Baden
Von der Nachhilfe zur Oberstufe – «Forum 44» baut das Angebot aus

Seit knapp 30 Jahren gibt es die Privatschule «Forum 44». Ab dem neuen Schuljahr 2016/2017 werden neu eine private Sek und Bez für das 8. und 9. Schuljahr angeboten – «als Ergänzung zur öffentlichen Schule».

Martin Rupf
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Peter Sax, Chantal Corbat und Dorothea Balissat von der Privatschule Forum 44: «Wir wollen die öffentliche Schule keineswegs konkurrenzieren.»

Peter Sax, Chantal Corbat und Dorothea Balissat von der Privatschule Forum 44: «Wir wollen die öffentliche Schule keineswegs konkurrenzieren.»

Sandra Ardizzone

Fast 30 Jahre ist es her, als Dorothea Balissat und Chantal Corbat 1988 an der Mellingerstrasse 44 die Privatschule «Forum 44» gründeten. «Am Anfang stand die Idee von Nachhilfestunden und Fremdsprachkursen», erinnert sich Balissat. Aufgrund der grossen Nachfrage hätten sie das Angebot rasch ausgebaut und zusätzliche Räume im Gebäude hinzugemietet. «Als immer mehr junge Menschen bei uns anklopften, die zum Beispiel nach der Bezirksschule den Sprung an die Kanti nicht geschafft hatten oder nach der Sekundarschule keine Lehrstelle fanden, entschieden wir uns, ein 10. Schuljahr anzubieten», sagt Corbat. Und: «Weil dieses Schuljahr ausserhalb der obligatorischen Schulzeit lag, konnte der Kanton uns auch nicht dreinreden und wir waren bei der Gestaltung des Unterrichtsstoffs relativ frei.»

Gleicher Schulstoff, teils auf Englisch

Heute unterrichten rund 40 Lehrerinnen und Lehrer wöchentlich bis zu 400 Schüler in der Nachhilfe und in Prüfungskursen sowie in drei Klassen mit je maximal zwölf Schülern. «In diesen bereiten wir die Schüler auf die Aufnahmeprüfung für die Kanti oder die Fachmittelschule vor oder aber erhöhen dank des zusätzlichen Schuljahrs die Chancen, eine Lehrstelle zu finden», ergänzt André Sax, der 1996 zur Schule stiess und heute zusammen mit Balissat und Corbat die Schulleitung bildet. Apropos Schulleitung: Ab diesem Sommer werden sich die beiden Gründerinnen etwas in den Hintergrund treten und die operative Leitung Sax überlassen.

Eine viel bedeutendere Änderung respektive Ergänzung wird das Angebot der Schule erfahren. Ab dem neuen Schuljahr 2016/2017 werden neu eine private Sek und Bez für das 8. und 9. Schuljahr angeboten. Im Folgejahr soll das Angebot dann auf das 7. Schuljahr ausgedehnt werden. Ob mit einem solchen Angebot nicht einer Zweiklassengesellschaft Vorschub geleistet werde? Chantal Corbat: «Privatschulen gab es schon immer.
Wir sehen uns sicher nicht als Konkurrenz zur öffentlichen Schule, sondern vielmehr als Ergänzung.» Fakt ist aber, dass Eltern, die Ihre Sprösslinge in die Forum-44-Oberstufe schicken wollen, bis zu 20 000 Franken pro Jahre investieren müssen. «Wir haben hier ganz bestimmt nicht nur reiche Eltern, sondern im Gegenteil viele Eltern respektive Kinder, mit ausländischen Wurzeln», sagt Corbat. Und Schulleiter Sax ergänzt: «Wir wollen die öffentliche Schule nicht schwächen. Es gibt aber Konstellationen, wo Schüler einfach nicht mehr weiter kommen oder blockiert sind, sei es weil die Chemie mit dem Lehrer nicht stimmt oder aus anderen Gründen.» In solchen Fällen könne das Forum 44 eine gute Alternative darstellen, ist Sax überzeugt.

Anders als beim 10. Schuljahr sei die Bewilligung des Kantons für die private Oberstufe natürlich an die Bedingung geknüpft, dass der gleich Schulstoff wie an einer öffentlichen Oberstufe vermittelt werde. Und doch wird es eine Besonderheit – den Immersionsunterricht – geben. «Mindestens zwei Lektionen werden in Englisch unterrichtet», erklärt Sax. Beginnen werde man dabei mit den Fächern bildnerisches Gestalten und/oder Sport. «Dadurch können wir erste Erfahrungen sammeln und glauben vor allem, so zu gewährleisten, dass die Sprachkenntnisse die Fachnoten nicht negativ beeinflussen.» Ein weiteres Fach, das an öffentlichen Schulen nicht angeboten wird, ist das Fach Arbeitstechnik. Und zusätzlich gebe es Doppelstunden, die eine ruhigere und vertiefte Vermittlung des Schulstoffs erlauben würden.

Eine ansehnliche Erfolgsquote

Wenn Eltern so viel Geld für die Ausbildung ihrer Kinder in die Hand nehmen, hoffen sie auch auf Erfolg. Corbat: «Unsere Erfolgsquote lässt sich sehen; sie beträgt rund 90 Prozent.» Das sei auch damit zu erklären, dass man Eltern immer ehrlich und vor allem früh genug die realistischen Chancen ihrer Sprösslinge aufzeige. Und wie wissen Eltern und Lehrer, wo die Jugendlichen stehen. Balissat: «Indem wir die Kenntnisse laufend mit Tests überprüfen und wie an öffentlichen Schulen mit Zwischen- und Jahresberichten dokumentieren.»

Kein Thema sei derzeit, dass die Schule alle Stufen – also von der ersten Klasse – anbiete. «Die Arbeit mit Oberstufen-Schülern liegt uns wohl mehr», so die drei Schulleiter lachend. Was es aber ab dem nächsten Schuljahr am Forum 44 geben wird, sind Tagesstrukturen und darin integrierte betreute Aufgabenstunden. Die Jugendlichen werden, falls gewünscht, von 7.45 bis 16.30 Uhr betreut. Viermal pro Woche wird ein Mittagstisch angeboten – bald auch für Oberstufenschüler.

Infoabende: 6. April und 24. Mai, 19.30 Uhr, Forum 44, Mellingerstrasse 44, 5400 Baden