Baden
Vorarlberger Justiz hat Untersuchungen gegen Pater Gregor eingestellt

«Wir haben alle Verfahren wegen Verjährung eingestellt», sagt Heinz Rusch, Pressesprecher der Vorarlberger Justizbehörden. Die Staatsanwaltschaft Vorarlberg hatte das Verfahren wegen Missbrauchs gegen den auch in Baden tätigen Geistlichen geführt.

Dieter Minder
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Pater Gregors Untaten sind verjährt. (Archiv)

Pater Gregors Untaten sind verjährt. (Archiv)

Tele M1

Der früher auch in Baden tätige Geistliche wurde beschuldigt, Knaben im Kloster Wettingen-Mehrerau und im Priorat Birnau bei Überlingen missbraucht zu haben. Obwohl das staatliche Verfahren eingestellt wurde, bleibt Pater Gregor von allen seinen priesterlichen Funktionen suspendiert.

«Gegen ihn läuft noch ein kirchenrechtliches Verfahren bei den vatikanischen Instanzen in Rom», sagt Harald Schiffl, Mediensprecher der Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau. Am Orden werde es dann liegen, das Urteil der kirchlichen Instanz zu vollziehen. Wann dieses vorliege, könne er nicht sagen. Über den Aufenthaltsort von Pater Gregor sagt Schiffl einzig: «Er lebt nicht im Kloster.»

Die Verfehlungen des in Ennetbaden aufgewachsenen Gregor M. waren vor rund einem Jahr bekannt geworden. Er war damals als Pfarradministrator in Schübelbach SZ tätig und wurde von einem Opfer enttarnt. Pater Gregor soll sich darauf selbst angezeigt haben und tauchte unter. Wo er lebt, ist nicht bekannt. In der Folge begann das Verfahren vor der Staatsanwaltschaft Vorarlberg.

Dies, weil Pater Gregor als Zisterzienser zum Konvent Wettingen-Mehrerau bei Bregenz gehört. Im Laufe der Untersuchungen wurden 16 Täter aufgedeckt. Über einzelne Personen gibt Rusch keine Auskunft, präzisiert jedoch: «Nicht alle sind aus dem kirchlichen Bereich.» Juristische Konsequenzen wird die Sache für die Täter keine haben, weil ihre Verfehlungen zu weit zurückliegen.

Nachdem Pater Gregors Missbräuche aus den 60er-Jahren, im Kloster Wettingen-Mehrerau und im Priorat Birnau, bekannt geworden waren, wurde dieser 1971 nach Baden versetzt. Er stand dort unter der Aufsicht des ehemaligen Stadtpfarrers Sohm. Die Bistumsleitung in Solothurn kannte den Hintergrund der Versetzung.

Dagegen war er der Kirchenpflege in Baden nicht bekannt, wie der damalige Kirchenpflegepräsident Josef Sieber sagte. 1987 wurde Pater Gregor ins Kloster an den Bodensee zurückberufen. Pater Gregor wurde darauf hin in verschiedenen Funktionen eingesetzt. Er war unter anderem auch wieder im Priorat Birnau und den von dort aus betreuten Pfarreien tätig.

Kodex für Lehrer und Schüler

Nachdem die Missbrauchsfälle im Kloster bekannt geworden waren, hatte Abt Anselm van der Linde einen Verhaltenskodex in Aussicht gestellt. Dieser wurde auf das im
Herbst 2010 beginnende Schuljahr in Kraft gesetzt. «Der Kodex ist Bestandteil des Vertrages zwischen den Eltern und der Schule», sagt Schiffl. Die Zisterzienser betreiben beim Kloster in Bregenz das Collegium Bernardi sowie das Privatgymnasium Mehrerau.