Besuch am Arbeitsplatz von Luan Trolli, der seit seiner Geburt an einer cerebralen Bewegungsstörung leidet

Besuch am Arbeitsplatz von Luan Trolli, der seit seiner Geburt an einer cerebralen Bewegungsstörung leidet

Heute arbeitet er bei Cropmark, einer Firma, die im Grosshandel tätig ist und Serviceleistungen sowie Produkte für den Macintosh-Markt vertreibt.

Luan Trolli hat das geschafft, wovon viele Menschen mit einer Beeinträchtigung träumen: Er hat eine Stelle im ersten, sprich regulären, Arbeitsmarkt gefunden, beim IT-Unternehmen Cropmark in Wettingen. Würde Trolli aufgrund einer cerebralen Bewegungsstörung nicht steif und langsam gehen, würde er sich von seinen Arbeitskollegen kaum abheben.

«Bei Cropmark fühle ich mich wie in einer Familie und werde wie ein ‹normaler› Mitarbeiter behandelt», sagt Trolli, während er sich von seinem Arbeitsplatz erhebt und zum Regal geht, wo sich Computerkabel, Adapter und Speichergeräte befinden. Und vor allem: «Ich kann selber Entscheidungen treffen und in gewissem Masse mitbestimmen.» Ganz im Gegensatz zur geschützten Werkstatt der Arwo-Stiftung, für die er zuvor viele Jahre tätig war. Er war für die Stelle zwar sehr dankbar, fühlte sich dort aber unterfordert.

Dass Trolli nun in einem 50-Prozent-Pensum beim IT-Unternehmen arbeiten kann, ist der Stiftung Punt aus Oberrohrdorf zu verdanken: Sie vermittelt Stellen an Menschen mit einer Leistungs-Beeinträchtigung in der Region Baden-Wettingen. Hinter «Punt» stecken Verena Wannaz, Anne Kasper, Hans Wiederkehr und Urs Wiezel. Die Stiftung finanziert sich vor allem durch private Spenden und Zuwendungen. Seit der Gründung im Jahr 2015 konnten die vier Stiftungratsmitglieder bereits zehn Personen in den regulären Arbeitsmarkt integrieren – darunter Luan Trolli.

Es gibt nicht genug Arbeitsstellen

«Menschen mit einer Beeinträchtigung möchten ihr Leben selber bestimmen können. Doch oft mangelt es ihnen an Selbstvertrauen, um selber aktiv zu werden», sagt Stiftungsratspräsident Hans Wiederkehr. Hier greife die Stiftung unter die Arme. Dank Partnern wie der «Arwo» und der Rehaklinik Bellikon könne man auf Interessierte zugehen und ihre Bedürfnisse ermitteln. Dabei habe man gemerkt, dass die Nachfrage nach Jobs im ersten Arbeitsmarkt enorm sei, sagt Wiederkehr. Das Problem sei aber: Es gibt nicht genug Arbeitsstellen. «In den Gesprächen mit den Firmen zeigt sich zwar, dass sehr viel guter Wille vorhanden ist. Doch den meisten fehlt es im Moment an den spezifischen Möglichkeiten», führt der Stiftungsratspräsident aus.

So erging es auch Cropmark, als Trolli vor zwei Jahren ein mehrwöchiges Praktikum absolvieren konnte. «Wir hätten ihm nach Ablauf gerne eine Festanstellung angeboten», sagt Ralph Künzler, der gemeinsam mit seinem Bruder Urs die IT-Firma führt. «Doch wir hatten dazumal keine Kapazitäten.» Weil Trolli von der Arbeit und seinen Kollegen derart schwärmte, liess die Stiftung nicht locker – und vermittelte ihm im vergangenen Herbst ein zweites Praktikum. Da sich in der Zwischenzeit die Ausgangslage im Betrieb geändert hat, konnte Trolli Ende 2016 sogar einen unbefristeten Arbeitsvertrag unterschreiben.

Cropmark bereut diesen Entscheid nicht. «Mit seiner Arbeit sind wir sehr zufrieden. Wir merken auch keinen Unterschied zu den anderen Mitarbeitern», sagt Ralph Künzler. Trollis Beeinträchtigung falle kaum ins Gewicht. Und wenn, dann kompensiere er diese mit seiner guten Arbeit. Trotzdem verneint Künzler nicht, dass man ihn aus dem Stegreif nicht ins Team geholt hätte: «Die beiden Praktika waren ideal, um uns gegenseitig kennenzulernen und gewisse Hemmschwellen abzubauen.»

«Wir sehen, dass er gerne arbeitet»

Seit der Festanstellung hat sich Trollis Leben verändert. Der Vater zweier Kinder ist froh, nicht mehr in einer geschützten Werkstatt arbeiten zu müssen. Dies bekommt auch sein Arbeitgeber zu spüren. «Wir sehen, dass er sehr gerne arbeitet», sagt Ralph Künzler und fügt mit einem Schmunzeln an, er sei sogar motivierter als seine Arbeitskollegen. Auch Trollis finanzielle Situation hat sich gebessert: Er sei stolz, dass er seiner Familie nun mit selbst verdientem Geld Ferien ermöglichen kann. Dabei merkt Hans Wiederkehr an: «Wenn wir jemandem eine Stelle vermitteln können, ist oft der Wunsch da, ganz von der IV abzukommen.» Doch davon rate die Stiftung ab. Bleibe eine Person angemeldet, würden sich zwar die IV-Leistungen aufgrund des zusätzlichen Einkommens verringern, jedoch behielten Versicherte einen finanziellen Rückhalt, was immer auch geschehe.

Stiftung steht von A bis Z zur Seite

Auch wenn Trolli einen Job gefunden hat, ist für die Stiftung die Mission nicht beendet. «Wir stehen den Menschen im ganzen Prozess unterstützend zur Seite, als Bindeglied zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer», sagt die für die Betreuung zuständige Stiftungsrätin, Verena Wannaz.

Obwohl die vier «Punt»-Gründer zahlreiche Stunden pro Woche investieren, sind sie sich einig: Es lohnt sich. «Schaffen wir es, jemandem eine Arbeitsstelle zu vermitteln, kommt unglaublich viel Dankbarkeit zurück», sagt Wiederkehr. Und wenn sie Menschen – wie im Fall von Luan Trolli – dadurch auch glücklich machen können, sei man es auch.