Director, música!, ruft der argentinische Regisseur Sebastian Cepeda. Erst kürzlich stand er hinter der Kamera für Beat Schlatter. Jetzt konzentriert er sich auf den Badener Sänger José Jaldon alias Lolo J, der auf der Bühne des Kulturmarkts in Zürich steht. Der Nervenkitzel steigt: Heute wird das Video zu seiner ersten Single «Soy un freak» (Ich bin ein Freak) gedreht, die im April veröffentlicht wird. Zehn Szenen werden gedreht, auch mit Kindern. Blaues, rotes und gelbes Licht schweifen über die Bühne. Lolo J folgt den Anweisungen des Regisseurs. Die Szene wird wiederholt, bis sie passt.

Tröpfchenweise treffen die Band, der Rapper, die Tänzerinnen, die Film-Crew, der Fotograf, Schauspielerinnen und Schauspieler, Kinder sowie die Statisten ein. Darunter auch Emel mit ihrem Mann Frank Bodin. Sie hat die Backgroundvocals gesungen, kann jedoch aufgrund eines anderen Termins nicht beim Dreh mitmachen. Um 11 Uhr sind rund 100 Personen im Gebäude, davon zirka 80 aus Baden und Umgebung. Einige schleichen in den Saal des Kulturmarkts, um einen Eindruck vom Set zu bekommen. Andere warten auf ihren Einsatz, unterhalten sich, trinken Kaffee oder lassen sich schminken und umstylen. Heute ziehen sie alle am selben Strick – aus Freude an der Sache, aus Neugier und vor allem aus Freundschaft.

Alles selber organisiert

Der Dreh hätte einen Wert von «mehreren zehntausend Franken», erklärt Lolo J, der von der Mineralflasche bis hin zum Bühnenbild alles selber organisiert hat. «Viele, die heute hier sind, waren bei meiner Anfrage um ihre Unterstützung so begeistert, dass sie ihre Hilfe ohne Gage anboten. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft», freut er sich. Wie viel der Dreh effektiv gekostet hat, bleibt ein Geheimnis. Was aber will LoloJ mit dem Lied «Soy un freak» sagen, und warum singt er auf Spanisch? «Meine Wurzeln liegen in Spanien», erklärt er. Er fokussiere – voraussichtlich mit eigenem Label und der ersten Single – die Schweiz, Deutschland, den spanischen und lateinamerikanischen Markt.

«Kinder sind unsere Zukunft und wir sollten uns bewusst sein, wie wir sie prägen», erklärt er dann den Einsatz der Kinder beim Videodreh und die dazugehörende Strophe des Liedes. Mit dem Titel «Ich bin ein Freak» spreche er seine Erfahrungen an: «Als ich mich vor zwei Jahren dazu entschloss, meine Stelle im Management einer Firma aufzugeben und mein Leben wieder der Musik zu widmen, erhielt ich recht krasse Reaktionen aus meinem Umfeld.» Er spinne, er träume, er habe doch eine Familie zu ernähren und vieles mehr habe er sich anhören müssen. «Wir leben in einer fortschrittlichen Welt, dennoch sind wir sozial am Verarmen», sagt er. Menschen würden wie ferngesteuert dem Druck der Gesellschaft folgen. Deshalb sei er ein Freak – mit dem Verwirklichen seines Traumes von der Musik zu leben, schwimme er gegen den Strom.

Personen mutieren zu Freaks

Dies werde in der Metro-Szene des Musikvideos verdeutlicht. «Die Menschen in der Metro-Szene sind alle schwarz- weiss und gehen gestresst in eine Richtung. Ich hingegen bin farbig und laufe den Leuten entgegen.» Lolo J berührt die grauen Personen in der Metro, die dabei farbig werden und zu Freaks mutieren, bevor sie auf der Bühne zusammen abfeiern.

Der Tag läuft wie geschmiert. Um 20.30 Uhr ist der Dreh planmässig fertig; die ganze Mannschaft ist gut gelaunt und widmet sich der anschliessenden Party. Erleichtert und überwältigt von der Leistung aller Beteiligten setzt sich Lolo J auf einen Stuhl. «Ich habe bis zum Dreh gezittert.» Funktioniert mein Plan, habe er sich gedacht. «Was ich auf die Beine gestellt habe, hat funktioniert», stellt er nun zufrieden fest. Und wann kann das Video zu «Soy un Freak» gesehen werden? «Mitte März ist der Clip fertig geschnitten und wird dann anschliessend im April via Social Media und PR-Agentur gestreut.»

Infos: www.loloj.ch / www. jaldon.com