Wahlen
Badener SP will mit Steffi Kessler den zweiten Sitz im Stadtrat zurückerobern – «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt»

Ein Sitz im Badener Stadtrat ist der SP zu wenig: Nebst Regula Dell'Anno hat die Partei am Samstag auch Steffi Kessler für die Wahlen vom 26. September nominiert.

Philipp Zimmermann
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SP-Einwohnerrätin Steffi Kessler will in den Stadtrat.

SP-Einwohnerrätin Steffi Kessler will in den Stadtrat.

Bild: Tibor Nad

Bei der Wahl 2015 verlor die Badener SP einen ihrer zwei Sitze im Stadtrat. Nun will sie ihn zurückobern. Die Partei hat an ihrer Online-Versammlung am Samstag nicht nur Vizeammann Regula Dell’Anno-Doppler, sondern auch Einwohnerrätin Steffi Kessler für die Stadtratswahlen vom 26. September nominiert.

Steffi Kessler hat sich gegen Einwohnerrat Alex Berger und den ehemaligen Einwohnerrat Markus Widmer durchgesetzt, die sich auch zur Verfügung stellten. Was gab den Ausschlag für sie? SP-Präsidentin Selena Rhinisperger antwortet:

«Sie hat sicher zwei Vorteile mitgebracht. Erstens ist sie von ihrem Werdegang und ihrem Engagement prädestiniert für das Ressort Kultur und Gesellschaft. Zweitens ist sie eine Frau. Unsere Mitglieder haben diese Kombination am erfolgversprechendsten eingeschätzt.»

Stadtrat Erich Obrist (parteilos) hat zurzeit dieses Ressort inne, wird aber bekanntlich nicht wieder antreten.

«Ich freue mich sehr über diesen Vertrauensbeweis», sagt Steffi Kessler zur Nomination. Gleich nach der Online-Versammlung sei es schon sehr speziell gewesen. «Wir haben uns nur auf Zoom gesehen – alle waren so weit weg.» Sie unterstreicht, dass die Nomination mit Alex Berger und Markus Widmer sehr fair verlaufen sei. «Wir haben danach zusammen angestossen.»

Kessler politisiert – mit einem kurzen Unterbruch – seit vier Jahren im Einwohnerrat. Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich Gedanken über eine Stadtratskandidatur gemacht hat. «Ich habe mir das immer wieder überlegt», verrät sie. Nach Erich Obrists Ankündigung, nicht wieder anzutreten, sei für sie schnell klar gewesen:

«Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Das Ressort Kultur und Gesellschaft, das aller Wahrscheinlichkeit nach frei wird, ist mein Wunschressort.»

Ob sie auch angetreten wäre, wenn sich Obrist nicht zurückziehen würde? «Ich weiss nicht, ob ich mich dann für ein Angreifen entschieden hätte. Das wäre eine ganz andere Ausgangslage gewesen», antwortet sie.

Steffi Kessler ist schon lange im Kulturbereich tätig – beruflich wie auch für die SP. «Meine Kolleginnen und Kollegen wissen, wie ich arbeite. Mit der Nomination bestätigen sie ihr Vertrauen in mich und meine Erfahrung», fühlt sie sich in ihrer Kandidatur bestärkt, und das auch weil sie beruflich in verschiedenen Verwaltungen gearbeitet hat.

Seit vier Jahren ist sie auf der Geschäftsstelle des Aargauer Kuratoriums tätig, als Fachmitarbeiterin im Ressort Jazz und Rock/Pop. «Ich weiss, dass die Wege in der Verwaltung manchmal etwas komplizierter sind. Ich habe grosse Lust auf diese neue Herausforderung.» Ihren Job beim Kuratorium mache sie sehr gerne. Ob sie ihn bei einer Wahl weiterführen wird, das sei noch offen.

Was für Steffi Kessler klar ist:

«Eine Wahl ist eine langfristige Angelegenheit. Ansonsten darf man sich nicht für ein solches Amt zur Verfügung stellen.»

Nichtsdestotrotz erwartet sie, dass auch andere Parteien den freien Sitz erobern möchten. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass sonst niemand kandidieren wird.»

Auch SP-Präsidentin Selena Rhinisperger erwartet weitere Kandidaturen:

«Die FDP kann es sich eigentlich nicht leisten, nicht anzutreten.»

Vizeammann Regula Dell’Anno-Doppler wurde an der SP-Versammlung ohne Gegenstimme als Stadtratskandidatin nominiert. Sie wird wieder das Amt des Vizeammanns kandidieren.

Regula Dell’Anno-Doppler.

Regula Dell’Anno-Doppler.

zvg

SP änderte Nominationsverfahren und macht ein Geheimnis

Die SP hat das Nominationsverfahren wegen des Debakels von 2015 geändert, als Erich Obrist in intern erst gegen Jürg Caflisch unterlag, dann aber aus der Partei austrat und gewählt wurde. «Statt einer einfachen Mehrheit braucht es im ersten Wahlgang neu eine Zweidrittelmehrheit für die Nomination», erläutert Selena Rhinisperger.

Kessler siegte im zweiten Wahlgang. Die Zahlen macht die SP nicht öffentlich. Rhinisperger sagt aber: «Es war ein deutliches Resultat.» Im Vorfeld hätten alle drei Kandidierenden bestätigt, dass sie hinter dem Entscheid stehen und nicht dem Beispiel von Erich Obrist folgen werden.

Bei drei Kandidierenden war voraussehbar, dass ein zweiter Wahlgang nötig wird. Es wurde eine zusätzliche Diskussionsrunde eingebaut. Danach entschieden sich die 48 anwesenden SP-Mitglieder für Steffi Kessler.

Im Vorfeld hatten alle drei Kandidierenden bestätigt, dass sie hinter der Nomination der GV stehen und nicht dem Beispiel von Erich Obrist folgen werden. Darüber wurden die Teilnehmer der GV auch orientiert. «Das neue Wahlprozedere hat sich bewährt», zieht Rhinisperger ein Fazit.

Die SP hat ausserdem ihre Präsidentin ausserdem einstimmig für ein weiteres Jahr gewählt sowie den Vorstand bestätigt.

Die weiteren Stadträte werden alle wieder antreten. Das sind Stadtammann Markus Schneider (CVP), Matthias Gotter (CVP), Philippe Ramseier (FDP), Ruth Müri (Team) und Benjamin Steiner (Team). Weitere Kandidaturen sind noch nicht bekannt.