Zu Dutzenden sitzen sie da, auf der Betonmauer vor dem Grand Casino Baden, den Blick starr auf den Handybildschirm gerichtet, die Finger wischen hektisch über das Display. Dieses Bild kennt, wer derzeit am Kurpark vorbei kommt.

Gibt es vielleicht gratis Internet? Weit gefehlt – der Wiesenstreifen zwischen Casino und Haselstrasse hat sich in ein Mekka für «Pokémon Go»-Spieler verwandelt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene gehen im Park auf Monsterjagd. «Oh, ein Shiggy», hört man jemanden sagen, schon tippen alle Anwesenden wie verrückt auf ihrem Display herum.

Leichenfund in den USA

Fast auf der ganzen Welt befinden sich Menschen auf der Suche nach Pokémon, zu deutsch Taschenmonster. Welche Ausmasse das Game angenommen hat, kann man auf einem Youtube-Video sehen: Es zeigt wie tausende Menschen bei der Jagd auf eines der Taschenmonster in den Central Park in New York stürmen.

Pokémon-Fieber ausgebrochen!

Pokémon-Fieber ausgebrochen!

Überall in der Stadt jagen Gamer mit Handys Pokémons. Rote Ampeln werden da zur Nebensache und deswegen ist das Spiel der Polizei ein Dorn im Auge.

Dabei entstand ein grosses Verkehrschaos. Auch wurde das Spiel in den USA schon für Überfälle missbraucht und ein Teenager fand auf der Jagd nach den Taschenmonstern sogar eine Leiche, wie der «Tagesanzeiger» kürzlich berichtete.

Obwohl heute bald jeder von dem Spiel gehört hat, bleibt «Pokémon Go» für viele ein Mysterium. Wie funktioniert das Spiel und wieso sitzen immer so viele Leute im Kurpark?

«Pokémon Go» ist eine Spielapp, die gratis heruntergeladen werden kann. Das Besondere am Spiel ist, dass es sich mit den GPS-Daten des Handys verbindet. Die App verwendet also das Echtzeit-Kartenmaterial von Google Maps. Die Spielfigur wird über die Bewegungen in der echten Welt im Spiel gesteuert.

Mit Bällen fängt man Monster

Ziel des Games ist es, möglichst viele Pokémon zu finden. Diese tauchen jedoch nicht immer und überall auf, dafür muss sich der Spieler bewegen und seine Umgebung erkunden. Dies erklärt warum manche auf ihr Handystarrenden-Passanten scheinbar ziellos umherirren.

az-Redaktorin Sina Burger auf Pokémon-Jagd in der Aarauer Altstadt.

az-Redaktorin Sina Burger auf Pokémon-Jagd in der Aarauer Altstadt.

Musik: Audionautix (audionautix.com)

Trifft der Spieler auf eines der Taschenmonster, muss er es mit einem sogenannten Pokéball, einer weiss-roten Kugel, fangen. Dafür tippen die Spieler auf den Bildschirm und werfen mit einer gekonnten Fingerbewegung den virtuellen Ball. Wer dabei die Kamera einstellt, kann das Monster in der echten Umgebung sehen.

So fängt man ein Pokémon

So fängt man ein Pokémon

Um Bälle für die Monsterjagd zu erhalten, müssen die Spieler jedoch an sogenannten Pokéstops vorbei gehen. Bei diesen handelt es sich meist um Sehenswürdigkeiten. Solche gibt es auch im Badener Kurpark, und zwar gleich drei – darunter zum Beispiel das Grand Casino.

Faule Spieler kennen Tricks

Hier zeigt sich nun die Bequemlichkeit der Spieler. Zwar ist es die Intention des Spiels, die Menschen aus ihren Häusern zu locken. Trotzdem machen die meisten keine grossen Wanderungen. So können die Spieler an einem der «Pokéstops», wie dem Grand Casino Baden, ein sogenanntes Lockmodul anbringen. Dieses lockt für eine halbe Stunde die kleinen digitalen Monster an.

Genau diese Technik machen sich viele Badener Spielnarren nun zunutze. Solidarisch werden immer wieder Lockmodule angebracht und die Spieler legen sich gemütlich auf die Lauer. «So kommen die Pokémon von alleine zu uns», sagt eine Spielerin und lacht verschmitzt.

Damit aber alle drei «Pokéstops» in Reichweite bleiben, müssen die Sportmuffel auf der Betonmauer vor dem Kurpark den Taschenmonstern auflauern.