Trend-Game
Warum «Pokémon Go»-Spieler den Badener Kurpark lieben

«Pokémon Go» ist das Game des Sommers. Auf der ganzen Welt versammeln sich Spieler, um die kleinen Taschenmonster auf den Displays ihrer Smartphones zu fangen. Für alle, die das Trend-Game noch nicht kennen, hier ein Erläuterungsversuch.

Barbara Scherer
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Um Bälle für die Monsterjagd zu erhalten, müssen die Spieler an sogenannten Pokéstops vorbei gehen. Bei diesen handelt es sich meist um Sehenswürdigkeiten. Solche gibt es auch im Badener Kurpark, und zwar gleich drei.

Um Bälle für die Monsterjagd zu erhalten, müssen die Spieler an sogenannten Pokéstops vorbei gehen. Bei diesen handelt es sich meist um Sehenswürdigkeiten. Solche gibt es auch im Badener Kurpark, und zwar gleich drei.

Badener Tagblatt

Zu Dutzenden sitzen sie da, auf der Betonmauer vor dem Grand Casino Baden, den Blick starr auf den Handybildschirm gerichtet, die Finger wischen hektisch über das Display. Dieses Bild kennt, wer derzeit am Kurpark vorbei kommt.

Gibt es vielleicht gratis Internet? Weit gefehlt – der Wiesenstreifen zwischen Casino und Haselstrasse hat sich in ein Mekka für «Pokémon Go»-Spieler verwandelt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene gehen im Park auf Monsterjagd. «Oh, ein Shiggy», hört man jemanden sagen, schon tippen alle Anwesenden wie verrückt auf ihrem Display herum.

Leichenfund in den USA

Fast auf der ganzen Welt befinden sich Menschen auf der Suche nach Pokémon, zu deutsch Taschenmonster. Welche Ausmasse das Game angenommen hat, kann man auf einem Youtube-Video sehen: Es zeigt wie tausende Menschen bei der Jagd auf eines der Taschenmonster in den Central Park in New York stürmen.

Dabei entstand ein grosses Verkehrschaos. Auch wurde das Spiel in den USA schon für Überfälle missbraucht und ein Teenager fand auf der Jagd nach den Taschenmonstern sogar eine Leiche, wie der «Tagesanzeiger» kürzlich berichtete.

Obwohl heute bald jeder von dem Spiel gehört hat, bleibt «Pokémon Go» für viele ein Mysterium. Wie funktioniert das Spiel und wieso sitzen immer so viele Leute im Kurpark?

Nadine Vogt (28), Wettingen «Hier im Park hat es viele Lockmodule, so kann man leichter Pokémon fangen. Ich habe auch früher schon ab und zu Games gespielt. Das Schöne an ‹Pokémon Go› ist, dass Spaziergänge mehr Spass machen.»
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Roger Weingart (39), Dielsdorf «Mein Büro ist gleich um die Ecke, deshalb gehe ich gerne in den Kurpark. Da ich schon immer ein Gamer war, habe ich angefangen ‹Pokémon Go› zu spielen. Man lernt durch das Spiel auch viele neue Leute kennen.»
Leeroy Linder (16), Dielsdorf «Mein Vater arbeitet hier und hat mir erzählt, dass es im Kurpark viele Pokémon gibt. Das Tolle an ‹Pokémon Go› ist, dass man sich beim Spielen bewegt. Da ich ADHS habe, ist das ein guter Ausgleich.»
Stephanie Zhin (13), Leslie Sidler (14), Unter- und Obersiggenthal «Freunde von uns spielen ‹Pokémon Go› hier im Park. Das tolle am Spiel ist, dass man es draussen spielen kann und sich dabei bewegt. Games haben wir beide auch sonst schon gespielt.»
Moreno Turco (26), Baden «Der Kurpark ist ein richtiger Treffpunkt für Pokémon-Spieler. Es ist auch eine schöne Umgebung. Ich selber habe schon als Kind Pokémon auf meinem Gameboy gespielt. Das Spiel weckt bei mir Kindheitserinnerungen.»
Luca Lauener (15), Timon Müller (14), Wettingen «Im Kurpark hat es gleich drei Lockmodule, viele Pokémon kommen von alleine hierher. Wir haben beide früher auf dem Gameboy schon Pokémon gespielt. Es ist cool, dass man draussen spielen kann.»

Nadine Vogt (28), Wettingen «Hier im Park hat es viele Lockmodule, so kann man leichter Pokémon fangen. Ich habe auch früher schon ab und zu Games gespielt. Das Schöne an ‹Pokémon Go› ist, dass Spaziergänge mehr Spass machen.»

Barbara Scherer

«Pokémon Go» ist eine Spielapp, die gratis heruntergeladen werden kann. Das Besondere am Spiel ist, dass es sich mit den GPS-Daten des Handys verbindet. Die App verwendet also das Echtzeit-Kartenmaterial von Google Maps. Die Spielfigur wird über die Bewegungen in der echten Welt im Spiel gesteuert.

Mit Bällen fängt man Monster

Ziel des Games ist es, möglichst viele Pokémon zu finden. Diese tauchen jedoch nicht immer und überall auf, dafür muss sich der Spieler bewegen und seine Umgebung erkunden. Dies erklärt warum manche auf ihr Handystarrenden-Passanten scheinbar ziellos umherirren.

Trifft der Spieler auf eines der Taschenmonster, muss er es mit einem sogenannten Pokéball, einer weiss-roten Kugel, fangen. Dafür tippen die Spieler auf den Bildschirm und werfen mit einer gekonnten Fingerbewegung den virtuellen Ball. Wer dabei die Kamera einstellt, kann das Monster in der echten Umgebung sehen.

Um Bälle für die Monsterjagd zu erhalten, müssen die Spieler jedoch an sogenannten Pokéstops vorbei gehen. Bei diesen handelt es sich meist um Sehenswürdigkeiten. Solche gibt es auch im Badener Kurpark, und zwar gleich drei – darunter zum Beispiel das Grand Casino.

Faule Spieler kennen Tricks

Hier zeigt sich nun die Bequemlichkeit der Spieler. Zwar ist es die Intention des Spiels, die Menschen aus ihren Häusern zu locken. Trotzdem machen die meisten keine grossen Wanderungen. So können die Spieler an einem der «Pokéstops», wie dem Grand Casino Baden, ein sogenanntes Lockmodul anbringen. Dieses lockt für eine halbe Stunde die kleinen digitalen Monster an.

Genau diese Technik machen sich viele Badener Spielnarren nun zunutze. Solidarisch werden immer wieder Lockmodule angebracht und die Spieler legen sich gemütlich auf die Lauer. «So kommen die Pokémon von alleine zu uns», sagt eine Spielerin und lacht verschmitzt.

Damit aber alle drei «Pokéstops» in Reichweite bleiben, müssen die Sportmuffel auf der Betonmauer vor dem Kurpark den Taschenmonstern auflauern.

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