Diese Konstellation gab es letztmals vor zwanzig Jahren: Dass eine Badenfahrt und Gesamterneuerungswahlen im selben Jahr stattfinden. Nun herrscht offenbar Unklarheit, ob und wie während des grossen Volksfests Wahlkampf gemacht werden darf. «Eigentlich haben wir abgemacht, dass wir den Wahlkampf bis zur Badenfahrt ruhen lassen. Aber einige haben das offenbar vergessen», wurde Stadtammann Geri Müller in der «NZZ» zitiert. Die Zeitung zeigte sich erstaunt, dass Müller im Gegensatz zu seinen Kontrahenten keine Werbung in eigener Sache mache, und rätselte: «Glaubt er selber nicht mehr an einen Wahlsieg, so fragt man sich in Baden, oder geht es ihm nur darum, ein Ruhegehalt zu sichern, das es nur im Fall einer Abwahl gibt?»

Ein Politiker, der bereits mit Plakaten um die Gunst der Wähler wirbt, ist Markus Schneider (CVP). «Es gibt ein Gentleman-Agreement, es bezieht sich aber nur auf die Einwohnerratswahlen.» Die Parteien hätten abgemacht, vor und während der Badenfahrt keine Plakate zu den Parlamentswahlen aufzuhängen. Die Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadtrat sowie das Stadtammann-Amt hätten aber keine Abmachung vereinbart, so Schneider. «Mein Motto lautet: Wenn Plakate, dann lieber wenige, dafür grosse.» So hat er einige offizielle APG-Plakate gekauft. Und im Zentrum, bei der Bruggerstrasse, ein Plakat aufgehängt.

Erich Obrist (parteilos) sagt: «Ich habe mich an die Weisungen der Stadt und des Kantons gehalten. Seit 31. Juli sind Plakate erlaubt, meines Wissens aber nicht in der Innenstadt, beziehungsweise nicht auf dem Badenfahrt-Festgebiet. Daran halte ich mich. Ich habe einige Plakate in der Aussenquartieren aufgehängt, so zum Beispiel im Kappelerhof und in Dättwil.» Ähnlich tönt es bei Sandra Kohler (parteilos): «Ich habe mich bei der Stadtpolizei informiert, Standaktionen und Plakate in der Innenstadt sind im August verboten. Darum konzentriere ich mich auf die Aussenquartiere, so habe ich in Rütihof Wahlplakate aufgehängt.»

Festkulisse nicht beeinträchtigen

Die Stadtkanzlei teilte im Mai mit, während des ganzen Monats August seien weder Standaktionen noch Wahlplakate in der Innenstadt erlaubt. Der Grundsatz: Die Badenfahrt sowie die Auf- und Abbauarbeiten sollen nicht gestört und die Festkulisse nicht beeinträchtigt werden. Eine präzisere Auskunft zur Thematik war gestern bei der Stadtverwaltung nicht zu erhalten; womöglich geht es auch im Stadthaus angesichts der bevorstehenden Badenfahrt bereits etwas lockerer zu und her, wofür alle Badenfahrt-Fans Verständnis haben dürften. Apropos Badenfahrt: Das Fest bietet den Politikern die ideale Gelegenheit, um für sich zu werben – im direkten Gespräch mit den Wählern. So werden alle vier Stadtammann-Kandidaten regelmässig am Fest anzutreffen sein – am Montag (20 bis 22 Uhr) sind die Kandidaten beispielsweise im «Bistro de la Presse» der AZ Medien auf dem Bahnhofplatz anzutreffen.

Geri Müller übrigens sagt inzwischen, er sei von der «NZZ» falsch zitiert worden. «Es ist dem Stadtrat einfach wichtig, dass nicht die ganze Innenstadt mit Wahlplakaten zugepflastert wird, damit alle die Badenfahrt geniessen können.»