Nachruf

Walter Merker: Ein hochgeachteter Staatsbürger

Walter Merker.

Walter Merker.

Sein staatsbürgerliches Pflichtbewusstsein war beispielhaft. Er zog sachliche Äusserungen den grossen Worten stets vor. Walter Merker-Sauter (17. Februar 1916–31. Juli 2015) war der letzte Doyen der Industriellen-Familie Merker.

Reich an Jahren, voll unermüdlicher Tatkraft, bis zuletzt von Würde und wachem Geist sowie einer bescheidenen Aufrichtigkeit. Das war Walter Merker, der letzte Doyen einer Industriellen-Familie, die, Mitte des 19. Jahrhunderts aus Deutschland gekommen, in Baden mit einer Metallwarenfabrik Fuss fasste. Sie profilierte sich dann als Badewannenöfen- und Haushaltartikel-Produzent sowie erstes Emaillierwerk der Schweiz, später mit der ersten vollautomatischen Waschmaschine, deren erfolgreichen Folgemodellen und Geschirrspülmaschinen. Nach dem Zweiten Weltkrieg durchlief Walter Merker im beruflichen Werdegang und in führenden Positionen Zweigfirmen der Familie, so die Egloff AG (Egro) in Niederrohrdorf oder die Sanitas AG (später Sanitas Troesch). Er erlebte in Baden die erfolgreichsten Zeiten der Merker AG, bis unter dem Konkurrenzdruck die industrielle Produktion aufgegeben werden musste und an die Schulthess sowie ein Teil an die Egro AG überging.

Nach seiner Berufszeit überliess er die Führung ganz der nächsten Generation. Auch unerfreuliche Entwicklungen begegnete er in stiller Zurückhaltung. Dass das «Gelbe Viereck», der prägende Teil der Industrieanlage in Baden, dank Unterschutzstellung und Sorgfalt in der Familie ein Ort von Büros, Handwerk und Kultur wurde, freute ihn; lange Zeit belegte er dort noch sein eigenes Büro.

Dass das Militär und damit Ordnung und Disziplin, besonders auch Selbstdisziplin, in Walter Merkers Leben weit oben standen, lag zweifellos daran, dass er nach der Handelsschule in Zürich, Rekrutenschule bis Offiziersschule und einer Auslandzeit für gut 1000 Aktivdiensttage in den Militärdienst einberufen wurde. In seinem Lebenslauf schildert er bereits die Erlebnisse als Kadett oder im militärischen Vorunterricht an der Kantonsschule.

Als junger Leutnant war er vom Paris-Aufenthalt wohl mit dem letzten Zug in die Schweiz dem Ruf der Mobilmachung gefolgt. Winston Churchill, dessen Rufe vor dem drohenden Kriege warnten, war für Walter Merker eine der grossen historischen Figuren. Über einen Dienstkollegen lernte er Susanna Sauter, Baslerin mit Grindelwalder Wurzeln, kennen. Eine erste gemeinsame Bergtour über die Jungfrau und den Westgrat des Mönchs führte die beiden schon bald darauf im Jahre 1946 vor den Traualtar.

Die glücklichen Kinder- und Jugendjahre in der Grossfamilie prägten Walter Merker. Er wuchs im «Egloffstein» auf (heute steht dort das reformierte Kirchgemeindehaus), wo auch die Grosseltern väterlicherseits wohnten, später an der Burghalde. Eine besondere Verbindung pflegte die Familie zum «Schwanen» in Ennetbaden, wo seine Mutter herstammte.

Walter Merker war später als Vater trotz vielseitigem Engagement ausgeprägter Familienmensch. Das schlechte Gewissen habe ihn oft geplagt, wenn er Ehefrau Susanna und die vier Kinder infolge Sitzungen und Verpflichtungen alleine lassen musste, erzählte er später. Bis über das 70. Altersjahr gehörten die gemeinsamen Skiferien, wo er noch den Enkelkindern das Skifahren beibrachte, zum Familienleben der Merkers.

Beispielhaft war das staatsbürgerliche Pflichtbewusstsein von Walter Merker. Als freisinniger Einwohnerrat präsidierte er diesen während zweier Jahre, engagierte sich für die Ortsbürger und war in diversen Kommissionen tätig. Über 30 Jahre lang wirkte er in leitenden Funktionen verschiedener Gremien innerhalb des Kurtheaters Baden. Sein Interesse galt bis zuletzt dem öffentlichen Leben, der Politik und Gesellschaft der Stadt Baden.

In den vergangenen Jahren war es ruhiger geworden um Walter Merker. Seine geistigen Interessen und das Geschehen in der Welt verfolgte er zwar weiter. Reisetätigkeit und anderes reduzierte sich. Noch begegnete man ihm lange Zeit am Badener Wochenmarkt. Bis vor wenigen Jahren noch an der Seite seiner Frau, der er in ihren letzten Jahren eine grosse Stütze war. Den Tod seines älteren Sohnes wie auch den seiner Frau trug er mit Würde.

Walter Merker bleibt als hochgeachtete Persönlichkeit in Erinnerung. Wo er dabei war, profitierte man von seinem Pioniergeist und schätzte sein Verantwortungsbewusstsein wie auch seine Offenheit, wobei er sachliche Äusserungen den grossen Worten vorzog. Bis zuletzt nahm er noch an jeder Abdankung seiner ehemaligen Mitarbeiter teil. Nun war er selber an der Reihe, nach einem reich erfüllten Leben, sechs Monate, bevor er seinen 100. Geburtstag hätte feiern können. Eine grosse Trauergemeinde nahm am vergangenen Donnerstag von ihm Abschied. Eine ganze Stadt wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

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