Baden-Balladen
Warum die Badenfahrt auch «Badenfurz» heisst

Simon Libsig, Auto und Poet aus Baden, hat Besuch aus Hollywood. Er schreibt in seinem neusten Gastbeitrag über Gast Jennifer, erklärt, warum sie beim Wort Hardöpfel laut lachen muss und warum sich die Kalifornierin über die Badenfahrt amüsiert.

Simon Libsig
Simon Libsig
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Impression von der letzten Badenfahrt - die nächste findet im Jahr 2017 statt

Impression von der letzten Badenfahrt - die nächste findet im Jahr 2017 statt

Alex Spichale

Läck Bobi war ich aufgeregt! Ich hatte sie vor fünf Jahren zum letzten Mal gesehen, nun stand ich mit einem selbst gebastelten Strauss Zigaretten und einer Flasche Schnaps in der Ankunftshalle am Flughafen Kloten und fixierte die automatische Milchglastüre.

Natürlich hörte ich sie bereits, bevor ich sie sah. Meine liebe Freundin Jennifer aus sunny California. L.A. Baby! Hollywood-Style! Dieser Frau kannst du dich nicht entziehen! 100 kg schwer, 100 dB laut, 100 % liebenswürdig, klug und saulustig.

Das Erste was sie zu mir sagte, nachdem sie mich aus der Umklammerung wieder freigegeben und die Freudentränen weggeschnäuzt hatte, war: «Hördöpfel».

Natürlich mit breitem, amerikanischem Akzent: «Hördöpfel». Es war das einzige schweizerdeutsche Wort, das ich ihr damals beigebracht hatte, nun stiessen wir noch in der Ankunftshalle mit dem Kartoffelschnaps darauf an und pafften ein Light-Zigarettchen. «Alpenluft», sagte ich, dafür sei die Schweiz bekannt, für ihre Alpenluft.

Der Security Mann, der uns hinausbegleitete, schleppte freundlicherweise auch gleich Jennifers Koffer. Auch er konnte sich ihr nicht entziehen. Allein schon, wie sie ihm den Zigarettenrauch ins Gesicht gehaucht hatte, das war Erotik pur, er wirkte wie benebelt.

In Baden angekommen, wollte Jennifer gleich alles sehen. Vergiss den Jetlag, vergiss den Koffer, vergiss die Highheels, «give me the whole tour!». Ich musste improvisieren.

Ich erinnerte mich daran, was sie mir damals rund um Hollywood gezeigt hatte, und präsentierte ihr wortreich das Badener Pendant. Die Allmend und der Ennetbadener Reichen-Hügel waren die Hollywood Hills. Die Limmatpromenade und der Kappi-See waren der Ocean Front Walk und Venice Beach.

Die Badener Fahne auf dem Schloss Stein war das Hollywood Sign. Dann spielte ich unseren grössten Trumpf aus. So wie die Oscar-Verleihung hätten auch wir einen einzigartigen, gesellschaftlichen Event, mit Pomp und Tamtam, für den kein Aufwand gescheut und sich alle herausputzen würden, sagte ich.

Es sei vielmehr ein zehntägiger Rausch, doppelte ich nach. Der Name dieses gewaltigen Volksfestes sei, und dann legte ich eine Kunstpause ein, obacht: «Badenfahrt».

Natürlich mit schweizerisch-amerikanischem Akzent: «Badenfahrt».

Es dauerte ein Momäntli, bis Jennifer wieder Luft kriegte, sie japste und lachte, lachte und japste. «Seriously?», fragte sie schliesslich, «BadenFART??!! Und dann ratterte sie eine ganze Synonym-Liste für die englische Entsprechung von «Furz» herunter, um dann mit dem folgenden, denkwürdigen Satz zu schliessen: «You really mean the act of allowing gases from your stomach to come out through your anus?»

«Yes», sagte ich, ob des Lachanfalls etwas betupft, sie hätte ganz richtig verstanden, genau das würde ich meinen! Dieser Name sei ganz bewusst gewählt, in Anerkennung der Tatsache, dass eben auch aus einer sogenannten «Furz-Idee» etwas ganz Grosses entstehen könne.

Dass man sich auf keinen Fall hemmen lassen soll von irgendwelchen Kleingeistern und Verhinderern, sondern ihnen kollektiv zuruft: «Wir schaffen das! Darauf könnt ihr einen lassen!»

«Hmm», sagte Jennifer, das erinnere sie an zu Hause, an den «American Spirit».

Und dann zogen wir ihren Koffer durch die Sunset Boulevard-Badstrasse vorbei am Weite Gasse-Walk of Fame, und wir kippten flüssigen Hördöpfel und wussten, dass all die Strassennamen und Länder und Grenzen lediglich Erfindungen des Menschen und wir im Grunde alle vom selben Ort waren.

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