«Ich war 23 Jahre alt, als unser Vater starb», sagt Heinz Wetter. Zu dieser Zeit betrieb der Vater eine Kunstschlosserei in Baden. «Zum Glück hatte ich Schlosser gelernt, obwohl ich für mich auf diesem Beruf keine Perspektiven sah», sagt Heinz Wetter. Denn sein jüngerer Bruder Hans Peter konnte es kaum erwarten, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten. «Genug Arbeit für uns drei hätte es nicht gegeben, deshalb absolvierte ich die Handelsmatur und hätte gerne Wirtschaft, Jus oder Journalismus studiert», erinnert sich Heinz Wetter. Doch dann erlitt der Vater einen Herzinfarkt und alles wurde anders: Heinz Wetter musste sofort seinen Platz einnehmen.

«Die Solidarität, die ich nach dem Tod des Vaters seitens der Stadt und der Architekten als unseren Kunden erleben durfte, war beflügelnd», sagt er. Die Schlosserei entwickelte sich daraufhin rasant. Der Betrieb wurde etwa mit Schlosserarbeiten für die Kläranlage in Turgi betraut und auch beim Bau des Shoppi war die Firma beteiligt. 1968 waren es acht Angestellte, heute beschäftigt die Wetter-Gruppe 250 Mitarbeitende, davon 50 Lernende.

Für Hans Peter Wetter stand es ausser Frage, etwas anderes zu tun als im elterlichen Betrieb zu arbeiten. «Ich habe schon im Kindergarten gerne Schweissarbeiten gemacht», sagt er schmunzelnd. Nach seiner Lehre als Schlosser baute er einen weiteren Geschäftszweig auf: seine Leidenschaft, den Stahlbau. «Mitte der 70er-Jahre konnten wir eine erste Halle in Killwangen errichten», sagt Hans Peter Wetter nicht ohne Stolz. Sukzessive wuchs das Unternehmen daraufhin zu einem der grössten Stahlbaubetriebe der Schweiz. 1970 schuf die H. Wetter AG einen zusätzlichen Bereich – die Produktion von Förderbändern für Futtersilos. «Im Winter hatten wir damals im Baugewerbe wenig Arbeit, aber bereits 20 Mitarbeitende», betonen die beiden Brüder. Eine Einnahmequelle musste her, die man mit diesen Transportbändern fand. Nach zwölf Jahren stellte man allerdings den Betrieb ein und verkaufte diesen Geschäftsbereich.

Klare Aufgabenteilung

War eigentlich immer klar, wer für welche Aufgaben zuständig ist? «Das hat sich aufgrund unserer Ausbildungen wunderbar ergeben. Mein Bruder Heinz zeichnete für die administrativen Belange und ich für den Betrieb verantwortlich», sagt Hans Peter Wetter. 2000 wurde die Wetter Industrie- und Gewerbebau AG gegründet, 2005 kam noch eine Immobilienfirma dazu. Am 1. Januar 2018 hat die dritte Generation mit Gabriel, Valentina und Sandro Wetter das Aktionariat der beiden Gruppengesellschaften H. Wetter AG Hallen Stahl- + Metallbau und der Wetter Industrie- + Gewerbebau AG (WAG) übernommen. Als einziger Externer übernahm Philip Doka als Geschäftsführer der WAG einen Teil der Aktien. «Ebenfalls Anfang Jahr hat sich unser Metallbau mit der Klausner AG zur Klausner Wetter Metallbau AG in Auw zusammengeschlossen. Beide Standorte bleiben bestehen», sagt Hans Peter Wetter.

War es ein «Muss», in die Fussstapfen von Vater Heinz zu treten? Gabriel Wetter: «Nein, keinesfalls. Ich konnte frei entscheiden, welche berufliche Laufbahn ich einschlagen wollte.» Er hat Betriebswirtschaft an der Uni Bern studiert, bei Banken und in der Industrie als Projektleiter und Berater im In- und Ausland gearbeitet und den Master in Business Administration gemacht.

Harte Diskussion mit Onkel und Vater

Der Bezug zum Familienunternehmen war immer da, doch Gabriel Wetter war es wichtig, einen Blick in andere Betriebe werfen zu können. 2010 ist er dann, zusammen mit seinem Bruder Philipp, in den Verwaltungsrat eingetreten. Zwei Jahre später nahm er die Funktion als Finanzchef bei der Wetter-Gruppe wahr, ein Jahr darauf wurde er Geschäftsführer der H. Wetter AG. Seit 2016 hat Gabriel Wetter die komplette Firmenleitung inne. Wie fühlt sich das an, in einem Betrieb dieser Grösse die Fäden ziehen zu dürfen? «Gut. Ich schätze es, Verantwortung tragen und eigene Entscheidungen treffen zu dürfen. Die Folgen der Eurokrise gingen auch an uns nicht spurlos vorbei. Mit dem neuen Verwaltungsrat sind wir nun auf gutem Weg, werden die nächsten Stufen erklimmen und weiterhin selektiv wachsen.»

Seit der 36-Jährige am Ruder ist, hat sich deshalb in der Führung und Organisation einiges geändert. Zwischendurch könne es durchaus harte Diskussionen mit dem Onkel oder Vater geben – was das Geschäftliche anbelange. Privat pflege man jedoch einen äusserst guten Kontakt, habe gemeinsame Interessen, gehe miteinander essen, betont er. «Nur bei der Wahl des Weines sind wir uns nicht immer einig», fügt Hans Peter Wetter schmunzelnd an.