Niederweningen
Wand in Unterführung versprayt – ganz legal

DerGemeinderat Niederweningen überliess die Unterführung bei der Surbgass den Graffiti-Künstlern.

Eva Wanner
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Die Graffiti-Künstler während der Arbeit in der Unterführung. EWA

Die Graffiti-Künstler während der Arbeit in der Unterführung. EWA

Wer «Sprayen» und «Graffiti» hört, denkt meist unweigerlich an unschöne Schmierereien, die illegal an Wänden oder auf Zugwaggons angebracht werden. Dass Graffiti auch eine Kunstform ist, haben am Wochenende rund 20 Sprayer an einem Graffiti-Meeting in Niederweningen bewiesen.

Vom «Gschmier» zum Kunstwerk

Früher war auch die Unterführung bei der Surbgass in Niederweningen ein Sammelplatz für «Gschmier»: «Hier waren vor allem rechtspolitische Parolen oder frauenfeindliche Sprüche zu lesen», sagt Gordian Hertli. Hertli ist die eine Hälfte des Sprayer-Duos Iceroc. Die beiden sprayen seit gut 15 Jahren zusammen und geben Kurse. Unter seiner Leitung und der seines Partners, Claude Pietro, wurde aus der Unterführung während eines Wochenendes ein Gesamtkunstwerk.

Die Graffiti-Künstler während der Arbeit in der Unterführung
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Die Graffiti-Künstler während der Arbeit in der Unterführung
Die Graffiti-Künstler während der Arbeit in der Unterführung
Die Graffiti-Künstler während der Arbeit in der Unterführung
Die Graffiti-Künstler während der Arbeit in der Unterführung
Die Graffiti-Künstler während der Arbeit in der Unterführung
Die Graffiti-Künstler während der Arbeit in der Unterführung
Die Graffiti-Künstler während der Arbeit in der Unterführung

Die Graffiti-Künstler während der Arbeit in der Unterführung

Eva Wanner

Initiiert hat das Graffiti-Meeting die Gemeinderätin Claudia Hauser. Ihr war, wie vielen anderen auch, die Unterführung ein Dorn im Auge. Deshalb trat sie auf einen jungen Graffiti-Künstler zu, der sie an Iceroc weiterverwies. Das Duo schrieb den Event aus, sodass sich auch andere Künstler an der Verschönerung der Unterführung beteiligen konnten. «Es freut mich, dass sich so viele angemeldet haben», sagt Hertli.

Freude hatten auch Passanten, die durch die Unterführung gingen. Verständlicherweise konnte sich kaum einer ein «Ah», «Oh» oder «Wow!» verkneifen. Mit flinken und exakten Handgriffen entstanden hier farbige Kunstwerke. Jeder Künstler konnte auf «seinem» Teil der Unterführung ein Graffito sprayen. «Das Motto ist ‹Walt Disney Comics & Styles›», sagt Hertli. «Aber die Hauptsache ist, es wird farbenfroh und schön!» Die Reaktionen der Passanten beweisen: Ziel erreicht. Auch Gemeindepräsidentin Andrea Weber gab zu: «Ich stand dem Projekt anfangs skeptisch gegenüber. Jetzt bin ich restlos begeistert.»

«Das hier soll eine ‹Wall of Fame› werden», erklärt Gordian Hertli. Das bedeutet, dass jeder die bestehenden Kunstwerke übermalen und sein eigenes Graffiti sprayen darf. Damit soll den Sprayern eine legale «Leinwand» geboten werden. «Es wäre schön, wenn auch andere Gemeinden diese Projektidee übernehmen würden», wünscht sich Hertli.

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