Zurzeit ruhen die Bauarbeiten für das neue Thermalbad, die Klinik für Prävention im ehemaligen Hotel Verenahof und das Ärztehaus. Den Baustart hat die federführende Stiftung «Gesundheitsförderung Bad Zurzach+Baden» zuletzt auf den kommenden Frühling kommuniziert. Läuft dann alles nach Plan, würde das neue Bad im Herbst 2020 seinen Betrieb aufnehmen. 500'000 Gäste soll das von Architekt Mario Botta entworfene Bad jährlich anlocken.

Doch in Anbetracht stagnierender Gästezahlen der umliegenden Bäder in Bad Zurzach, Schinznach-Bad und Rheinfelden stellt sich die Frage, ob diese Zahl nicht etwas zu optimistisch geplant ist. So äusserte sich etwa Hans-Rudolf Wyss, Verwaltungsratspräsident und Mehrheitsaktionär der Bad Schinznach AG, diesen Frühling kritisch zu den Erfolgsaussichten des Botta-Thermalbades. «Ich zweifle daran, dass die geplante Zahl von 500'000 Gästen pro Jahr erreicht wird.» In den letzten zehn Jahren hätten alle Bäder im Kanton Aargau rund einen Viertel der Besucherzahlen verloren. «Insgesamt schrumpft der Markt.»

Auch Dominik Keller, Geschäftsführer der Thermalbad Zurzach AG, macht kein Geheimnis aus dem schwierigen Marktumfeld und den damit verbundenen stagnierenden Besucherzahlen. «Bei uns haben sich die Gästezahlen in den letzten zehn Jahren bei rund 450'000 pro Jahr eingependelt.» Man könne es natürlich auch positiv formulieren, dass die Gästezahlen stabil seien. «Andererseits schaffen wir das auch nur, weil wir unser Angebot in den letzten Jahren sehr stark ausgebaut haben.»

Bädergeschiche erlebbar machen

Rührt die Stiftung hier mit einer zu grossen Kelle an? Seit April dieses Jahres zeichnet Marc Bertschinger innerhalb der Geschäftsleitung der Stiftung für die Marktentwicklung und die Kommunikation verantwortlich. «Wir sind fest davon überzeugt, mit dem neuen Bad in Baden auf eine grosse Nachfrage zu stossen. Auf der einen Seite wollen wir natürlich viele neue Badegäste nach Baden locken. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass das Badener Thermalbad in den besten Jahren 200'000 Gäste und im Jahr vor der Schliessung immer noch 100'000 Badegäste zählte.

Einen grossen Teil davon wollen wir wieder zurückgewinnen.» Dass das Badener Thermalbad ausgerechnet auch das Thermalbad in Bad Zurzach, an dem die Stiftung ebenfalls beteiligt ist, konkurrenzieren wird, stellt Bertschinger nicht in Abrede. Aber: «Wir werden das Badener Thermalbad anders positionieren als das Bad Zurzacher Thermalbad, damit die beiden Bäder einander bestmöglich ergänzen.»

Bertschinger ist überzeugt, mit dem Botta-Bad einen neuen Markt erschliessen beziehungsweise neue Badegäste anlocken zu können. Als Alleinstellungsmerkmal sieht er die 2000-jährige Bädergeschichte und -tradition. «Diese Geschichte müssen wir erlebbar machen und in das neue Bad-Konzept integrieren. Natürlich wird es im Bäderquartier kein Museums-Bad geben, aber wir wollen hier die jahrhundertalte Bädertradition erlebbar machen», so Bertschinger.

Als grosses Plus sieht der Marketing-Fachmann auch die Nähe zur Stadt und damit das urbane Umfeld. «Zusammen mit der Stadt müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, damit die Badegäste nicht nur des Bades wegen, sondern auch wegen weiterer Angebote nach Baden gelockt werden.» Bertschinger setzt vor allem darauf, dass mit dem Botta-Bad das ganze Bäderquartier wieder belebt wird. «Als ich zum ersten Mal hier ins Bäderquartier kam, war ich absolut fasziniert von der Atmosphäre.»

Der 46-Jährige war zuvor während rund 3½ Jahren Leiter Marketing bei Zürich Tourismus. «Die Arbeit innerhalb der Stiftung ist sehr spannend. Aber klar, das Bäderprojekt ist sicher eines der aktuell wichtigsten Projekte», sagt Bertschinger.

Bad Zurzach ist nicht nervös

Dominik Keller vom Bad Zurzacher Thermalbad glaubt derweil, dass die Thermalbäder auch in Zukunft vor Herausforderungen stehen. «Wir leiden letztlich genauso unter den Auswirkungen des Klimawandels und den damit milderen Temperaturen. Vor allem die immer heisseren Sommermonate führen dazu, dass die Menschen vermehrt in Flüsse oder Seen baden gehen», so Keller.

Die typischen Thermalbad-Angebote würden aber vor allem dann sehr gut genutzt, wenn das Wetter kühl und schlecht ist. «Aus diesem Grund bauen wir unser Angebot so aus, um das ganze Jahr durch für unsere Badegäste attraktiv zu sein.» Dabei denkt Keller etwa an die Kinder-Bade-Welt von Papa Moll oder das Naturschwimmbecken.

Dass in Baden voraussichtlich 2020 das neue Thermalbad eröffnet wird, bereitet Keller keine schlaflosen Nächte. «Baden ist von seiner Geschichte her prädestiniert für ein neues Bad. Ich bin sicher, dass es auch viele neue Badegäste auf dem Markt generieren kann, wenn es sich gut positioniert.» Insofern fürchte er die dannzumal neue Konkurrenz nicht, «auch wenn wir allenfalls den einen oder anderen Badegast verlieren werden».