Baden
Von den Highlands in die Karibik

In der Stanzerei Baden spielte Wilber Calver lateinamerikanische Musik mit dem Dudelsack. Unter der Leitung des Pianisten und Keyboarders Alex Wilson, kamen die Besucher in den Genuss, unterhaltsamer und emotionaler Salsamusik.

Jürg Blunschi
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Der kubanische Dudelsackspieler wird von seiner Band unterstützt.Mathias Marx

Der kubanische Dudelsackspieler wird von seiner Band unterstützt.Mathias Marx

Aargauer Zeitung

Unter dem Motto «Drinwiefern», wurde in der Stanzerei Baden Musik in ungewöhnlicher Kombination gespielt. Am vergangenen Mittwochabend gab es heisse lateinamerikanische Musik zu hören, bei welcher der Dudelsack des kubanischen Musikers Wilber Calver besonders im Zentrum stand.

Dermassen ausgefallen, wie es auf Anhieb scheint, war die Kombination von Dudelsack und kubanischen Rhythmen in der akustischen Wirklichkeit allerdings nicht. Und eigentlich machte ja auch nicht der Dudelsack die Musik, sondern die Band drum herum.

Diese war mit je einem Saxofonisten, E-Bassisten und Perkussionisten besetzt und stand unter der Leitung des Pianisten und Keyboarders Alex Wilson. Ein Abend voller unterhaltender, heftiger, farbenfroher und emotionaler Salsamusik.

Wilber Calvers Dudelsack war da die schillerndste aller Farben, vielleicht gerade deshalb, weil Calver sein Instrument nur gerade das tun liess, wozu es sich, bei dem limitierten Tonumfang und der eher behäbigen Tongebung, in diesem Kontext eignete: schöne, verführerische Melodien zu spielen, als Hauptstimme die Kompositionen vorzustellen, gelegentliche Unisono-Zwischenspiele zusammen mit dem Saxofon, und den Ausklang. Calvers Hauptgerät, der edle galizische Dudelsack, passte für diese Aufgaben perfekt und entspricht unserer gängigen Vorstellung eines Dudelsacks.

Das elektronische Instrument dagegen, das Musiker Wilber Calver gelegentlich einsetzte, mag für den Übungsraum gut sein, auf der Bühne dagegen ist es eher unpassend. Knackige, gitarrenhaft orchestrale Basslinien und ein unermüdliches, zackige karibische Akzente setzendes Schlagzeug besorgten den kochenden rhythmisch-harmonischen Untergrund.

Alle Fäden liefen beim Keyboarder und Arrangeur Alex Wilson zusammen, der die Band spontan und präzise führte. Wilson ist ein virtuoser Pianist, der, zusammen mit dem Bassisten, durch repetierende Motive jene Momente heraufbeschwor, welche der Musik ihre einlullende Wirkung vermittelten. Wilson war es auch vorbehalten, in zahlreichen ausgreifenden Soli die persönlichsten musikalischen Statements abzugeben.

Daneben kam Saxofonist Mauricio Salamanca oft solistisch zum Zuge. In eckigen, Funk-getränkten Soli und bissigen Introduktionen brachte auch er seinen Teil der karibischen Brise in die Stanzerei.