Baden

Wahlknatsch in Baden: «CVP und FDP müssen auf Versöhnungskurs»

Partei-Exponenten rufen zu Vernunft und Selbstkritik, statt einander gegenseitige Vorwürfe zu machen

In ihrem Wahlfrust haben einzelne FDP-Mitglieder die CVP als mitverantwortlich für die Schlappe bezeichnet (az 5. 3.). Das goutierte man bei der CVP gar nicht, zumal FDP-Kandidat Roger Huber rund 60 Prozent der Schneider-Wähler erben konnte.

Schluss jetzt mit Vorwürfen

Im Gegenzug wirft die CVP der FDP vor, dass ihr eigener Kandidat Markus Schneider gegen Geri Müller (team) die besseren Chancen gehabt hätte, und rügt Huber und seine Parteikollegen dafür, dass sie den Wahl-Deal publik gemacht haben.

Die Aargauer Zeitung hat Kenntnis davon, dass Exponenten der FDP und der CVP an die Vernunft appellieren und die beiden Stadtparteien dazu auffordern, schleunigst auf Versöhnungskurs zu gehen.

Darum besinne man sich besser der Selbstkritik, denn die Vorbereitungen auf den Wahlherbst sollten bereits jetzt beginnen. Wenn man nicht dieselben Fehler machen wolle, so müsse nun sofort über die Bücher und einen bürgerlichen Schulterschluss machen, wie er in Baden eigentlich Tradition habe.

Zu viele Fehler gemacht

Wer gegen einen profilierten Kandidaten wie Geri Müller gewinnen wolle, dürfe sich nicht so viele Fehler erlauben, heisst es. So ist man überzeugt, dass der Wahl-Deal von vielen bürgerlichen Wählern nicht goutiert wurde.

Denn Fakt ist, dass Baden ansonsten mehrheitlich bürgerlich wählt. Zu wenig Herzblut sei in die Wahlkampagnen der bürgerlichen Kandidaten geflossen. Im Gegensatz dazu hätten die Kandidaten der rot-grünen Koalition Volksnähe nicht nur auf den Plakaten gehabt, sondern sie auch gelebt.

Die Bilanz sagt laut Kritikern eigentlich alles: Die Bürgerlichen hätten es mit einem mehrfach grösseren Wahlbudget nicht fertig gebracht, die grünlinke Seite im Ausstich zu besiegen.

Über die Plakate der beiden Freisinnigen ist man nicht glücklich gewesen; die Kandidaten hätten künstlich gewirkt. Und gegen eine starke und politische erfahrene Frau wie Ruth Müri hole man sich mit einem Spaghetti-Vongole-Rezept kaum Wählerstimmen, kritisiert man den Wahlflyer von Peter Courvoisier.

Dass Huber in der wichtigsten Phase des Wahlkampfes am Ende der Sportferien noch zehn Tage ferienhalber durch Abwesenheit glänzte, habe ihm die knappe Niederlage beschert, sind Kritiker überzeugt. Letztlich bestehen gar Zweifel darüber, ob die FDP tatsächlich die richtigen Leute ins Rennen geschickt habe.

CVP und FDP brauchen Versöhnung

Das Ziel im Herbst müsse primär lauten, den verlorenen zweiten Sitz der FDP als vierten bürgerlichen Sitz ins Bürgerlager zurückzuholen, sind sich Exponenten einig. Dazu brauche es zuerst Versöhnung und Schulterschluss zwischen CVP und FDP.

Zumindest bei den Freisinnigen, der zurzeit wählerstärksten Partei, müsse dieser im Fokus stehen. Dabei ist die FDP gefordert, auch die richtige Kandidatenwahl zu treffen.

Weil bei der SP Daniela Oehrli auf eine weitere Kandidatur verzichtet, wird die FDP diesen Sitz ins Visier nehmen. Die CVP soll behilflich sein, die bürgerliche Mehrheit wieder herzustellen.

Würde die CVP ihrerseits einen Angriff auf den Ammannsitz von Geri Müller planen, so ist man sich einig, dass es für den Erfolg im Herbst eine gemeinsame Strategie brauchen würde.

Allerdings hat auch die SVP ihre klare Absicht geäussert, im Herbst mit ihrem Kandidaten – höchstwahrscheinlich mit Serge Demuth – ins Stadtrats-Rennen zu gehen. So wird es zumindest in einem ersten Wahlgang nochmals zu einer Aufsplitterung der bürgerlichen Stimmen kommen.

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