Baden
Vorbestrafter 22-Jähriger raste der Polizei ohne Führerausweis davon

Eigentlich wollte er bald verreisen: der vorbestrafte Schweizer, der nun von Einzelrichter Lukas Cotti des Bezirksgerichts Baden zu einer teilbedingten Geldstrafe verurteilt worden ist. Nun schuldet der 22-Jährige dem Staat saftige 14 300 Franken.

Rosmarie Mehlin
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Zu schnell gefahren – und das noch ohne Führerschein. (Symbolbild)

Zu schnell gefahren – und das noch ohne Führerschein. (Symbolbild)

Keystone

Thomas (Name geändert) ist ein sympathischer, offener junger Mann. Er hatte in einem handwerklichen Beruf seine Wunschlehre absolviert, später, als er arbeitslos war, in einer ganz anderen Branche gejobbt. Gegenwärtig arbeitet er temporär als Mechaniker – «das ist mein absoluter Traumjob» – und verdient monatlich zwischen 4000 und 5000 Franken. «Nun will ich sparen und dann drei bis sechs Monate auf Reisen gehen.»

Die Verwirklichung dieses Traums dürfte länger dauern. Denn nun schuldet der 22-Jährige dem Staat 14 300 Franken in Form einer Geldstrafe, zu der er vom Badener Einzelrichter Lukas Cotti verurteilt wurde. Dabei hatte Thomas zweifaches Glück gehabt. Denn wäre es nach dem Willen des Staatsanwaltes gegangen, würde die offene Rechnung sich auf stolze 43 300 Franken belaufen. Und hätte Thomas ein Jahr später gegen das Gesetz verstossen, müsste er ins Gefängnis, weil das Gesetz seit dem 1. Januar 2013 bei extensiven Geschwindigkeitsüberschreitungen kein Pardon mehr kennt.

Das Abblendlicht war defekt

Solche hat Thomas begangen – obendrein ohne Führerausweis. Der war ihm im April letzten Jahres entzogen worden, nachdem er im September 2010 wegen massiver Geschwindigkeitsüberschreitung verurteilt worden war, damals zu einer bedingten Geldstrafe von 3600 Franken. Als im August 2012, kurz vor ein Uhr morgens, eine Polizeipatrouille in Dättwil einen Automobilisten kontrollieren wollte, weil an dessen Fahrzeug das eine Abblendlicht defekt war, beschleunigte der Fahrer. Es war Thomas, der innerorts mit bis zu 120 km/h und ausserorts mit bis zu 170 km/h raste, bis die Polizei ihn in Oberrohrdorf anhalten konnte.

Seither benutzt Thomas definitiv nur den öV; sein Auto dümpelt auf einem behördlichen Abstellplatz vor sich hin. «Das stört mich überhaupt nicht. Ich habe momentan gar keine Lust, den Führerausweis wieder zu machen. Wie gesagt, will ich fürs Reisen sparen, und das ist einfacher ohne Auto.»

Es fuhren keine Busse mehr

Warum er denn trotz Entzug des «Lappens» gefahren sei? «Weil ich damals oft Schicht und dabei bis gegen ein Uhr morgens arbeitete. Da ist kein Bus mehr gefahren und ich hatte einen Heimweg von 10 Kilometern.» Ja, auch wenn er nicht Schichtdienst hatte, habe er – «halt aus Bequemlichkeit» – das Auto genommen, gab Thomas offen zu. Er sprach über alles offen, machte auch keinen Hehl aus seinem langjährigen Cannabis-Konsum – einem weiteren Anklagepunkt. Mindestens drei Joints täglich waren es früher, inzwischen schaffe er es mit höchstens einem Joint. Und die Raserei in jener Augustnacht? «Ich wollte auf keinen Fall ohne Billett erwischt werden. Und dann war da halt das Adrenalin.»

Was er denn zum Antrag des Staatsanwaltes sage, der eine unbedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 130 Franken fordere plus den Widerruf der zwei bedingten Geldstrafen. «Das könnte ich im Leben niemals bezahlen. Geht es denn nicht bedingt?»

Thomas wisse sicher, so Richter Cotti, dass wer ab diesem Jahr so rase, keine Geld-, sondern eine Gefängnisstrafe kassiere, «und zwar bis zu vier Jahren». Mit 300 Tagessätzen folgte Cotti dem Antrag des Staatsanwaltes, reduzierte aber angesichts des aktuellen Einkommens von Thomas den Geldbetrag auf je 100 Franken. Und er liess ein Stück weit Gnade walten, indem Thomas 20 000 Franken bedingt erlassen wurden, mit einer Probezeit von drei Jahren. Zusammen mit den Widerrufen der beiden Vorstrafen muss Thomas somit 14 300 Franken bezahlen, plus 200 Franken Busse wegen des defekten Abblendlichts, plus über 1000 Franken Verfahrenskosten. Thomas sei «rücksichtslos, kriminell und halsbrecherisch gefahren», hielt Cotti fest und betonte: «Da muss die Strafe wehtun, soll aber nicht die ganze Zukunft verbauen.» Immerhin habe Thomas sich in der Untersuchung mustergültig verhalten und alles unumwunden zugegeben.