Baden
Vorhang auf und Licht an für junge Bühnentalente

Das Kindertheater «Lampefieber» startete letzte Woche die Vorbereitung für eine neue Produktion. Dies wurde mit einem Filmabend im Royal gefeiert.

Dana Liechti
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Theatergruppe Lampenfieber
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Theatergruppe Lampefieber
Theatergruppe Lampefieber
Theatergruppe Lampefieber
Theatergruppe Lampefieber
Theatergruppe Lampefieber
Theatergruppe Lampefieber
Theatergruppe Lampefieber

Theatergruppe Lampenfieber

Sandra Ardizzone

Im alten Kino Royal in Baden riecht es an diesem Mittwochnachmittag einmal mehr nach Popcorn. Kinder und ihre Eltern sitzen gespannt auf den Plätzen und schauen mit grossen Augen, was auf der kleinen Bühne vor sich geht. Im dunklen Saal gehen nun die farbigen Scheinwerfer an und richten sich auf eine Frau mit kurzen Haaren und einem breiten Lächeln auf dem Gesicht.
Mit einem Bund roter Rosen steht Simona Hofmann vor ihren Schützlingen und läutet so ihren «Lampefieber»-Anlass ein. «Lampefieber», ihr «Baby», ist ein Theaterprojekt für Kinder von fünf bis sechzehn Jahren. Jeweils einmal in der Woche können sich die Kinder bei Simona Hofmann in Clownerie, Akrobatik, Gesang, Slapstick und Pantomime ausprobieren. Sie selbst nennt es schlicht «Bewegungstheater». Jedes Jahr gipfelt sich das wöchentliche Training in einer grossen Theaterproduktion, die im Thik vorgeführt wird. Dafür proben die Kinder alle zusammen an mehreren Intensiv-Wochenenden.

Freude am Vorführen

Und das Projekt gefällt: «Ich kann es gar nicht beschreiben, es ist immer wieder lustig, und das Vorführen macht wirklich Spass», sagt der dreizehnjährige Lukas, der schon von Beginn an mit dabei ist. Der Anlass hat auch neue interessierte Kinder angelockt, so etwa die siebenjährige Anna, die «unbedingt auch einmal mitmachen will», oder die sechzehnjährige Amina, die durch eine Freundin auf «Lampefieber» aufmerksam geworden ist: «Ich freue mich, damit anzufangen, weil Malika es sehr spannend gefunden hat.» Dieses Jahr findet die Aufführung schon zum dritten Mal statt und am Mittwochnachmittag wurde das mit einer Kick-off-Veranstaltung gefeiert.
Dafür haben sich alle Beteiligten im Kino Royal getroffen, um sich die Filmproduktion der letztjährigen Aufführung «Im Licht sein» anzusehen. Den einstündigen Film hat der Primarlehrer Daniel Liauw in über 300 Stunden gedreht und geschnitten. Nun wird dieser den Kindern und ihren Eltern vorgeführt.
Die Emotionen und die Aufregung der letztjährigen Produktion sind augenblicklich wieder zu spüren, sobald die ersten Szenen auf der Leinwand zu flimmern beginnen. Der Film zeigt mit viel Liebe zum Detail, welche Freude die Kinder beim Vorführen ihrer Talente auf der Bühne haben. So gibt es kleine Akrobatinnen, die leichtfüssig ihre Räder über die Bühne schlagen, witzige Sketche, in denen die Kinder auch mal die Erwachsenenwelt auf die Schippe nehmen, und viele schöne Tanzeinlagen, die ohne Worte eine Geschichte erzählen.

«Das Rahmenprogramm überlege ich mir jeweils, aber die Kinder entwickeln das Theater dann im Laufe der Trainings selbst», sagt Simona Hofmann. Im Theater müsse ein Schauspieler wieder ein Kind werden, das Spiel lieben. Wieso sollte man da nicht schon im jungen Alter beginnen damit? Sie selbst sei halt auch noch gerne ein Kind, sagt Hofmann. Sie besuchte die Theaterschule Dimitri und war jahrelang tätig im Kunst- und Zirkusbereich, zum Beispiel beim Balloni Zirkus. Dort habe sie auch immer mal wieder mit Kindern zu tun gehabt.
Deshalb sei ihr vor drei Jahren die Idee zu dem Kindertheater-Projekt «Lampefieber» gekommen. Und damit stösst sie auf Anklang: Mittlerweile sind schon über 40 Kinder Teil ihrer Theatergruppe. Nur bei den Buben hapert es: «Viele Buben springen ab, wenn sie grösser werden, weil sie lieber ins Kung Fu gehen», sagt Hofmann. Zurzeit tüftle sie an einer Lösung, um die Jungen besser zu verankern. «Im Theaterbereich sieht man überall mehr Frauen, auch bei den Erwachsenen», so Hofmann. Das wolle sie ändern.

Hühnerhaut und rote Rosen

Doch bevor das neue Projekt beginnt, wird zurückgeschaut auf das letzte Jahr, auf «Im Licht sein». Simona Hofmann ist sichtlich stolz auf diese Produktion. Sie habe jedes Mal Hühnerhaut, wenn sie hinter dem Vorhang hervor die Kinder beim Vorspielen beobachte. Das sei auch ihr Antrieb. Aber ohne ihre zahlreichen Helfer, würde das alles gar nicht möglich sein, sagt Hofmann.
Und so verteilt sie an diesem Nachmittag überschwänglich ihre roten Rosen an ihre Mithelferin Annina Sonnenwald, an ihren Mann Urs Dätwiler, der sich um die Website und die Flyer kümmert, und an Toni Kyburz, der ein Leben lang Theater gemacht hat, und ihr beim Bühnenbild und allen Fragen rund ums Theater stets zur Seite stehe. Sie erwähnt auch „die Frau im Hintergrund“, Franziska Biedermann, die sich um die ganze Organisation kümmere. Ihre grösste Anerkennung bekommt aber der Filmproduzent Daniel Liauw, der selbst sagt, dass er eigentlich kein Theater-Mensch sei: «Erst beim Schneiden ist mir aufgefallen, was alles in dem Theater steckt, ich habe jedes Detail gesehen und habe mich richtig in das Stück verliebt.»

Nach dem Film bekommen die Kinder die Möglichkeit, noch etwas kleines vorzuführen. Gekonnt zeigen sie ihre Akrobatik-Künste oder erzählen kurze Geschichten. Mutig, ohne zu zögern, setzen sie sich in die Mitte der Bühne und sprechen in klarer, lauter Stimme. Es ist kaum zu glauben, dass es sich hierbei um kleine Mädchen handelt, die so selbstbewusst ihre Fantasien offenlegen. «Ich habe wirklich auch schon Kinder gehabt, die extrem scheu waren und dann auf einmal völlig aus sich heraus gekommen sind», sagt Hofmann.
Solche Momente seien besonders schön an dem Theaterprojekt. Ein tosender Applaus beendet schliesslich den Anlass im Royal. Die Vorfreude auf das neue Projekt ist nun noch grösser. «Drei Wünsche frei», so heisst das Programm, das im Juni aufgeführt werden soll. Der Dreh- und Angelpunkt des Stückes sei ein grosser Briefkasten, eine Art «Wunschomat», in den die Kinder und das Publikum Briefe mit ihren Wünschen hineinlegen können. «Und manche werden erfüllt, manche eben nicht. So wie es im Leben auch ist.»

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