Wahlerfolg
Von ganz unten zum Erfolg: Marion Meier schafft es als Newcomerin in den Badener Einwohnerrat

Auf Platz 20 ist sie in die Wahlen gestartet – hinter ihr standen nur drei weitere Kandidaten auf der Liste. Dass sie nächstes Jahr für das Team im Badener Parlament sitzen wird, damit hat sie selbst nicht gerechnet. Ihr Beruf habe ihr in die Karten gespielt, glaubt sie.

Zara Zatti
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Für das Studium ging sie kurz weg, sonst verbrachte sie ihr Leben in Baden - dort sitzt sie bald im Einwohnerrat. Hier sitzt sie auf dem Theaterplatz in Baden.

Für das Studium ging sie kurz weg, sonst verbrachte sie ihr Leben in Baden - dort sitzt sie bald im Einwohnerrat. Hier sitzt sie auf dem Theaterplatz in Baden.

Alex Spichale

Im Internet gibt es Marion Meier nicht: Kein Linkedin-Account, kein Instagram-Profil und keine Bilder von ihr. Deshalb sitzen wir einige Minuten an zwei verschiedenen Tischen im Café Grande in Zürich, ohne zu merken, dass wir hier aufeinander warten. «Das ist ja wie ein Blind Date», sagt Meier zur Begrüssung und lacht. Das macht sie laut und viel. Nach kurzer Zeit, hat man das Gefühl, als würde man sie schon lange kennen. Im Januar wird die 31-Jährige zum ersten Mal für das Team Baden im Einwohnerrat sitzen. Wir treffen sie in Zürich, weil sie hier am Kinderspital als Pflegefachfrau in der Forschung arbeitet. Politisieren wird sie dann knapp 30 Kilometer flussabwärts.

Dass sie bald Teil von Badens Parlament sein wird, damit hat niemand wirklich gerechnet - auch sie selbst nicht. Auf Platz 20, an viertunterster Stelle, wurde sie auf die Liste vom Team Baden gesetzt. Eigentlich keine Position, um zu gewinnen. Sie tat es trotzdem. Insgesamt haben es acht Personen aus dem Team in den Einwohnerrat geschafft. Die sieben Bisherigen, die wiedergewählt wurden, hatten ihren Platz ganz oben auf der Liste. Meier holte 1245 Stimmen, das sind 32 mehr als die gleichaltrige Nina Tani-Burger, die den Einzug nicht mehr schaffte.

Nicht nur neu im Einwohnerrat, sondern ganz frisch in der Partei

Am Wahlsonntag vor zwei Wochen kam Meier gerade aus dem Engadin zurück, und machte Turnübungen in ihrer Wohnung. Dann klingelte das Telefon. Es war Iva Marelli, Co-Präsidentin des Teams. Sie sagte: «Marion, du musst jetzt an die Wahlfeier kommen, du wurdest gewählt.» Eine grosse Überraschung für Meier: «Ich habe mich wahnsinnig gefreut, es aber im ersten Moment gar nicht verstanden.»

Meier stand nicht nur zum ersten Mal auf einer Wahlliste, es ist überhaupt ganz frisch, dass sie in einer Partei in irgendeiner Form aktiv ist. Für die Wahl trat sie auch gleich dem Team Baden bei. «Sie waren auf der Suche nach Kandidierenden und haben mich gefragt, ob ich nicht mitmachen wolle. Ich sagte zu.» Eine andere Partei als das Team sei für sie nie in Frage gekommen: «Ich mag es, dass es eine unabhängige Partei ist und so viele verschiedenen Menschen mitmachen.»

Wenn man sie fragt, wieso sie als Newcomerin, die man nicht im Internet findet, bei den Wählerinnen und Wählern so gut angekommen ist, findet sie zwei Gründe. «Ich bin in Baden geboren und aufgewachsen und war lange in der Pfadi aktiv. Ich konnte mir über die Jahre ein gutes Netzwerk aufbauen, und habe viele Freunde und Bekannte aus allen Altersgruppen. Ich glaube, viele Menschen in Baden kennen mich einfach.»

Nachhaltige Verbesserungen für die Pflegenden - auch nach der Pandemie

Die zweite Erklärung sieht sie in ihrem Beruf: «Ich bin der festen Überzeugung, dass es bei den Menschen gut ankam, dass ich Pflegefachfrau bin.» Mit der Pandemie standen die Pflegenden im Fokus, es wurde deutlich, was der Job von ihnen abverlangt, die Menschen klatschten an den Fenstern für ihre Leistung. Meier selbst freute sich über die Anerkennung: «Ich finde jegliche Art von Dank schön, auch in Form von Applaus.» Wichtig ist ihr aber, dass nach der Pandemie nicht alles vergessen geht:

«Es braucht eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Pflegenden, und man muss mehr in die Rekrutierung investieren»,

sagt sie und erinnert an die Pflegeinitiative, über die die Schweizerinnen und Schweizer im November abstimmen.

Erst kürzlich wechselte sie von der aktiven Pflege auf der Neonatologie am Unispital Zürich in die Forschung am Kinderspital. Der Grund war nicht die Pandemie , obwohl auch sie diese zu spüren bekam. «Die Besuchszeiten waren wegen Corona stark eingeschränkt. Den Eltern zu erklären, wieso sie ihr Kind nicht besuchen können, war teilweise sehr schlimm.» Berufsbegleitend macht Meier aktuell eine Ausbildung zur Craniosakral-Therapeutin: «Mit der Schichtarbeit in der Pflege wäre das nicht gegangen.»

Vor Debatten im Einwohnerrat fürchtet sie sich nicht

Der kommenden Legislatur blickt Meier mit Spannung entgegen, aber auch mit Respekt: «Es ist eine neue Aufgabe, ich muss mich zuerst noch reinfuchsen, wie der Rat überhaupt funktioniert.» Im Oktober will sie zum ersten Mal eine Sitzung als Zuschauerin besuchen. Am meisten freut sie sich darauf, dass sie künftig mitentscheiden kann, was in Baden geschieht. Dabei will sie nicht nur Veränderungen herbeiführen, sondern auch das Bestehende erhalten:

«Baden ist eine sehr lebenswerte Stadt und hat unglaublich viel zu bieten, gerade im kulturellen Bereich. Das soll so bleiben.»

Sich selbst bezeichnet Meier als offen und spontan, andere würden von ihr sagen, dass sie laut sei und eine prägnante Stimme besitze. Diese wird sie brauchen können. Im Einwohnerrat werden die Debatten mitunter schon einmal hitzig und emotional. Welche Art von Einwohnerrätin wird Meier sein? «Am Anfang werde ich mich sicher zurückhalten und mir erst einmal alles anschauen, doch dann möchte ich mich schon einbringen.» Sie findet es gut, wenn Diskussionen von Zeit zu Zeit emotional werden, «solange alle respektvoll bleiben.»

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