Rieden
Von der Traum- zur Braufabrik – dank Crowdfunding

Im Oederlin-Areal in Rieden entsteht mithilfe von Crowdfunding eine neue Bierbrauerei. Das Bierbrauen ist und bleibt aber ein Hobby für die vier Männer.

Barbara Scherer (Text und Foto)
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Die Braufabrik Baden entsteht im Oederlin Areal mithilfe eines Crowdfundings. V.l.: Lyn Uhlig (hilft beim Umbau mit) und die vier Bierbrauer Michael Burger, David Guntern (blaues Shirt), Flavio Uhlig (vorne, schwarzes Shirt) und Andreas Baumann bei der Renovation des Raumes im Oederlin-Areal.

Die Braufabrik Baden entsteht im Oederlin Areal mithilfe eines Crowdfundings. V.l.: Lyn Uhlig (hilft beim Umbau mit) und die vier Bierbrauer Michael Burger, David Guntern (blaues Shirt), Flavio Uhlig (vorne, schwarzes Shirt) und Andreas Baumann bei der Renovation des Raumes im Oederlin-Areal.

Barbara Scherer

Weisser Staub wirbelt durch die Luft. Es hämmert und surrt. Vorsichtig leert ein junger Mann Beton in das Loch am Boden: Im Oederlin-Areal in Ennetbaden/Rieden entsteht eine neue Bierbrauerei. Die vier Hobbybrauer Andreas Baumann (37), Michael Burger (32), David Guntern (32) und Flavio Uhlig (29) haben sich zusammengeschlossen und die «Braufabrik Baden» gegründet. Es ist bereits die zweite Kleinbrauerei, die in das alte Industriegebäude an der Limmat zieht: Gleich nebenan befindet sich seit zwei Jahren die Brauerei «Malz Maul».

Dabei ist die «Braufabrik» ein Zusammenschluss zweier Brauereien. «Ich braue seit rund sechs Jahren Bier», sagt Andreas Baumann. Unter dem Namen «AG Bräu» hat er im Roggebode in Baden damit angefangen. Flavio Uhlig hat das Bierbrauen vor drei Jahren in Kanada kennen gelernt. «Ich war in Quebec und mich hat die Vielfalt der Biere überwältigt. Dort gibt es zahlreiche lokale kleine Brauereien.» Wieder in der Schweiz hat er kurzerhand zusammen mit David Guntern und Michael Burger angefangen, selber Bier zu brauen.

Bis sich David Guntern und Andreas Baumann vergangenes Jahr an der Generalversammlung der Lägerebräu in Wettingen trafen. «Andreas hat so spezifische Fragen gestellt, da wusste ich, der braut selber Bier», sagt David Guntern. Während die drei Männer eher experimentieren, hat Baumann bereits ein paar Standardbiere entworfen: Das Angebot ergänzte sich perfekt und die vier Hobbybrauer entschlossen sich, fortan zusammenzuspannen.

Finanzierung durch Crowdfunding

Damit der Traum des eigenen Hopfengetränks wahr werden kann, haben die vier Brauer Anfang Juli ein Crowdfunding gestartet. 22 222 Franken sollen für die Renovation des Raumes und für einen neuen Gärtank zusammenkommen. «In den ersten paar Tagen haben wir bereits die Hälfte des Geldes gesammelt: Wir sind zuversichtlich», sagt Flavio Uhlig. Rund einen Drittel aller Kosten soll das Crowdfunding decken, den Rest bezahlen die Männer aus der eigenen Tasche. Dabei legen alle vier Brauer auch selber Hand an. Professionelle Hilfe erhalten sie von Uhligs Bruder, der Maurer ist.

Das Bierbrauen ist und bleibt ein Hobby für die vier. «Wir wollen dazu beitragen, in der Region die Biervielfalt weiter zu fördern», sagt Michael Burger. Dabei sei es nicht das Ziel, möglichst viel Bier zu produzieren: An einem Tag können rund 300 Liter des Gerstensafts gebraut werden. «Uns alle fasziniert einfach, was für eine Biervielfalt aus nur vier Grundzutaten hervorgehen kann», sagt Flavio Uhlig. «Und wir sind natürlich auch alle leidenschaftliche Biergeniesser», fügt David Guntern mit einem Augenzwinkern an. Deshalb opfern alle vier auch gerne ihre Wochenenden und Feierabende, um Hopfen und Malz zu mischen.

Bier mit Comedy

«Nebst dem Bierbrauen soll die ‹Braufabrik Baden› auch ein Ort für kulturelle Anlässe sein und einen sozialen Anspruch haben», sagt Flavio Uhlig. Schliesslich verbinde Bier die Menschen. So wird in der neuen Brauerei auch eine kleine Bar entstehen, wo Zaubershows oder Stand-up- Comedy gezeigt werden. Läuft alles nach Plan, dann öffnet die Brauerei ab Ende September zweimal im Monat ihre Tore für Bierliebhaber. Bis es so weit ist, hämmert und bohrt es noch eine Weile im Oederlin-Areal.