goethe-Weisheit «Sieh, das Gute liegt so nah», und tauft es gleich auf «Aquae Helveticae».