Taxifahrer Norbert wartet beim Bahnhof Baden Ost auf Fahrgäste. Die Türe öffnet sich, ein Fahrgast bittet, zum Stadthaus gefahren zu werden. Wüsste er in diesem Moment schon, was für eine «Stadtrundfahrt» ihn gleich erwarten wird, er würde wahrscheinlich zu Fuss zum Stadthaus gehen – und dort wohl erst noch früher ankommen.

Norbert fährt über den Bahnhofplatz, die Bahnhofstrasse hinunter zur Haselstrasse, via Casino Kreisel und Schiefe Brücke nach Ennetbaden und von dort über die Hochbrücke, um schliesslich in die Weite Gasse und wenig später in die Rathausgasse einzubiegen. «Solche Fälle gibt es immer wieder und sie sorgen bei unseren Fahrgästen natürlich für Unverständnis und unnötige Preisdiskussionen», sagt Roland Wunderli, Geschäftsführer der Badener Taxi AG.

Um diesem Missstand zu begegnen, stellte er im Juni dieses Jahres beim Stadtrat ein Gesuch um eine Durchfahrtsbewilligung durch den Stadtturm und die Weite Gasse. «Aber nur stadtauswärts und während der Bauzeit am Schulhausplatz», konkretisiert Wunderli. Für den Taxichef ist klar: «Während der Bauzeit wird unser Hauptstandplatz am Bahnhof Baden in unhaltbarer Weise benachteiligt.»

DerTaxistand am Bahnhof Baden. (Archiv)

DerTaxistand am Bahnhof Baden. (Archiv)

Und dies obwohl Stadt und Bauherrschaft vor Baubeginnen immer betont hätten, dass der öffentliche Verkehr – und dazu zählt Wunderli auch Taxis – gestärkt werden solle. «Das derzeitige Verkehrsregime widerspricht diesem Grundsatz aber diametral.» Und nicht zuletzt sei sie gegenüber dem Bus- und Postautoverkehr eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung.

«Die Badener Taxi AG bildet in der gesamten Region ein wichtiges Standbein im Rahmen des Angebots des öffentlichen Verkehrs.» Doch Wunderli geht es nicht nur um seine Firma. «Ohne Ausnahmebewilligung wird Baden insbesondere für die Abend- und Nachtstunden nochmals unattraktiver für eine kaufkräftige Klientel.»

Stadt: «Taxis gehören nicht zu öV»

Doch der Stadtrat Baden hatte für Wunderlis Anliegen kein Gehör. In seiner Antwort vom 7. Juli wies er das Gesuch ab. Dies unter anderem mit dem Argument, «alle bisherigen Ausnahmegesuche für eine Durchfahrt sind abgelehnt worden.»

Würde man bei den Taxis eine Ausnahme machen, würde das Ansprüche anderer Gruppen nach sich ziehen und die Durchfahrt müsste für weiteren Verkehr freigegeben werden, wodurch die Schutzwirkung zugunsten der Anwohner verloren ginge. Und von einer Ungleichbehandlung gegenüber dem öV könne keine Rede sein, da eine Taxidienstleistung nicht unter die Definition des öV falle.

Auf Anfrage präzisiert CVP-Stadtrat und Polizeivorsteher Matthias Gotter: «Nachdem der Stadtrat andere Gesuche um eine Durchfahrtsbewilligung abgelehnt hatte, konnten wir bei den Taxis keine Ausnahme machen. Die Stadt vertritt in diesem Punkt eine strikte Haltung.» Das bedeute aber nicht, dass man nicht durchaus Verständnis für Wunderlis Anliegen habe. «So haben wir Hand für eine Lösung geboten, indem wir ihm zwei Taxistandplätze auf dem Kirchenplatz angeboten haben, die er aber dankend abgelehnt hat», sagt Gotter.

Wunderli bestätigt: «Ein Standplatz auf dem Kirchenplatz macht für uns wenig Sinn, da wir dort unter dem Strich zu wenig Laufkundschaft haben.» Wunderli wollte den Entscheid des Stadtrats nicht auf sich beruhen lassen und focht diesen beim kantonalen Baudepartement an. Mit Entscheid vom 26. Oktober wies das Departement die Beschwerde ab. Es bestehe kein öffentliches Interesse an einer Erlaubnis für eine Durchfahrt.

Und: «Gegen die befristete Aufhebung des Fahrverbots sprechen die relativ kleinen Umwege, die für die Kundschaft nur zu verhältnismässig geringeren Mehrkosten führen.» Denn schon vor Baubeginn am Schulhausplatz mussten Taxis vom Bahnhof über die Haselstrasse und Bruggerstrasse fahren, wenn sie in die Weite Gasse wollten.

Wunderli wird den Entscheid nicht weiterziehen. «Das bringt nichts und kostet nur Geld.» Er könne den Entscheid der Stadt immer noch nicht verstehen. «Wir hätten pro Tag von lediglich 10 bis 20 Fahrbewegungen durch den Stadtturm gesprochen.»

Auch Michael Wicki, Geschäftsführer des Gewerbevereins City Com spricht von einer verpassten Chance: «Für die Stadt und das Gewerbe war immer klar, dass die Attraktivität und der gute Ruf der Stadt Baden erhalten bleiben müssen. Es wäre schön gewesen, hätte die Stadt in diesem Fall den Worten auch Taten folgen lassen.»

Aus seiner Sicht wären die zusätzlichen Taxifahrten verkraftbar gewesen. «Im Gegenteil: Der Verkehr ist heute schon genug kompliziert; die Ausnahmebewilligung hätte uns Gewerbetreibenden auf alle Fälle geholfen.»

Diese Sicht teilt auch Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing Baden: «Natürlich, den Entscheid des Stadtrats gilt es zu respektieren. Doch aus Sicht des Standortmarketings hätte ich die Ausnahmebewilligung begrüsst.» Lütolf denkt dabei grundsätzlich an die Möglichkeit – wie sie andere Städte bereits kennen – Fussgängerzonen für Taxis zugänglich zu machen.