Kindermuseum
Von der Werbefigur zum Kinderhelden – die Erfolgsgeschichte von Globi

Das Kindermuseum Baden präsentiert in einer Kabinettsausstellung den Werdegang der Kultfigur Globi. Die Ausstellung kann noch bis Mitte November besucht werden.

Katharina Herzig
Merken
Drucken
Teilen
Marcel Kaysel, Leiter des Kindermuseums Baden, in der neuen Globi Ausstellung.

Marcel Kaysel, Leiter des Kindermuseums Baden, in der neuen Globi Ausstellung.

EMANUEL PER FREUDIGER

Der Vogelmensch mit der Baskenmütze und den rot–schwarz karierten Hosen zieht seit 82 Jahren Gross und Klein in seinen Bann. Die derzeitige Globi-Ausstellung im Kindermuseum Baden soll eine Hommage an all diejenigen sein, die zu Globi beigetragen haben und sich für seinen Weiterbestand engagieren. Entstanden ist sie in Verbindung mit der aktuellen Sonderausstellung «Vom Wandel im Handel», die den Weg vom Tauschhandel zum Online-Shopping beschreibt.

Auch Globi hat einen Wandel durchgemacht. Ursprünglich als Werbefigur zum 25-jährigen Bestehen des Warenhaus Globus geschaffen, ist er bis heute als Comic-Figur beliebt. Globi passte in den 1930ern gut zum Trend der vermenschlichten Tiere, der zeitgleich in den USA mit Donald Duck und Mickey Mouse aufkam.

1935 erschien das erste Globi-Buch «Globis Weltreise». Im selben Jahr kam auch die monatlich publizierte Jugendzeitschrift «Der Globi» heraus und wurde ein voller Erfolg.

Ende der 50er-Jahre löste sich der Vogelmensch von seiner Werbefunktion und war von da an eigenständige Buch– und Kultfigur. Die zahlreiche Fanpost bestätigte die bedeutende Rolle, die Globi damals für die Kinder spielte, die ohne Fernsehen und mit wenigen Unterhaltungsangeboten aufwuchsen.

Globi und Papa Moll in Baden

Drei Personen haben vor allem zum Werdegang Globis beigetragen: Ignatius Karl Schiele, damaliger Globus-Werbechef, der den Auftrag erhielt, eine Werbefigur für Kinder zu erfinden; Robert Lips, Zeichner von Globi, der ihm die unverwechselbare Gestalt gab; und nicht zuletzt der Ennetbadener Alfred Bruggmann, der zwanzig Jahre lang die einprägsamen Globi-Verse verfasste. Sein Sohn – Alfred Bruggmann junior – war Kabarettist und vertonte später zahlreiche Globi-Bücher auf Kassetten.

Mit Papa Moll stiess eine weitere Figur mit Wurzeln in Baden zum Globi Verlag. Für die Kinderzeitschrift «Junior» erschuf die Kunstmalerin Edith Oppenheim-Jonas den freundlichen Familienvater. Die Schöpferin ist in Baden aufgewachsen und verstarb 2001 ebenfalls in der Bäderstadt. Die ersten Geschichten von Papa Moll erschienen 1952. Die Buchrechte dafür erwarb der Globi Verlag 1974.

Globi als Identifikationsfigur

Marcel Kaysel, Leiter des Kindermuseums beschreibt das Phänomen um den Vogelmenschen: «Globi ist weniger kommerzialisiert als andere Kinderfiguren. Er ist der stille Mitwanderer im Kinderzimmer – überall präsent, aber nicht aufdringlich.» Diese Zurückhaltung passe zur Schweizer Mentalität. Der enorme Erfolg Globis liege in seinen Abenteuergeschichten, in welchen sich viele Leser wiedererkennen könnten.

Die Bildergeschichte sei damals auch eine neue Form der Erzählung gewesen, die zwar für Kinder gemacht worden war, die Erwachsene aber genauso in ihren Bann zog. Dadurch, dass man die Bücher ausmalen konnte, wurde den Kindern ermöglicht, die Welt von Globi mitzugestalten und persönlicher zu machen.

Auch die Erwachsenen können aktiv mittun: Diesen Monat ist das neue Kochbuch «Globis Schweizer Küche» im Globi Verlag erschienen. 26 Köche, darunter auch Spitzenköche, verraten Globi und dem Leser ihre typischen Schweizer Gerichte.

Die Ausstellung im Kindermuseum baden kann noch bis zum 16. November besucht werden. Zu sehen gibt es zahlreiche Bücher, Zeitschriften, Spielzeuge und sogar SBB-Tickets mit Globi-Motiv.