Drei verladene Raben, eine Eintagsfliege oder Franz, die Ratte: Die Protagonisten der Baden-Fabeln von Simon Libsig leben alle in Baden. Bis Sonntag kann man sich ihre Geschichten im Kurpark noch anhören. Dann, mit dem Ende der Badenfahrt, werden sie wieder verschwinden aus der Stadt.

Libsigs Baden-Balladen vom Stadtfest vor fünf Jahren sind noch vielen gut in Erinnerung. Dieses Jahr drehen sich nun die Mundartgeschichten um Tiere in der Stadt, die aber allesamt sehr menschliche Züge haben. Die Skulpturen dazu hat Bildhauer Alex Schaufelbühl aus Eichenholz geschnitzt. Kennengelernt haben sich die beiden auch am Stadtfest 2012. Schaufelbühl hat sein Atelier im Gnadenthal an der Reuss bei Niederwil. Dort arbeitet er seit 20 Jahren als Holzbildhauer.

Das Leben einer Eintagsfliege

«Die Figuren tragen alle etwas Ironisches und etwas Menschliches in sich», sagt Libsig. Ungefähr 20 Minuten braucht, wer an den Hörstationen alle sechs Fabeln in voller Länge hören will. Der kleine Platz mit den Fabelwesen zwischen dem Casino und dem Springbrunnen ist in den letzten Tagen zu einem Rastplatz geworden, der mittags rege von Büroangestellten und Jugendlichen genutzt wird, abends von erschöpften oder ruhesuchenden Badenfahrern.

Immer wieder sieht man hier Leute mit Kopfhörern schmunzeln oder laut lachen. Besonders berührend ist die Geschichte von der Eintagsfliege, die im Kantonsspital zur Welt kommt und ihr ganzes Leben, an einem einzigen Tag, in Baden verbringt. Entstanden sind die Fabeln als Gemeinschaftswerk von Schaufelbühl und Libsig. Manche Geschichten schrieb Libsig über eine Figur von Schaufelbühl. Umgekehrt hat Schaufelbühl Tiere nach Ideen von Libsig geschaffen: Schnapp-Schnapp, den Flughund und die drei verladenen Raben zum Beispiel. So ist ein kleiner Märchenwald entstanden. Der «Sel-Fisch» hinter der Holzbank ist zwar nicht Teil einer Fabel, aber er ist ein beliebtes Foto- oder eben Selfie-Motiv geworden während der Badenfahrt.

«Unsere Idee war, dass die Leute hier eintauchen können in eine andere Welt», sagt Schaufelbühl. Es sollte nicht einfach Unterhaltung sein, sondern auch Gelegenheit für eine kurze Einkehr bieten. «Wir wollten etwas Verträumtes, Poetisches, Lyrisches schaffen für die Badenfahrt». Wenn diese am Sonntag zu Ende geht, werden die Figuren und die Hörstationen wieder abgebaut.

Die Skulpturen sind teilweise schon verkauft. Was aus den Fabeln wird, weiss Libsig noch nicht, aber er möchte sie in irgendeiner Form zugänglich machen. Alles andere wäre auch zu schade: Die Baden-Fabeln sind eine wunderbare Erinnerung an diese schöne Badenfahrt.