Obersiggenthal
Wahlen im Zeichen des Sparkurses: Weiterhin bürgerlich oder doch eher rot-grün?

Die Einwohnerratswahlen werden auch zeigen, welche finanzpolitische Linie die Bevölkerung wünscht.

Pirmin Kramer
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Einwohnerratswahlen Obersiggenthal
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Erich Schmid Wortstarker Meinungsmacher der CVP.
Eugen Paul Frunz (SVP) Dreht jeden Rappen zweimal um.
Mia Jenni (SP) Seit 2017 im Rat, unverblümte Statements.
Peter Marten (FDP) Warnt vor drohender Schuldenlast.
Christian Keller (Grüne) Kampf für den Langsamverkehr.
Anna Katharina Hess Einzelkämpferin der BDP.
Daniela Graubner Familienpolitikerin der EVP.

Einwohnerratswahlen Obersiggenthal

Pirmin Kramer

Die bürgerlichen Parteien dominieren aktuell im Obersiggenthaler Einwohnerrat mit 30 Sitzen deutlich gegenüber rot-grün mit 10 Sitzen. Als Folge davon verfolgte die Gemeinde in den letzten vier Jahren einen harten Sparkurs. Die Einwohnerratswahlen von Sonntag werden auch darüber Auskunft geben, ob die Bevölkerung diese bremsende Finanzpolitik bekräftigen oder aber Gegensteuer geben will.

73 Kandidatinnen und Kandidaten stehen für die 40 Sitze im Gemeindeparlament zur Auswahl – eine(r) von zwei wird die Wahl also schaffen. Die Kandidaten-Zahl ist zwar leicht höher als vor vier Jahren, insgesamt ist das Gerangel um die Einwohnerratssitze aber deutlich kleiner als in Baden oder Wettingen.

Stärkste Fraktion seit vielen Jahren ist die CVP, aktuell mit 11 Sitzen. Fraktionspräsident Erich Schmid äussert sich vor den Wahlen am Sonntag verhalten optimistisch. Ziel sei es zwar ganz klar, die stärkste Fraktion zu bleiben; gleichzeitig wäre die Partei aber zufrieden, wenn sie die Sitzanzahl halten könnte. «Auch dieses Ziel ist ambitioniert.»

Denn national und kantonal habe die CVP zuletzt zu den Verlierern gehört. «Wir hoffen, diesem Trend mit bekannten Namen auf unserer Liste entgegenzuwirken.» Hinzu kommt, dass im Vergleich zu 2013 Linus Egger, inzwischen Gemeinderat, als Zugpferd fehlt – er war vor vier Jahren bestgewählter Einwohnerrat aller Parteien.

Sämtliche bisherigen CVP-Einwohnerräte stehen am Sonntag zur Wiederwahl – zu den Aktivsten zählten in den vergangenen vier Jahren unter anderem Josef Sieber und Volkmar Haueisen.

Mit der CVP-Fraktion spannt aktuell auch die BDP zusammen, die mit Anna Katharina Hess vor vier Jahren neu den Sprung ins Parlament schaffte. Neben der Tochter des langjährigen Gemeinderates Hansruedi Hess kandidieren drei weitere auf der BDP-Liste.

Zweitstärkste Fraktion in Obersiggenthal ist – ebenfalls seit vielen Jahren – die SVP (aktuell 10 Sitze). Auch von ihr sind im Hinblick auf Sonntag keine grossen Töne zu hören. Fraktionspräsident Eugen Paul Frunz (SVP) sagt: «Mindestziel ist es, die Sitzzahl zu halten, damit wären wir sicher zufrieden.»

Der SVP fehlt dieses Jahr ebenfalls der 2013 bestgewählte Einwohnerrat, Patrick Hehli, der diesen Sommer seinen Rücktritt gab. Das Aushängeschild zu ersetzen, sei möglich, in dem alle anderen Einwohnerräte mehr Verantwortung übernehmen, sagt Frunz. Immer wieder für ein bissiges Statement gut waren in der vergangenen Legislatur Marcel Müller und André Kummer.

Die SVP setzt am Sonntag auf bewährte Kräfte – 9 Bisherige treten an, darunter auch Ursula Haag, die zusätzlich als Gemeinderätin kandidiert. Nur gerade drei Neue figurieren auf der SVP-Liste: Daniel Gadient, Kim Grab und Sandra Hehli (die Schwester des langjährigen Einwohnerrats).

Eine weitere Frage, die es am Sonntag zu beantworten gilt: Können die Linken weiter zulegen? Aktuell ist die Fraktion SP/Grüne mit zehn von vierzig Sitzen vertreten – mit so vielen wie noch nie in der klar bürgerlich dominierten Gemeinde. Die SP ist die drittgrösste Partei im Einwohnerrat; ihr Ziel lautet, die sieben bestehenden Mandate zu verteidigen. Als einzige Bisherige tritt die 2013 bestgewählte Marion Möllerke nicht mehr an.

Auffällig: Die Frauen sind auf der SP-Liste in Überzahl (bei allen anderen Parteien die Männer), darunter Aline Schaich, die Gemeinderätin werden will, und Mia Jenni (bisher), die vergangenes Jahr als Regierungsrätin kandidierte und in den letzten Einwohnerratssitzungen den bürgerlichen Haudegen mit unverblümten Statements Gegensteuer gab.

Bei den Grünen (3 Sitze), die seit 2009 im Rat vertreten sind und vor vier Jahren einen Sitz dazu gewannen, treten die drei bisherigen Urs Müller, Petra Rutschmann und Christian Keller wieder an. Vor allem Keller zählte in den vergangenen vier Jahren zu den aktivsten Einwohnerräten, setzte er sich doch gebetsmühlenartig für Fussgänger und Velofahrer ein.

Die FDP möchte den positiven Trend der letzten Wahlen laut Mitteilung fortsetzen und «weitere Wähleranteile dazu gewinnen», wobei die Sitzzahl seit 2009 dieselbe geblieben ist (Anzahl: 6). 12 Namen stehen auf der Liste, alle Bisherigen treten wieder an. Peter Marten hat als Finanzkommissionspräsident bei jeder Gelegenheit auf die finanziell angespannte Lage hingewiesen und den Sparkurs der Gemeinde damit wohl entscheidend beeinflusst. Für einen ausgeglichenen Finanzhaushalt setzten sich mit diversen Wortmeldungen auch Stefan Semela und Christian Bossard ein.

Die EVP setzt sich zum Ziel, die zwei Sitze im Einwohnerrat zu verteidigen; die beiden bisherigen Daniela Graubner und Jacqueline Magni treten wieder zur Wahl an. Magni versucht zudem, einen Sitz im Gemeinderat zu ergattern.

Auffallend beim Blick sowohl auf den aktuellen Einwohnerrat als auch auf die Wahllisten von kommendem Sonntag: Der Frauenanteil ist bescheiden. Derzeit werden nur 13 von 40 Sitzen von Frauen besetzt, und von den 73 Kandidierenden sind nur 23 weiblich.

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