Baden
Vor 50 Jahren blieb die Schule trotz Eingemeindung im Dorf

Der Zusammenschluss mit Dättwil, Rütihof und Münzlishausen vor 50 Jahren klappte erst im zweiten Anlauf. Hohe Kosten und mangelnde staatliche Unterstützung liessen das Projekt immer wieder scheitern.

Roman Huber
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Im 1858 erbauten Schulhaus in Dättwil führte der legendäre Lehrer Hans Dietiker nach Zusammenschluss noch die Gesamtschule.-rr-

Im 1858 erbauten Schulhaus in Dättwil führte der legendäre Lehrer Hans Dietiker nach Zusammenschluss noch die Gesamtschule.-rr-

Am 2. Januar 1962 fällt viel Nassschnee. Er drückt in Dättwil gleich reihenweise Stromleitungen um. Schmelzwasser dringt in die Trafostationen ein. In Dättwil wie in Rütihof bricht die Stromversorgung zusammen. Die Städtischen Werke, die per Jahreswechsel die Wasser- und Stromversorgung der eingemeindeten Ortschaften übernommen hatten, mussten kräftig investieren. Die Vorkommnisse seien Sinnbild für die veraltete Infrastruktur der finanzschwachen Gemeinde Dättwil gewesen, ist in Protokollen nachzulesen.

Vorgeplänkel in den 50er Jahren

Der Prozess der Eingemeindung der politischen Gemeinde Dättwil, bestehend aus den 1805 durch den Regierungsrat zwangsverheirateten Dörfern Dättwil, Rütihof und Münzlishausen, hatte bereits in den 50er Jahren eingesetzt. Die Stadt rückte durch das Wachstum in der Allmend der Ortschaft Münzlishausen entgegen. Dort war der Drang zur Stadt am deutlichsten.

Dieser verstärkte sich, weil der Ausflugsverkehr nach dem Umbau des Restaurants Baldegg zugenommen hatte; als Folge davon drängte es sich auf, dorthin die Natur- zur Asphaltstrasse auszubauen.

Ohne Geld und Unterstützung

Doch Münzlishausen hatte dazu kein Geld, und die Stadt wollte die Kosten nicht übernehmen. So liess Münzlishausen verlauten, dass es sich der Stadt anschliessen möchte. Dieses Begehren unterbreiteten die Gemeinderäte von Baden und Dättwil und der Ortsvorsteher von Münzlishausen im Juni 1959 mit einem Zusammenschlussvertrag ihren Bürgern. Am 20. Mai 1959 sagte die Ortsgemeinde Münzlishausen Ja, am 26. Juni die Einwohnergemeinde Baden.

Doch Dättwil lehnte ab mit der Begründung, dass eine Regelung im Gesamtverband zu suchen sei. Der Gemeinderat Baden nahm dies unverzüglich entgegen und unterbreitete dem Gemeinderat Dättwil im Oktober 1969 einen Vertragsentwurf.

Das Dorf Dättwil lehnte ab

Zwischen dem 14. und 18. Juni 1960 fanden in den Körperschaften der Gemeinde Dättwil die Versammlungen über den Anschluss statt. Dättwil lehnte ab, Münzlishausen und Rütihof waren mit grossem Mehr dafür. Das Gesamtresultat lautete auf 96 Ja- gegenüber 32 Nein-Stimmen. Der Gemeinderat begründete das Nein in Dättwil damit, dass die alteingesessenen Ortsbürger ihre Selbstständigkeit wahren wollten (sie wollten im August 1961 auch zur Ortsbürgergemeinde Baden).

Der Vereinigungsbeschluss wurde dann mit dem Zusatzantrag gefasst, der verlangte, «dass in der Ortschaft Dättwil auf alle Zeiten eine selbstständige Schule und ein eigenes Schulhaus erhalten werden soll.» Damit wendete sich Dättwil gegen die Vertragsbestimmung, dass «die Schule in Dättwil bis zur allfälligen Eröffnung einer Schule für den äussern Meierhof bestehen bleiben soll». Am 23. Juni stimmte Baden mit grossem Mehr dem Zusammenschluss zu.

Baden machte in Aarau Druck

Bis zum 5. September waren die Verträge bereinigt und die Gemeinderäte von Baden und Dättwil reichten dem Regierungsrat das Vereinigungsgesuch zuhanden des Grossen Rates ein. Weil von Aarau nichts zu hören war, machte Baden im Februar Druck. Der Grund lag beim Interesse von mehreren Gewerbetreibenden, die in Dättwil auf Badener Ortsbürgerland bauen wollten.

Im Grossen Rat kritisierte man bei der Behandlung des Gesuches am 27. Juni, dass Baden Druck mache und die Dättwiler zur Gemeindeversammlung vom 29. Juni eingeladen hätte. Diese wurden mit Gratis-Bus abgeholt. Am Versammlungsort, der Sporthalle Aue, wurden Wahlmodus, Mitgliederzahl des Gemeinderates, der Schulpflege und Besoldungen für die Amtsperiode 1962/65 festgelegt.

Danach rollte der Zusammenschlusszug. Das Gebiet östlich der Bahnlinie in Dättwil wurde der Industriezone zugeteilt. Am 1. Januar 1962 erfolgte der Zusammenschluss. Die Übergabe aller Geschäfte, der Gemeindeakten und der Kassen wurde per 26. Oktober abgeschlossen.