Würenlos
Von Schulbank an Ratstisch: Jung-Gemeinderäte bereuen ihr Engagement nicht

In wenigen Tagen sind sie ein halbes Jahr im Amt, die beiden Jung-Gemeinderäte Nico Kunz und Lukas Wopmann. In einer ersten Bilanz ziehen sie trotz zeitlicher Belastung ein positives Fazit.

Dieter Minder
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Die beiden Jung-Gemeinderäte Lukas Wopmann (links) und Nico Kunz, sind zurück in ihrem ehemaligen Klassenzimmer. Alex Spichale

Die beiden Jung-Gemeinderäte Lukas Wopmann (links) und Nico Kunz, sind zurück in ihrem ehemaligen Klassenzimmer. Alex Spichale

Nach einem turbulenten Wahlkampf wurden Nico Kunz (FDP) und Lukas Wopmann (BDP) am 25. August 2013 in den Gemeinderat Würenlos gewählt. Seit dem 1. Januar sitzen sie mit Gemeindeammann Hans Ulrich Reber, Vizeammann Anton Möckel und Gemeinderätin Karin Funk am Regierungstisch im 1. Stock des Gemeindehauses.

Sie haben die Funktion in keiner leichten Phase angetreten, denn die Würenloser Politik ist durch die angeschlagenen Finanzen geprägt. Diese soll mit einem Sparpaket wieder ins Lot werden. Deshalb will der Gemeinderat auf den Sportplatz Tägerhard verzichten. Die Gemeindeversammlung hat dem Vorhaben zugestimmt, wogegen das Referendum ergriffen wurde (az 14. Juni).

Wopmann betreut die Ressorts Hochbau, Militär, Feuerwehr, Zivilschutz und Ortsbildschutz. Kunz ist zuständig für die technischen Betriebe, Familie, Sport, Vereine, Freizeit und Landwirtschaft. Im Gespräch mit der az äussern sie über ihre Erfahrungen.

Nico Kunz, Lukas Wopmann, seit wann kennen Sie sich?

Lukas Wopmann: In der 1. Klasse der Schule waren wir noch getrennt. Dann wurde, so viel ich mich erinnere, die Lehrerin schwanger und unsere Klasse wurde mit derjenigen von Nico zusammengelegt.

Nico Kunz: Von der 2. Klasse bis zur 3. Sekundarklasse sind wir gemeinsam zur Schule gegangen, danach haben wir uns aus den Augen verloren.

Wopmann: 2007 bin ich der Feuerwehr beigetreten, da sind wir uns wieder begegnet.

Wie begann Ihre politische Karriere?

Kunz: Im Alter von 18 Jahren bin ich in die FDP eingetreten, habe aber nie aktiv politisiert. Bis auf eine Ausnahme: Ich wohnte einmal 10 Monate in Baden und habe sogar als Einwohnerrat kandidiert, aber natürlich aussichtslos. Später bin ich mit meiner Lebenspartnerin Annina Kurath nach Würenlos zurück gezügelt.

Wopmann: Ich habe mich bereits als Teenager für Politik interessiert, damals waren die Armee 21 und die Schengen/Dublin-Abkommen die grossen Themen. Ich habe immer eher konservativ gewählt, war aber nie in einer Partei. Als 2008 die BDP gegründet wurde, beschloss ich: Ich engagiere mich und trete ihr bei.

Wie sind Sie in die Gemeindepolitik gekommen?

Wopmann: Als vor einem Jahr Kandidaten gesucht wurden, wurde ich angefragt. Weil ich mich mit Würenlos verbunden fühle, war ich zur Kandidatur bereit.

Sie waren schon Grossrat. Ist die Gemeindepolitik kein Rückschritt?

Wopmann: Ich bin als Grossrat zurückgetreten, um mich der Gemeinde zuzuwenden und weil sich die berufliche Situation geändert hat. Das ist wirklich kein politischer Abstieg.

Wie war es bei Ihnen?

Kunz: Ich habe mich schon früher für Würenlos engagiert. Mein erstes grosses Amt war das des Spitex-Präsidenten. Bei der Wahl 2011 war ich der jüngste Spitex-Präsident der Schweiz. Trotzdem habe ich mir die Kandidatur mehrere Monate überlegt. Jetzt sehe ich, dass es ein richtiger Schritt war.

Wie haben Sie den Wahltag erlebt?

Kunz: Wir waren in den Ferien und haben dort etwas gefeiert.

Wopmann: Ich war zu Hause und einige Leute haben angerufen.

Wie sind sie in die neue Aufgabe eingestiegen?

Wopmann: Wir waren die Ersten, die eine dreitägige Schnupperlehre absolviert haben.

Kunz: Dabei haben wir mit den anderen Gemeinderatsmitgliedern und den Abteilungsleitern der Verwaltung gesprochen. Sie haben uns ihre Aufgaben und Themen erläutert. Als wir die Kläranlage besichtigten, war die Lüftungsanlage defekt – das war schon sehr hart.

Wopmann: Uns wurde gezeigt, wie die Gemeinde organisiert ist. Im November fand die Ressortverteilung statt. Das war unsere erste Gemeinderatssitzung.

Wie wurden Sie im Gemeinderatsteam empfangen?

Wopmann: Wir haben uns alle schon gekannt, also waren wir uns nicht fremd.
Kunz: Wir wurden von Anfang an akzeptiert, obwohl wir noch etwas zu enthusiastisch waren. Aber bald haben wir gemerkt, dass man so schnell nichts bewirken kann.

Kennen Sie Ihre Dossiers schon?

Wopmann: Nein, ich bin noch nicht in allen Bereichen auf dem Laufenden.

Kunz: In jedem Ressort gibt es sehr viel zu tun. Wir müssen uns intensiv einarbeiten. Besonders interessant finde ich, dass ich eine Tätigkeit ausübe, die nichts mit meinem Beruf zu tun hat.

Wopmann: Bei meiner ersten Sitzung mit der Baukommission bin ich noch stark «geschwommen». Ich war einfach da und habe zugehört. Aber es ging gut.

Kunz: Wenn die Kommissionen zusammengesetzt werden, ist es wichtig, dass man als Gemeinderat Leute seines Netzwerkes engagieren kann.

Wie gross ist die zeitliche Belastung als Gemeinderat?

Kunz: Der Gemeinderat tritt jeden Montag um 15 Uhr zur Sitzung zusammen. Folglich versuche ich, alle Kommissionssitzungen und Besprechungen auf diesen Tag zu legen.

Wopmann: Ich mache es ähnlich. Zu den Gemeinderats- und Kommissionssitzungen kommen noch Besprechungen mit Gemeindeverbänden und weiteren Organisationen. Der Aufwand dafür wird massiv unterschätzt. Einmal wurde eine Kommissionssitzung auf 10 Uhr angesetzt, um diese Zeit kann ich im Geschäft nicht weg.

Wie viel Stellenprozente sind das?

Kunz: Allein auf die Sitzungen bezogen entspricht das Gemeinderatsamt einem 30-Prozent-Pensum.

Wopmann: Darin ist der Aufwand für Vorbereitungen nicht enthalten.

Wie erleben Sie die Gemeinderatssitzungen?

Wopmann: Ich habe den Eindruck, dass die bisherigen Gemeinderatsmitglieder uns als Chance ansehen, Würenlos weiterzuentwickeln.

Kunz: Wir trauen uns, nachzuhaken und Fragen zu stellen.

Wopmann: Manchmal schauen wir uns an, und merken, dass wir keine Ahnung haben, von dem was die drei Kollegen gerade diskutieren, das zeigt, wir haben noch viel zu lernen.

Sind Sie an viele frühere Beschlüsse gebunden?

Wopmann: Die Situation hat sich im Finanziellen stark geändert, folglich muss der Gemeinderat neue Wege einschlagen. Bevor wir entscheiden, müssen wir fundierte Überlegungen anstellen. Wenn wir zu anderen Schlüssen kommen als frühere Gemeinderäte, ist es unfair, uns als Windfähnchen zu bezeichnen.

Kunz: Es braucht Flexibilität.

Wopmann: Die bisherigen Gemeinderatsmitglieder fragen uns oft, wie wir ein Thema beurteilen, das zeigt, dass sie uns ernst nehmen.

Sehen Sie Rationalisierungsmöglichkeiten in der Ratstätigkeit?

Kunz: Es gibt Gemeinden mit elektronischer Aktenauflage. Leider ist Würenlos noch nicht soweit.

Wopmann: Es ist nicht nötig, dass wir jedes Protokoll auf Papier haben. Der Wechsel zu elektronischen Unterlagen sollte sich machen lassen.

Kunz: Die Einführung dürfte viel Geld kosten und ist somit ein solches Projekt in Würenlos zurzeit eher nicht realisierbar.

Wie ist die Aktenauflage für die Gemeinderatssitzung organisiert?

Kunz: Für das Aktenstudium brauche ich wöchentlich mindestens 2 Stunden. Nur so habe ich einen Überblick über die Geschäfte der nächsten Sitzung.

Wopmann: Die Aktenauflage beginnt am Freitag um 12 Uhr und dauert bis Montag 15 Uhr. Um die Akten zu lesen, gehe ich meist am Sonntag ins Gemeindehaus.

Was hat sich im Beruf geändert?

Wopmann: Ich arbeite im Flughafen Zürich bei der Dnata Switzerland AG einer Firma für die Bodenabfertigung. Im November erhielt ich einen neuen Job, deshalb bin ich stark ausgelastet. Je nach Aufwand für die Gemeinde muss ich vor- oder nacharbeiten. Da ich täglich etwa um 6.30 Uhr am Flughafen bin, habe ich keine Probleme damit.

Kunz: Ich bin flexibler, weil ich als Geschäftsführer unser Familienunternehmen leite. Die Ortec Management AG in Killwangen ist ein Beratungsunternehmen. Wir führen Stiftungen und Verbände. Weil ich jeden Montag für die Gemeinde im Einsatz bin, muss ich zum Ausgleich an anderen Tagen oder an den Wochenenden länger arbeiten.
Wopmann: Ich bin der einzige Angestellte im Gemeinderat. Meine Kollegen haben reagiert. Die Sitzungen beginnen später und dauern dafür am Abend länger.

Kunz: Mit einer Pauschalentschädigung von 25 000 Franken ist das Amt ein gut bezahlter 20-Prozent-Job. Trotzdem muss man sich genau überlegen, an welchen Sitzungen man teilnehmen muss. Die Verwaltung muss sich an unseren Arbeitsrhythmus gewöhnen. Ich muss mich aber auch selber erziehen.

Welchen Einfluss hat das Amt auf Ihr Privatleben?

Wopmann: Ich habe schnell gemerkt, dass zu Hause mehr liegen bleibt. Die Politik verdrängt die Hobbys, also wird Politik zum Hobby.

Kunz: Die grösste Einschränkung musste meine Lebenspartnerin, mit der ich 11 Jahre zusammen bin, in Kauf nehmen. Weil ich aber schon immer sehr umtriebig war, ist sie sich gewohnt, dass ich oft nicht zu Hause bin.

Wie ist es, wenn Sie privat in der Gemeinde unterwegs sind?

Wopmann: Oft werde ich von Leuten angesprochen, das finde ich positiv. Die Würenloser schätzen die Verjüngung im Gemeinderat.

Kunz: Einige Menschen zeigen wenig Verständnis für die oft langen Verfahren. Zudem hat der Gemeinderat einige Planungsleichen geerbt.

Wopmann: So werden wir wegen der Sportplatz-Sache kritisiert, obwohl der amtierende Gemeinderat wenig mit der Situation zu tun hat.

Haben Sie den Entscheid Gemeinderat zu werden bereut?

Kunz: Ich muss viel für Würenlos arbeiten, aber mir gefällt dies. Gemeinderat ist man immer und überall.
Wopmann: Es gibt keine Freizeit vom Gemeinderatsamt.

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