Frei von Zwängen und Erwartungen zu sein, danach sehnt sich der Geschäftsmann in der verdrehten, makabren und kritischen Geschichte von «Apartment 9». Der Badener Andi Hofmann alias King of Trash und die Bernerin Miriam Ernst zeigen heute ihren Kurzfilm im «Royal» als Vorpremiere.

Die Geschichte dreht sich um einen Geschäftsmann, der scheinbar alles im Griff hat – doch der Eindruck täuscht. Der Film wirft die Frage auf, wo die Grenze liegt zwischen der Wahrung der persönlichen Freiheit und dem Wunsch, sich erfolgreich in der Geschäftswelt behaupten zu können.

Schockierende Szenen

Szene eins: Ein Mann, er trägt Krawatte und Hemd, kniet auf dem Boden und klebt mit Streifen ein quadratisches Raster. Darin ordnet er seine Habseligkeiten. «Alles in seinem Leben muss seinen Platz haben – eine Metapher für den Wunsch nach Ordnung», erklärt Hofmann.

Die Kulisse, die Wohnung des Protagonisten, ist gleich aufgebaut: Die Pflanzen oder Möbelstücke sind nicht mehr als geklebte Schemen an der Wand – eine charakterlose, leere Fassade. Einige der Szenen schocken: So ist die Badewanne voller Blut nichts für schwache Gemüter: «An diesen makabren Stellen deuten wir das erste Mal an, dass etwas in dieser geordneten Welt nicht stimmt.»

Gespielt wird der Geschäftsmann von Marcus Signer, der auf verschrobene Art die Abgründe und Zerrissenheit der Figur darstellt. Dies vermag er nur mit seiner Mimik und vereinzelten Monologen. Eine Erzählstimme führt wie in einem Hörbuch durch die Handlung. «Signer war für Miriam und mich ein Glücksgriff – er ist ein angesagter Schauspieler und kann mit seiner Mimik viel ausdrücken», sagt Hofmann. Unter anderem spielte er in einer «Tatort»-Folge mit.

Comicband mit Film und Song

Genauso ausgefallen wie das Schauspiel von Signer ist auch die Entstehung des Films: Liedermacher Dänu Brüggemann, Künstler Peter Aeschbacher und Filmemacherin Miriam Ernst treffen sich auf einem Geburtstagsfest.

Dabei kommt Aeschbacher auf die Idee, den Krimisong Apartment 9 von Brüggemann zeichnerisch darzustellen. Das geht sicherlich auch als Film, denkt sich Ernst. Sie fragt kurzerhand bei Hofmann an, ob er nicht Lust hätte, mit ihr zusammen dieses Experiment anzugehen. «Da mach ich sofort mit», lautet die Antwort von Hofmann. Entstanden ist ein Comicband mit Film und Song.

Das «Royal» ist die passende Kulisse, um diese experimentelle Kunstedition vorzustellen: «Die Atmosphäre ist stimmig und das ‹Royal› hat sich zum Ziel gesetzt, eine Plattform für ausgefallene Projekte zu sein», sagt Hofmann. Vor der Filmvorstellung singt der Berner Liedermacher Brüggemann seinen Song «Apartment 9», im Anschluss an den Film folgt das Konzert der Badener Band Spencer.

Vorpremiere «Apartment 9»: Freitag, 20. Dezember, 20 Uhr, «Royal», Baden.