Bellikon
Vor 250-Millionen-Umbau der Rehaklinik: Bauunternehmer ist pleite

Zwei Firmen sollten die Rehaklinik für eine Viertelmilliarde umbauen – eine davon ist nun insolvent. Das Projekt sei aber nicht gefähdet, so die Verantwortlichen. Bei der Auftragsvergabe habe es «keinerlei Anzeichen für finanzielle Probleme» gegeben.

Erna Jonsdottir
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So soll sich die Rehaklinik Bellikon nach dem Um- und Ausbau ab Ende 2017 präsentieren – Blick hinauf vom Reusstal. ZVG

So soll sich die Rehaklinik Bellikon nach dem Um- und Ausbau ab Ende 2017 präsentieren – Blick hinauf vom Reusstal. ZVG

Damit hatten wohl weder die Suva noch die Rehaklinik Bellikon gerechnet: Der Verwaltungsrat der Zürcher Generalunternehmung Arigon erklärte am 23. Dezember ihre Insolvenz.

Brisant: Die grösste Unfallversicherung der Schweiz hatte die Firmen Gross und Arigon nach einer mehrmonatigen Evaluationsphase im Juni 2014 zur Totalunternehmerin ernannt. Damit wurde der Arbeitsgemeinschaft ein 250-Millionen-Auftrag für den Um- und Ausbau der Rehaklinik übergeben – das grösste von der Suva jemals getätigte Vorhaben.

Interessant: In einem Interview in der Novemberausgabe der «Bauzeit», Bauzeitschrift der Klinik, erwähnte der «Arigon»-Chef, Beat Schwerzmann, die finanziellen Probleme mit keinem Wort. Hinter der Kulisse der «Arigon» liefen jedoch bereits Rettungsversuche: Laut der Internetseite der «Arigon» trat die Problematik «im Spätherbst 2014 zutage».

Projektkonto mit elf Millionen

«Die Meldung der ‹Arigon› hat uns sehr überrascht. Die Überprüfung der Bonität im Frühsommer 2014 zeigte keinerlei Anzeichen für finanzielle Probleme», sagt Serkan Isik, Mediensprecher der Suva.

Die Überraschung war auch in Bellikon gross, wie ein Mitarbeiter, der nicht namentlich erwähnt werden will, gegenüber dem «Reussboten» erklärte.

Isik entwarnt: «Die Insolvenz der ‹Arigon› hat keinen Einfluss auf das Bauprojekt in Bellikon.» Die elf Millionen Franken, die von der Suva auf das Projektkonto der bisherigen Arbeitsgemeinschaft geflossen seien, verwalte die Firma Gross. «Sämtliche Zahlungen sind gesichert.» Auch der Zeitplan verlaufe nahtlos.

«Das ist richtig, die Arbeiten werden wie geplant bis Ende 2017 abgeschlossen sein», bestätigt Hans Setz, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Firma Gross. Die «Gross AG» in Wallisellen werde zusätzlich vom Aargauer Mutterhaus, der Gross Generalunternehmung AG in Brugg, unterstützt. «Wir beabsichtigen, einige Mitarbeiter der Arigon AG zu übernehmen», sagt Setz.

Provisorium: Bezug verspätet sich

Seit Sommer 2013 wird die Klinik für rund 300 Millionen Franken um- und ausgebaut. Derzeit werden bestehende Therapieräume, Hallenbad und Mehrzweckhalle zurückgebaut. Danach wird mit dem Bau des eigentlichen Herzstücks der Klinikerneuerung, dem fünfstöckigen Neubau, begonnen.

Dieser Neubau soll in Zukunft auf drei Ebenen Platz für bestehende und neue Diagnostik-, Therapie- und Behandlungseinrichtungen schaffen. Zudem will die Klinik mit einer Intermediate-Care-Station (Intensivpflege) und einer Station für Isolationspatienten das medizinische Angebot für Akutrehabilitation ausbauen.

Geplant ist weiter ein Patientenhotel mit einem modernen Tagungs- und Seminarzentrum. Ende 2013 wurde zwar ein grosses Therapieprovisorium mit Therapieräumen, Büros und Sitzungszimmern auf dem Klinikareal bezogen.

Dennoch wird es langsam eng in Bellikon. Deshalb errichtet die Rehaklinik ein Provisorium in Baden-Dättwil. Die Liegenschaft befindet sich im Langacker 20, in der Nähe vom «Jumbo». Wie die az berichtet hat, werden dort rund 50 Patienten ihre arbeitsorientierte Therapie absolvieren. Geplant war, das Provisorium ab Januar zu beziehen. «Ein Vollbetrieb ist aus bautechnischen Gründen erst Ende Februar möglich», erklärt Burga Martinelli, Mediensprecherin der Rehaklinik.