Baden

Von der Villa Funk auf den Mond

Museumsleiter Daniel Kaysel begrüsst die Besucher zur galaktischen Sonderausstellung.

Im Schweizer Kindermuseum Baden ist die Sonderausstellung «Sonne, Mond und Sterne» eröffnet worden.

Makellos rund und in sattem Gelb strahlte er aus dem nur leicht verschleierten Dunkelblau. «Es war als hätt’ der Himmel / Die Erde still geküsst . . .». Treffender als Joseph von Eichendorff in seinem Gedicht «Mondnacht» hätte man die Stimmung am Samstag nicht beschreiben können.

Und just an dem Abend wurde der Mond auch ins Zentrum des Schweizer Kindermuseums gerückt, wo er von Gross und Klein hautnah erforscht, bestaunt und bewundert werden kann – egal, ob er sich am Himmel droben rund präsentiert, als Sichel oder gar nicht.

Die neue Sonderausstellung «Rakete, Mond und Sterne» im Dachgeschoss der Villa Funk am Ländliweg ist eine mitreissende Forschungsreise über 384 400 Kilometer.

Ganze Mission hat 195 Stunden gedauert

«Wer auf dem Mond gewesen ist, für den gibt es auf Erden keine Ziele mehr», sagte Apollo-11-Astronaut «Buzz» Aldrin, der am 21. Juli 1969 als zweiter Mann den Erdtrabanten betreten hatte. Das Kindermuseum ist nun aber ein sehr valables Ziel für alle, die – nach menschlichem Ermessen – wohl nie höchstpersönlich auf dem Mond stehen werden. Bereits der Grossaufmarsch zur Vernissage machte deutlich: Das Thema fasziniert Gross und Klein.

Zwischen einem Grusswort von Stadträtin Ruth Müri und einer fast 40-minütigen Video-Reise durchs Universum unter Führung des Planetariums Zürich bildete die Live-Zuschaltung des Schweizer Astronauten Claude Nicollier aus dem Space Center in Lausanne den Höhepunkt des offiziellen Teils.

Die Sonderausstellung fasziniert längstens nicht nur Kinder.

Die Sonderausstellung fasziniert längstens nicht nur Kinder.

Jedoch – Vernissagen sind jeweils Theorie – viel spannender ist immer die Praxis. Schon auf der Treppe zur Ausstellung im Dachgeschoss stimmen Titelseiten von Büchern und Comics auf die Reise ins Weltall ein: Da begegnet man unter anderem «Hotzenplotz und die Mondrakete» und «Drache Kokosnuss im Weltraum», einem Astronauten-Schlumpf und einer ebensolchen Mickey Mouse.

Oben angekommen, wird man gleich auf dem Korridor vom Sonnensystem – vom kleinsten Merkur bis zum grössten Jupiter, attraktiv visualisiert und erläutert – in Empfang genommen. Gleich daneben dann geht es in media res: Da ist man dank Schwarz-Weiss-Video sozusagen live bei der Mission Apollo 11 dabei; erlebt sie wie jene Glücklichen, die damals bereits Zugang zu einem Fernsehgerät hatten.

Allein schon die Zahlen, die da eingeblendet sind, verschlagen Eltern ebenso den Atem wie Kindern. Etwa wenn die Rakete stufenweise von 10 bis auf 36 000 km/h beschleunigt. Oder dass die Mission vom Start bis zur Wasserlandung präzise 195 Stunden 18 Minuten, 35 Sekunden dauerte.

In einem Raum zeigt ein weiteres Video Astronauten bei der Körperpflege und beim Kopf-über-Fitnesstraining. Man erfährt, wie sie ihre Notdurft verrichtet haben und dass ein Raumanzug 10 Millionen Dollar kostet.

Ebenfalls per Video steht hier Claude Nicollier ausführlich über sich persönlich und seinen Job Red und Antwort unter anderem zu Themen wie «Vom Kind zum Astronauten», «Leben in der Raumfähre» oder «Mars-Mission».

Auch die weltberühmte Schweizer Rakete hat ihren gebührenden Platz – die Wasserglace Rakete von Frisco, die unmittelbar nach der Mondlandung in zahllosen Tiefkühltruhen gelandet war. Noch heute werden jährlich weltweit acht Millionen eiskalte Raketen geschleckt.

Apropos schlecken. Das «Neapolitan Ice Cream Sandwich», das Astronauten jeweils mit an Bord hatten, ist ebenso gefriergetrocknet wie die ganzen Erdbeeren. Falls die ausgestellten Alubeutel und Tuben mit getrockneter Erbsensuppe oder Schweinefleisch mit Gemüse gluschtig machen – verschiedenste Astronautennahrung wird im Internet angeboten.

Liegend auf dem Bett die Sterne bestaunen

Vor lauter Staunen müde geworden, lädt ein Liegebett nur scheinbar zum Ausruhen. In Tat und Wahrheit zieht man sich eine Art Helm über den Kopf und wird – schwuppdiwupp – für fünf Minuten zum Sterngucker.

Eine ganz andere Art, seine Augen in fernste Höhen schweifen zu lassen, bieten drei View-Masters. Vor 50 Jahren waren diese Geräte ein Renner, sind heute aber kaum noch bekannt. In den Geräten stecken kleine, dreidimensionale Dias auf einer runden Scheibe, die Besucherinnen und Besucher mit einem kleinen Hebel drehen können.

Auch sie machen, genauso wie ebenfalls die Sammlung an Weltraum-Spielzeug, die Erforschung von «Rakete, Mond und Sterne» im Kindermuseum zu einem äusserst spannenden und erlebnisreichen Besuch. Er fasziniert und begeistert nicht nur für den Moment, sondern klingt eine ganze Weile nach. Wetten, dass «Astronaut» auf der Hitliste von Berufswünschen garantiert lange die vordersten Plätze einnehmen wird.

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