Neuenhof zeichnet sich durch seinen grossen Anteil an jungen Menschen aus. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt. Weiter besteht die Gemeinde zu fast 50 Prozent aus Ausländern. Daraus ergibt sich, dass bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht stimmberechtigt ist.

Um sich diesen Schwierigkeiten zu stellen, hat Frank Awender vom Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend und Bürgerbeteiligung «Kobra» im Auftrag der Sozialen Dienste Neuenhof eine Studie durchgeführt. Die Ergebnisse hat er in einem Bericht zusammengefasst, der letzte Woche auf der Website der Gemeinde Neuenhof aufgeschaltet wurde.

An der Pressekonferenz zum Bericht wurde eine Ausstellung mit Kinderzeichnungen im Gemeindezentrum eröffnet. Die Kinder wurden im Rahmen der Studie dazu aufgerufen ihre Lieblingsplätze in Neuenhof zu zeichnen und erhielten als Dank ein T-Shirt mit der Aufschrift am Rücken «Kind mit Zukunftsvorstellung».

Drei Leitgedanken zur Umsetzung

Grundsätzlich geht es im Bericht «Bereichsentwicklung Junge Menschen Neuenhof» darum, die Gemeinde mit ihrer jungen Bevölkerungsstruktur nicht als Bürde zu sehen, sondern als eine Ressource, die man in Zukunft besser nutzen möchte. «Es hilft nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Die wichtigste Ressource Neuenhofs sind die jungen Menschen und diese müssen mit einbezogen werden», sagte Frank Awender. Dazu hat er drei Leitgedanken formuliert.

Erstens sei «die Partizipation der jungen Menschen ernsthaft gewollt». Das heisst, die Neuenhofer unter 25 Jahren sollen an der Gestaltung und Weiterentwicklung der Gemeinde teilhaben können und auch aktiv dazu motiviert werden. Der zweite Leitgedanke lautet: «Beteiligung ist ein fairer, transparenter Prozess mit klaren Entscheidungsspielräumen».

Alle Beteiligten sollen sich mit gegenseitiger Wertschätzung der jeweiligen Bedürfnisse und Kompetenzen auf Augenhöhe begegnen. Franz Kohler von den Sozialen Diensten Neuenhof führt das Beispiel des Internets an: «Wir sollten anerkennen, dass die Jungen uns da weit voraus sind und dass wir von ihnen lernen können.» Der dritte Leitgedanke aus dem Bericht lautet: «Als alle Bestrebungen vorwärts bündelnde Schnittstelle dient ein konzeptionelles Dach.» Die Gemeinde solle ein Konzept erarbeiten und eine für alle klar definierte Anlaufstelle einrichten, die als Kontrollinstanz dienen soll.

Einiges ist schon gelaufen. Die Schulsozialarbeit hat sich umorientiert, um auch bei der Bildung im nichtschulischen Umfeld ansetzen zu können, also bei den Eltern und der Erziehung. Weiter ist die Jugendarbeit bereits erfolgreich dabei, Ideen von Jugendlichen aufzunehmen und umzusetzen. Nun liegt es an der Gemeinde, das Konzept zur Umsetzung dieser Leitgedanken zu entwickeln. Dies wird voraussichtlich bis im Herbst geschehen. Die Begeisterung für das Projekt ist bei den Beteiligten bereits spürbar.