Seit Anfang August werden im Badener Ortsteil Rütihof für rund 16 Millionen Franken zwei neue Schulhäuser gebaut. Nach wenigen Wochen traten unerwartete Schwierigkeiten auf: Der Baugrund ist nicht so tragfähig wie erwartet, weswegen nun Betonpfähle in den Boden gerammt werden. Das verursacht so viel Lärm und Erschütterungen, dass ein Schulbetrieb im Gebäude neben der Baustelle nicht möglich ist. «Wir hatten nur wenige Tage Zeit, neue Schulräume zu finden», sagt Schulleiterin Lisa Lehner. Und weil die Stadt Baden bereits an Schulraum-Knappheit leide, habe man kreative Lösungen finden müssen.

Sechs neue Standorte

Seit Mittwoch werden die rund 230 Kinder der Rütihofer Schule an sechs verschiedenen Orten unterrichtet: In der Waldhütte Müslen in Birmenstorf, die nicht weit von Rütihof entfernt liegt; in der Stube eines Bauernhofs, in dem eine Lehrerin wohnt; im Badener Feuerwehrlokal; im Untergeschoss des Werkhofs auf dem Schadenmühleplatz; in einem Gemeinschaftsraum im Haberacher sowie auch in Zimmern der Bezirksschule. Ausserdem wurden aus vier Kindergärten temporär zwei gemacht. «Das bedeutet, dass sehr viele Kinder im selben Raum unterrichtet werden.»

Alle zwei Tage werden die Kinder der zwölf Primarschulklassen in einem neuen Klassenzimmer unterrichtet. «Bisher sind die Schüler begeistert, sie schwärmen geradezu von ihren neuen Klassenzimmern, die eine grosse Abwechslung bedeuten», sagt Lisa Lehner. Das Unterrichtsprogramm wird im Rahmen der Möglichkeiten angepasst – im Feuerwehrlokal gibt es Informationen zur Feuerwehr, auf dem Bauernhof zu Tieren, in der Waldhütte zur Natur. Von den Eltern habe es bisher nur vereinzelt kritische Reaktionen gegeben, sagt Lisa Lehner.

Auch die Lehrerinnen und Lehrer seien im hohen Masse gefordert gewesen, sagt Lehner: «Sie kamen von den Ferien zurück und erfuhren erst dann von den neuen Standorten. Innerhalb kürzester Zeit haben sie ihre Unterrichtspläne angepasst.»

Die Stadt Baden schreibt in einer offiziellen Mitteilung von «evakuierten Schulklassen». Wie lange noch dauert diese Evakuation? Schulleiterin Lehner: «Wir gehen davon aus, dass frühestens in zwei Wochen wieder in den Gebäuden neben der Baustelle unterrichtet wird.»

Bauverzögerung von 2 Monaten

Weil der Neubau mit Pfählen fundiert werden muss, werden die Bauarbeiten für die Schulhäuser rund zwei Monate länger dauern als geplant. Ursprünglich war vorgesehen, dass die modernen Schulzimmer im Sommer 2017 bezogen werden können. Danach sollen der jetzige Kindergarten Tobelacher für den Schulbetrieb und das gelbe Schulhaus für die Tagesstrukturen umgebaut werden, sodass künftig Schule, Kindergarten und Tagesstrukturen an einem Ort zusammengeführt werden können. Vergangenes Jahr hatten die Badener Stimmbürger dem Baukredit in Höhe von 16,3 Millionen Franken mit 81 Prozent Ja-Stimmen klar zugestimmt.