Traktorunfall
Warum sich Bauern auf dem Traktor nicht angurten müssen

Schon wieder gab es in dieser Woche einen tödlichen Unfall mit einem Traktor. Ist es Zufall, dass sich die Unfälle im Frühling häufen? Die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft weiss, wie Unfälle verhindert werden könnten.

Christine Fürst
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Tödlicher Traktor-Unfall auf der Baldegg
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Mehrere Beamte der Polizei waren vor Ort
Experten der Kantonspolizei begutachten die Unfallstelle
Der Traktor überschlug sich.
Experten der Kantonspolizei begutachten die Unfallstelle

Tödlicher Traktor-Unfall auf der Baldegg

Pirmin Kramer

Die Unfälle mit Traktoren häufen sich: Im April wurde ein Landwirt in Ulisbach (SG) von einem Traktor erdrückt, erst am Montag wurde im solothurnischen Laupersdorf ein Knabe von einem Mäher erfasst und schwer verletzt. Und am Mittwoch wurde auf der Baldegg in Baden ein 57-jähriger Landwirt bei einem Traktor-Unfall getötet. Der Traktor kippte und überschlug sich im steilen Gelände. Noch sind die Ursachen jedoch unklar.

Warum häufen sich die Unfälle mit Traktoren? «Die Unfälle sind stark wetterabhängig», sagt Natanael Burgherr von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL). Im Winter gebe es weniger Unfälle in der Art, wie er sich auf der Baldegg abgespielt hatte. «Wenn sich im Frühling beschränkte Sonnenperioden mit Regentagen abwechseln, sind die Landwirte an den schönen Tagen auf ihren Feldern», fügt er an. Stehen die Landwirte noch unter Stress, weil sich bereits der nächste Regen ankündigt, kumulieren sich die Unfälle.

Mit Sicherheitsgurten könnten Unfälle verhindert werden.

Mit Sicherheitsgurten könnten Unfälle verhindert werden.

bul

Unfälle wie jener auf der Baldegg würden sich oft ähnlich abspielen, wie Burgherr ausführt. «Oft könnte aber einiges vermieden werden, wenn sich die Fahrer angurten würden», sagt er. Zudem müssten die Fahrzeuge auch dafür ausgerüstet sein, im Hang Arbeiten auszuführen.

Problem liegt bei den Gurten

Doch bei den Gurten liegt genau das Problem: In der europäischen Traktorenrichtlinie, die auch für die Schweiz gilt, sei (noch) nicht festgehalten, dass alle Traktoren mit Gurten ausgerüstet sein müssen. Es ist also Sache des Herstellers, Gurten in den Fahrzeugen zu montieren. Laut Burgherr könnten die Traktoren auch im Nachhinein mit Gurten ausgerüstet werden, zu einem Preis von 60 bis 120 Franken. «Dieser Betrag lohnt sich, selbst wenn man nur einen kleineren Unfall hat.» Und er ergänzt: «Andererseits ist selbst bei vorhandenen Gurten die Tragquote noch sehr tief.»

Seit 1978 sind geschlossene Fahrervorrichtungen oder Überrollbügel vorgeschrieben. Doch es gibt noch viele Traktoren, die älter und noch immer in Betrieb sind.

Die Erfassung von Unfällen in der Landwirtschaft ist unverbindlich, das heisst, es besteht keine Meldepflicht. Trotzdem versucht die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft die Unfallzahlen zu erheben, allerdings nur mit jenen Unfällen, die ihr gemeldet werden.

40 tödliche Unfälle pro Jahr

So wurden im letzten Jahr schweizweit rund 40 tödliche Unfälle in der Landwirtschaft registriert, darunter ist rund die Hälfte auf Unfälle mit Maschinen und Fahrzeugen zurückzuführen. Im laufenden Jahr haben sie bereits Kenntnis von 10 Unfällen auf der Strasse in der Statistik aufgeführt.

«Bei einem Unfall mit einem Traktor ist das Sterberisiko fünfmal höher als mit dem Auto», sagte Aris Exadaktylos, leitender Arzt Forschung und klinische Entwicklung des universitären Notfallzentrums des Inselspitals Bern, gegenüber der Sonntagszeitung. Das Sterberisiko liege bei fünf Prozent. Zusammen mit Michael Albrecht hat er Unfälle von Landwirten ausgewertet, die in zehn Jahren im Inselspital behandelt worden sind.