Limmattal
War der Pony-Rausschmiss aus dem Bus in Dietikon rechtens?

Nach dem Rausschmiss eines Ponys aus dem Bus stellt sich die Frage: Was ist erlaubt? Die Bestimmungen der ZVV sind bezüglich dem Mitführen von Tieren nicht eindeutig.

Bettina Hamilton-Irvine
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Das Leben ist kein Ponyhof. Dies wurde einer jungen Frau deutlich vor Augen geführt, als sie am Mittwochabend versuchte, mit ihrem Zwergpony von Dietikon nach Bergdietikon zu gelangen. Da sie sich jedoch nicht zu Fuss auf den Weg machte, sondern mit ihrem vierbeinigen Begleiter am Bahnhof Dietikon in den Bus 305 einstieg (az Limmattaler Zeitung berichtete), erregte sie einiges Aufsehen - und wurde vom Buschauffeur prompt gebeten, den Wagen samt Pony wieder zu verlassen.

«Nicht explizit verboten»

Hatte der Chauffeur das Recht, dem Pony die Fahrt zu verweigern? «Ja», sagt Thomas Kellenberger, Mediensprecher des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV), zu dem auch die Verkehrsbetriebe Zürich gehören, die den entsprechenden Bus betreiben. Dies, obwohl die Bestimmungen der ZVV diesbezüglich nicht eindeutig sind: Kleine Hunde, Katzen und «ähnliche zahme Kleintiere» dürfen «in geeigneten Behältern» gratis mitgeführt werden. «In allen übrigen Fällen» sei für Tiere ein ermässigtes Ticket zu kaufen, heisst es im Reglement. Kellenberger gibt zu, dass dies keine schlüssige Antwort auf die Pony-Frage gebe. Doch: «Man geht dabei von Haustieren aus.» Man habe kaum damit gerechnet, dass jemand Ponys, Lamas oder grössere Tiere transportieren wolle, sagt Kellenberger lachend.

Sogar Sofas dürfen im Bus transportiert werden

Die Entscheidung liege letztlich im Ermessen des Chauffeurs und sei eine Frage des gesunden Menschenverstands, betont der Mediensprecher. «Im Vordergrund steht die Sicherheit der Fahrgäste und des Tieres.» Dasselbe gelte auch für den Transport von Möbeln oder anderen grossen Gegenständen - eine Angelegenheit, die vom ZVV nicht offiziell reglementiert ist. «Es bringt nichts, dafür ein Statut zu schreiben», sagt Kellenberger. Jedes Transportunternehmen handhabe dies unterschiedlich. Wenn der Platz vorhanden sei, dürfe ein Chauffeur den Transport eines Möbelstückes erlauben. Sogar das Mitführen eines Sofas sei «nicht explizit verboten». In der Stosszeit hingegen werde dies kaum ein Fahrer zulassen.

Hunde mussten neben dem Tram herrennen

Keinen Interpretationsspielraum liessen die Regeln vor mehr als hundert Jahren, wie Sarah Lüssi vom Trammuseum Zürich sagt: «Um das Jahr 1900 waren Hunde im Tram verboten.» Die Hunde seien sich daran gewöhnt gewesen, neben dem Wagen herzurennen - schliesslich hätten sie dies bereits bei Kutschen so gemacht. Als dann um 1920 Schosshunde in Mode kamen, erlaubte man deren Transport unter gewissen Umständen, erzählt Lüssi.

Dass manchmal auch andere Tiere in den Genuss einer Tramfahrt kamen, davon zeugt ein im Trammuseum vorhandener Brief, der am 14. Oktober 1927 an alle Tramkondukteure geschickt wurde. Es sei gemeldet worden, heisst es darin, dass in letzter Zeit immer öfter «unverpackte» Katzen, Affen und junge Tiger im Tram transportiert würden. Die Kondukteure seien gebeten, diese Tiere nicht einsteigen zu lassen, so fern sie nicht in einem Korb oder einer Kiste seien.

Ticket für eine Einkaufstasche

Doch auch der Transport von Gegenständen war damals klar reglementiert, wie Lüssi weiss: «Was man nicht halten oder auf den Knien transportieren konnte, kostete - und zwar ein ganzes Billet.» Man habe nicht wie heute vier Einkaufstaschen auf den Boden stellen können, ohne dafür tiefer in die Tasche greifen zu müssen. Dafür gab es einen einfachen Grund: Da damals kaum jemand ein Auto hatte, wäre das Tram sonst zu oft für den Transport von Gütern missbraucht worden.