Baden
Warum der Schläger-Prozess erst nach vier Jahren begann

Im Februar 2011 wurden mitten in Baden zwei Männer verprügelt. Erst am Donnerstag – vier Jahre später – fiel das Urteil. Warum hat das so lange gedauert?

Bastian Heiniger
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Dank einer Überwachungskamera ermittelt: Vier der Schläger-Truppe von Baden im Jahr 2011.

Dank einer Überwachungskamera ermittelt: Vier der Schläger-Truppe von Baden im Jahr 2011.

Am Donnerstag hat das Bezirksgericht Baden die Urteile im Schläger-Prozess gefällt: Einer der Täter muss für acht Monate hinter Gitter (az berichtete). Eine Frage bleibt allerdings offen: Warum verstrichen von der Tat bis zum Urteil vier Jahre?

Ein juristisch bewanderter Leserbriefschreiber meint, vier Jahre bis zu einem Gerichtsprozess in erster Instanz sei ein Skandal. Ein anderer fragt sich: «Was haben wir eigentlich für eine Justiz?» Einerseits seien die Angeklagten mehrere Jahre im Ungewissen gelassen worden, was deren Entwicklung nicht gerade gefördert habe. Und andererseits sei es auch den Opfern kaum zuzumuten, wenn sie derart lange auf ein Urteil warten müssten. Wo liegt bei der Justiz also das Problem? Brauchte etwa die Staatsanwaltschaft zu lange, um ihre Anklage einzureichen?

Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagt, dass im März 2013 Anklage erhoben worden sei. Bei einem aufwendigen Verfahren mit sechs Beschuldigten sei es nicht aussergewöhnlich, dass es zwei Jahre dauere, bis eine Strafuntersuchung abgeschlossen werden könne.

Nach zwei Jahren gelangte somit die Anklage an das Badener Bezirksgericht. Die Sachlage schien klar: Sechs Täter verprügelten zwei Männer, wovon einer schwer und der andere leicht verletzt wurde. Die Staatsanwaltschaft forderte für die beiden Haupttäter zweieinhalb Jahre, respektive 18 Monate unbedingt, und für die weiteren vier Täter je 12 Monate bedingt. Die zentralen Anklagepunkte: Körperverletzung und Angriff. Kein aussergewöhnlicher Fall also, könnte man meinen.

Drei Verteidiger wechselten

Doch auch beim Bezirksgericht Baden heisst es: Wenn sechs Beschuldigte involviert seien, gäbe es einen aufwendigen Fall. Ein solcher nehme entsprechend mehr Zeit in Anspruch. Zudem haben laut der Gerichtsschreiberin Sarah Neuenschwander drei Beschuldigte während des Verfahrens ihre Verteidiger gewechselt.

Die neuen Anwälte konnten somit wiederum Akteneinsicht nehmen, was die Verfahrensdauer zusätzlich verlängerte. Und: Am Gericht sei die interne Belastung gestiegen, sagt Neuenschwander. Allein in den letzen drei Jahren hätten sich die Strafrechtsfälle verdreifacht.

SVP-Grossrat und Rechtsanwalt Jean-Pierre Gallati sagt: «Ohne die Verfahrensakten zu kennen, halte ich diese überlange Verfahrensdauer für sehr unerfreulich.» In Juristenkreisen heisst es ausserdem, dass Verfahren beim zuständigen Richter oft länger dauerten.

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