Baden
Walter Roderer überraschte Bewohner im Alterszentrum

Aufregung im Alterszentrum Baden: Walter Roderer beglückte die Bewohner im Alterszentrum zuerst ab Flachbildschirm und dann live.

Rosmarie Mehlin
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 Walter Roderer im Alterszentrum Mellingen
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 Walter Roderer im Alterszentrum Mellingen
Walter Roderer im Alterszentrum Mellingen
 Walter Roderer im Alterszentrum Mellingen
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 Walter Roderer im Alterszentrum Mellingen
 Walter Roderer im Alterszentrum Mellingen

Walter Roderer im Alterszentrum Mellingen

Am Tag, bevor es wieder zu schneien begonnen hat, sind Geschenke gleich im Dreifachpack ins Alterszentrum Mellingen-Wohlenschwil geschneit: zwei supermoderne grosse Flachbildfernseher und kein Geringerer als Walter Roderer auf Stippvisite. Erstere waren angekündigt – Letzterer eine Riesenüberraschung. Dass der beliebte Schauspieler zu sehen sein würde, war zwar bekannt – allerdings nur auf einem der besagten Flachbild-Wunder, nicht live.

«Schweizer namens Nötzli»

Stopp und schön der Reihe nach. Am Anfang hatten Spenden an den Verein Alterszentrum gestanden. Von denen waren zwei Flachbildfernseher angeschafft worden – für jedes Stockwerk, in dem Zentrumsbewohner leben, einer. Die mussten gebührend eingeweiht werden und am Mittwochnachmittag war es so weit: Im Speisesaal war Konzertbestuhlung aufgereiht und daneben genügend Raum für Rollstühle, sodass die Sicht auf den Bildschirm von jedem Platz aus frei war.

Die 40 Bewohnerinnen und Bewohner waren, zusammen mit Angestellten und Gästen, überpünktlich versammelt und warteten aufgestellt auf einen «Schweizer namens Nötzli». Und der kam, sah und siegte – der gleichnamige Film von 1988 als solcher, vor allem aber Walter Roderer in der Hauptrolle, urkomisch mit einem Schuss Tragik, humorvoll, aber auch verletzlich – kurzum: zutiefst menschlich.

Am Hungertuch genagt

Als es nach 100 Minuten im Saal wieder hell wurde, sah man rundherum lächelnde Gesichter und leuchtende Augen. Allerdings war das noch gar nichts! Denn plötzlich stand der da, der Nötzli, wie vom Flachbildschirm herunter aufs Podest gehüpft – nur sehr viel dünner, ein bisschen kleiner auch und das Haar schlohweiss – Applaus! Die Versammelten kamen aus dem Staunen und Strahlen nicht heraus: Walter Roderer wie er leibt und lebt, im letzten Juli 90 geworden, noch immer frisch und mit einer gehörigen Portion Schalk im Nacken. «Alli Johrgänger – grüezi mitenand», begann er in seinem unverkennbaren St.-Galler-Dialekt und plauderte dann eine halbe Stunde lang munter drauflos.

Er erzählte von seinen harten Anfängerjahren. Am Hungertuch habe er genagt, zehn Jahre in einer Fabrik gearbeitet, in Zürich Bodenwichse vertrieben, ab und zu am Schauspielhaus in einem Stück «es Sätzli» sagen dürfen. «Aber ich hatte immer mein Ziel, Schauspieler, vor Augen, habe die Hoffnung nie aufgegeben.» Heute gehört er längst zu den beliebtesten Schweizer Akteuren. Geniesst er das? «Jo, eigetlich scho! Würde ich das leugnen, wäre ich nicht ganz ehrlich.»

Flausen im Kopf

Im Stück «Der Mustergatte» – «mini Lieblingsrolle» – habe er 1288 -mal auf einer Bühne gestanden. Zum ersten Mal 1957, damals mit Stephanie Glaser als Partnerin. Und – ist er auch privat ein Mustergatte gewesen? «Scho nid», bekennt er lachend, «aber ich habe immer versucht, ein anständiger Mensch zu sein.» Ein Rezept für ein gutes hohes Alter konnte Roderer nicht geben. Nur so viel: Er stehe immer erst um 9 Uhr auf, esse nicht viel, aber regelmässig Zmorge, Zmittag und Znacht, gehe täglich – «wenn sWätter einigermasse isch» – ein bisschen spazieren. «Und finanziell komm ich, bis ich 120 bin, einigermassen über die Runden.»

«Flausen im Kopf eines alten Mannes», so laute der Titel seines zweiten Buches, an dem er gerade schreibe, und «gseit isch gseit» der Untertitel. «Es ist nicht autobiografisch. Ich reflektiere darin einfach meine ganz persönlichen Gedanken und Meinungen zu verschiedensten alltäglichen, menschlichen Fragen und Themen. Ich bringe das frank, frei und ehrlich zu Papier. Es ist mir egal, was die Leute und Kritiker darüber denken.»

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