Lange war der Gemeindeammann-Wahlkampf im 8700-Einwohner-Ort Obersiggenthal zahm. Vor dem entscheidenden Urnengang am 26. November wird Amtsinhaber Dieter Martin (FDP) nun aber emotional.

Im ersten Wahlgang hatte er die frühzeitige Wiederwahl verpasst. Sein damaliger Konkurrent Franz Mesey (parteilos) ist zwar ausgeschieden, er verpasste die Wahl in den Gemeinderat und darf nicht mehr antreten. Doch Dieter Martin hat inzwischen einen neuen Konkurrenten erhalten – Gemeinderat Linus Egger (CVP), der als inoffizieller Kandidat im ersten Wahlgang 173 Stimmen erhielt. Zu dessen Kandidatur sagt der Amtsinhaber: «Ich bin ehrlicherweise überrascht von Linus Eggers Kandidatur. Er hat mir mehrfach gesagt, dass er kein Interesse habe, als Gemeindeammann anzutreten.» Kurz vor der Wahl habe er sich dann aber zu einem inoffiziellen Kandidaten gemacht, als er ankündigte, möglicherweise in einem zweiten Wahlgang anzutreten, sollte er im ersten Wahlgang ein gutes Ergebnis erzielen. «Diese Vorgehensweise war unsauber», sagt Dieter Martin. «Dass er nun tatsächlich ins Rennen um das Amt eingestiegen ist, finde ich unfair.» Er hoffe dennoch auf einen fairen Wahlkampf, «weil wir ja beide am 24. September in den Gemeinderat gewählt wurden und den Auftrag bekommen haben, zum Wohle der Gemeinde zusammenzuarbeiten».

Angesprochen auf die Vorwürfe, kontert Linus Egger: «Es ist längere Zeit her, dass ich ihm sagte, ich hätte kein Interesse am Amt. Seither hat sich viel verändert. Im Dorf herrscht Unzufriedenheit, was die politische Führung anbetrifft.» Das habe sich auch im ersten Wahlgang widerspiegelt, als Dieter Martin die Wiederwahl als Gemeinderat nur mit 100 Stimmen Vorsprung auf Franz Mesey (parteilos) schaffte. «Ich weiss nicht, was an meiner Kandidatur unfair sein soll», sagt Egger weiter. «Es ist mein gutes demokratisches Recht, als gewählter Gemeinderat in das Ammann-Rennen einzusteigen. Meiner Meinung nach darf ein Gemeindeammann nicht in stiller Wahl gewählt werden.» Mit seiner Kandidatur wolle er dem Stimmvolk eine Auswahl bieten. Er werde einen fairen Wahlkampf führen «und niemanden angreifen», sagt Egger.

Das Besondere an der Ausgangslage: Die Rahmenbedingungen für das Amt wie die Höhe des Lohnes und des Pensums sind nicht festgelegt. Die von der CVP lancierte Verwaltungsreform ist auf Eis gelegt und wird erst im nächsten Jahr wieder auf die Agenda kommen. Dieter Martin: «Ich habe angekündigt, dass ich 2019 zurücktreten werde. Dies aber nicht, weil ich das Pensionsalter erreiche, sondern weil ich in den zwei Jahren zuvor als neutraler Moderator die Verwaltungsreform durchführen könnte.» Eine neutrale Haltung erscheine ihm für diese Aufgabe unerlässlich. Von den Neuerungen wäre dann mein Nachfolger betroffen. «Linus Egger hingegen wäre nicht neutral, weil er selber von der neuen Reform betroffen wäre.»

Wer hat die besseren Chancen, gewählt zu werden? Dies hängt nicht nur, aber massgeblich von den Empfehlungen der Ortsparteien ab. Die SVP hatte im ersten Wahlgang keinen der Kandidaten offiziell unterstützt. Auch für den zweiten Wahlgang hat die Partei Stimmfreigabe beschlossen. Fraktionspräsident Eugen Paul Frunz teilt aber mit, er bevorzuge Dieter Martin. «Somit haben wir in zwei Jahren nochmals die Möglichkeit, unserer Gemeinde eine neue Führung zu verpassen.» Die FDP hatte sich vor dem ersten Wahlgang noch schwergetan mit einer unmissverständlichen Haltung zugunsten ihres Spitzenkandidaten. Jetzt sagt Fraktionspräsident Stefan Semela: «Ja, die FDP steht hinter ihrem Kandidaten Dieter Martin.» Für den CVP-Präsidenten Ferdi Senn ist klar: Linus Egger wäre der ideale Gemeindeammann. «Er sucht den Kontakt mit der Bevölkerung und setzt sich für die Anliegen der Obersiggenthalerinnen und Obersiggenthaler ein. Er legt viel Wert auf Respekt und die Weiterentwicklung der Gemeinde.» Noch unentschlossen ist die SP, die Diskussion sei noch nicht geführt, so Parteipräsident Hans-Ulrich Schütz.