Vorstoss
«Schade, schade, armes Wettingen!»: SP will leerstehende Immobilien und Flächen besser nutzen – Gemeinderat lehnt ab

In Wettingen wird gebaut und geplant, doch einige Gebäude und Flächen bleiben deshalb lange ungenutzt. Eine Einwohnerrätin will diese beleben und Eigentümer sowie Raumsuchende einfacher zusammenbringen. Die Gemeinde findet die Idee gut, hat aber ein Problem.

Claudia Laube
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Seit Juni 2021 deuten Profile auf dem Häfliger-Areal mitten in Wettingen ein Bauprojekt an. Vor neun Jahren war die 2009 stillgelegte Druckerei abgerissen worden, seither liegt die Fläche brach.

Seit Juni 2021 deuten Profile auf dem Häfliger-Areal mitten in Wettingen ein Bauprojekt an. Vor neun Jahren war die 2009 stillgelegte Druckerei abgerissen worden, seither liegt die Fläche brach.

Bild: Chris Iseli

An der Kreuzung Land- und Staffelstrasse ragen seit vielen Monaten Bauprofile in die Höhe, dort, wo bis 2014 die Häfliger-Druckerei stand. Seither liegt die Fläche mitten in Wettingen brach. Ein Bauprojekt wurde nach Grundeigentümerwechseln aber erst Mitte 2021 eingereicht. Hier sind zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 35 Wohnungen geplant.

Solche Flächen würde Christa Camponovo, Co-Fraktionspräsidentin von SP/WettiGrüen, gerne zwischennutzen, genauso wie vor dem Abbruch stehende Häuser oder leerstehende Ladenflächen. Um Eigentümer und Zwischennutzer zusammenzubringen, hat sie einen Vorstoss eingereicht. Darin fordert sie den Gemeinderat auf, zu überprüfen, wie das in Wettingen künftig gefördert werden könnte.

Das habe auch für die Gemeinde Vorteile: Ihr würden leerstehende Räume oder Häuser die Möglichkeit bieten, Räume für Notlagen zu schaffen, zum Beispiel Wohnmöglichkeiten für Geflüchtete. Vor einer Umnutzung stehende, freie Flächen hingegen könnten für Experimente und Innovationen genutzt werden oder zur Belebung eines Quartiers beitragen, in dem Begegnung und lebendige Nachbarschaften gefördert würden.

Camponovo macht im Vorstoss auf die Website zwischennutzung.ch aufmerksam, die einen Leitfaden für alle Beteiligten beinhaltet. Dort wird auf gut funktionierende Projekte aufmerksam gemacht, zum Beispiel auf «Torfeld Süd» in Aarau, wo noch immer kein Fussballstadion steht.

Auf dieses Projekt macht auch der Gemeinderat in seiner nun vorliegenden Antwort aufmerksam. Er hält Zwischennutzungen grundsätzlich für eine gute Sache. Viele Seiten könnten profitieren.

Umsetzung und Förderung von Zwischennutzungen seien in Wettingen dem Standortmarketing zugewiesen. Weil die Abteilung aber ein Stellenpensum von 30 Prozent aufweise, können dies nur zu einem kleinen Teil umgesetzt werden. Eine Stellenerhöhung sei in Anbetracht der politischen und finanziellen Lage kein Thema, so der Gemeinderat.

SP hält an Vorstoss fest

Er zählt zahlreiche Aufgaben auf, die zu bewältigen wären: Nebst dem Ermitteln von verfügbaren Flächen und Räumlichkeiten müssten unter anderem auch Eigentümer kontaktiert, eine Plattform betrieben plus Kontakte vermittelt und die Eigentümer wie auch die Raumsuchenden beraten werden. Aufgaben, die vom Standortmarketing aus Ressourcengründen nicht wahrgenommen werden könnten. Der Gemeinderat schlägt deshalb dem Einwohnerrat vor, das Postulat am 9. März abzulehnen.

Das will die SP/Wettigrüen-Fraktion verhindern: «Wir werden an der Überweisung festhalten», sagt Camponovo. Ihr sei schon klar, dass mit den nicht vorhandenen Ressourcen in der Gemeinde nicht auch noch eine aktive Bewirtschaftung durch die Verwaltung möglich sei. Sie hat aber andere Ideen: Zum Beispiel bei der Erteilung von Baugesuchen darauf hinzuweisen, dass eine Zwischennutzung möglich wäre.

Obwohl die Gemeinde selber profitieren könne, stelle sie sich offenbar ein umfangreicheres Vorhaben vor als die Postulierenden. Und finde, das sei für die Verwaltung nicht zu stemmen, heisst es im neuesten Fraktionsbericht. Die Fraktion schliesst deshalb mit den Worten: «Einmal mehr: schade, schade, armes Wettingen!»