Baden

Von Fencheloliven bis zu Hirschzunge: Am Wochenmarkt zieht langsam der Herbst ein

Am Badener Wochenmarkt ist die Vielfalt derzeit besonders gross – von Fencheloliven bis zu Hirschzunge gibt es alles,

«Im Frühherbst ist der Badener Wochenmarkt besonders schön. In keiner anderen Jahreszeit bietet die Natur eine derart grosse Vielfalt wie jetzt», sagt Marktleiter Gabriel Schibli. «Viele Besucherinnen und Besucher spazieren samstags jeweils schon um 7.30 Uhr durch die Weite Gasse zum Schlossbergplatz bis zur Cordulapassage. Sie saugen die Farbenpracht auf, die sich zu ihrer linken und rechten Seite dank der Blumen-, Gemüse- und Früchteauslagen bietet und tanken Kraft und Energie.»

Das Naturbuffet ist Anfang Oktober besonders voll. Schibli: «Wir haben noch vereinzelt Erd- und Himbeeren, eigentlich typische Sommerfrüchte. Mittlerweile gibt es aber Sorten, die auch noch später geerntet werden können. Auch das ganze Apfelsortiment, Kürbisse, alle Salatsorten und die vor allem im Winter beliebten Kohlgemüse sind erhältlich.»

Für einen richtig geschmackvollen Nüsslisalat sei es allerdings noch etwas zu früh. «Er braucht wie der Rosenkohl einen Frost, damit er fest wird und seinen intensiven Geschmack bekommt.» Die gedämpften Randen sind eine typische Herbstspezialität von Schiblis Hof in Müslen.

«Im Herbst achten die Menschen weniger auf ihre Figur»

Vor Hanna Hospenthal aus Untersiggenthal, die in Baden schon seit 55 Jahren einen Stand hat, breitet sich ein Farbenmeer aus Astern und anderen Herbstpflanzen aus. Welches ist ihre Lieblingsjahreszeit? «Sie sind alle schön und jede hat ihren besonderen Reiz», meint sie.

Provencal-Tropical aus Stetten bietet als saisonale Spezialität Fencheloliven zu Verkosten, eine von zahlreichen Sorten, die neben Kokosnüssen und Passionsfrüchten von Kleinbauern aus Sri Lanka im Angebot sind. Nii aus Südthailand steht schon seit drei Uhr morgens auf den Beinen. Sie hat Frühlingsrollen, Samosa und andere asiatische Spezialitäten gekocht. «Ich freue mich auf den Herbst. Denn dann sorgen sich die Leute weniger um ihre Figur als im Sommer und essen mehr», verkündet sie und lacht.

Marktbesucher Samuel Stucki aus Nussbaumen hat seinen ganzen Einkaufswagen mit Köstlichkeiten von den verschiedenen Ständen gefüllt. «Ich komme jeden Samstag hierher und decke uns für die ganze Woche ein»; sagt er und fügt hinzu, «es geht aber nicht nur um die Einkäufe. Ich treffe regelmässig Bekannte und kenne die verschiedenen Standbetreiber. Der Markt hat für mich auch eine wichtige soziale Komponente.»

Amir Zamani aus Othmarsingen ist mit seinen getrockneten Früchten und Nüssen, die er aus dem Iran importiert, ein echter Publikumsmagnet. «Der Herbst ist die beste Zeit für Pistazien und Datteln. Die werden jetzt in meinem Heimatland geerntet und in die Schweiz transportiert», bekundet er und bietet ein paar seiner Spezialitäten zum Probieren an.

Hanspeter Meier aus Full verkauft an seinem Stand seltene Gemüsesorten wie Süsskartoffeln, kleine rote Auberginen (Rouge de Turquie), Riesenkohlraben, Pastinaken, Gemüseartischocken (Kardy) und Salatsorten wie «Hirschzunge». Auch alte Apfelsorten wie Sauergraulich und Cox aus dem eigenen Hochstammobstgarten sind erhältlich.

Obwohl es gegen 10 Uhr so richtig brummt auf dem Markt und die Leute dicht gedrängt an den Ständen stehen, spürt Standbetreiber und Marktleiter Schibli die Herbstferien. «Viele Leute sind weg. Das fällt uns sofort auf, denn wir kennen unsere Stammkunden alle mit Namen und vermissen sie, wenn sie nicht da sind.»

Andererseits kommen in der Urlaubszeit Leute, die frei haben und noch nie auf dem Badener Wochenmarkt waren. Eine grosse Chance für Schibli und Co.: «Sie entdecken feine Käse oder einen knackigen Salat und merken: ‹Wow, der Geschmack unterscheidet sich total von den Sachen, die ich sonst einkaufe›. Die meisten kommen nach dieser Erfahrung bald wieder.»
Der Badener Wochenmarkt findet jeden Samstag von 7.30 bis 11.30 Uhr (Cordulapassage bis 14 Uhr) statt und am Dienstag von 7 bis 11 Uhr.

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