Baden

Was die Kennelgasse mit einer Dachrinne gemeinsam hat

Was verbirgt sich hinter den alten Bezeichnungen von Strassen, Gassen, Wegen und Plätzen? Wir haben es für Sie herausgefunden und stellen in Teil 2 unserer Serie das Stohlergut, die Schadenmühle, die Kennelgasse und den Moserweg vor.

Stohlergut

Stohlergut in Baden

Stohlergut in Baden

Auf der rechten Seite der Limmat, in der Kurve der Wettingerstrasse beim Landvogteischloss, bewirtschaftet die Stadt gut 20 meist gut besetzte Parkplätze. Ein unterirdisches Regenrückhaltebecken reguliert den hier mündenden Ausfluss des Wettingerbaches. Bis Ende der 50er-Jahre stand in diesem Areal ein Wohnhaus mit Garten und im unteren Teil bis 1963 eine Scheune im ehemaligen Hühnerhof. Das halbbäuerliche Anwesen verdankt seinen Namen dem letzten privaten Besitzer. Hans Jakob Stohler, 1819 in Pratteln BL geboren, praktizierte nach einer abenteuerlichen Berufslaufbahn in Basel als Zahnarzt. 1887 bezog er als wohlhabender Rentner das Wohnhaus am St. Annarain, das er ein Jahr zuvor für 20 500 Franken gekauft hatte. Hier lebte er zurückgezogen, freigebig gegen Arme und freundlich gegenüber jedermann.
Mit grosser Hingabe und Geduld betreute er auch verschiedene Kleintiere. Er starb am 23. Februar 1894 und vermachte sein Haus mit Scheune und Umland, das nach ihm benannte «Stohlergut», dem Spitalgut der Ortsbürgergemeinde Baden, die es seitdem verwaltet. In neuester Zeit ist das Stohlergut an Badenfahrten wiederholt und mit grossem Erfolg als Fest- und Bühnenplatz benutzt worden.

Moserweg

Moserweg in Baden

Moserweg in Baden

Zwischen Bahnhofstrasse und Badstrasse, wo das Marienheim steht, war die Steinmetzwerkstatt von Johannes Moser. Dessen Sohn, Robert Moser (1833–1901) war Architekt. Kaum 20 Jahre alt gewann er den Wettbewerb für das neue Schulhaus in Baden (1855/56), heute das Bezirksgebäude (Kantonspolizei). Er baute auch die Strafanstalt in Lenzburg (1864). Karl Moser (1860–1936), der Sohn, baute als einer der bedeutendsten Schweizer Architekten in Aarau die Kantonsschule, in Baden die Römerburg und die Villa Langmatt. Seine Arbeiten zeigen die Entwicklung von der Stilarchitektur zu der Funktionalität der Konstruktion. Zeugen sind das Kunsthaus in Zürich und die St. Antoniuskirche in Basel. 1914 – 1928 wirkte er als Professor für Architektur an der ETH Zürich.

Schadenmühle

Schadenmühle Baden

Schadenmühle Baden

Das Habsburger Urbar, um das Jahr 1300 erstellt, nennt verschiedene Mühlen in Baden, ohne ihren genauen Standort zu erwähnen. 1345 verleiht Hermann von Landenberg, Vogt des Herzogs von Österreich im Thurgau und Aargau im Namen seines Herrn der Mathilde von Grennikon (Gränichen) und ihren Erben «die müli die oberhalb der statt Baden lit, und heisset schadenmülli, mit allen müli rechten». Auf dieser Mühle, dem Haus Mellingerstrasse 54, bei der Bahnüberführung, kam nie jemand zu Schaden. Ihren Namen erhielt sie vom Geschlecht der «Schad», das nach undatierten Aktenstücken später als Familie Dorer in die Geschichte der Stadt einging. Der Mühlebetrieb wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eingestellt. Der Name blieb dem Areal und der Strasse mit Schadenmühleplatz und Schadenmühlestich erhalten.

Kennelgasse

Kennelgasse Baden

Kennelgasse Baden

Diese steile Strasse führt von der Burghalde her steil hinauf zur Allmend. Als es weniger Autos, aber im Winter mehr Schnee gab, war sie beliebter, jedoch nicht ungefährlicher Schlittelweg. Das Stadtbauamt platzierte jeweils beim obersten Gartenhagpfahl einen Ballen Stroh. Der Name wurde erst im 20. Jahrhundert bei der Erstellung der Strasse übertragen. Der ebenso steile, kaum befahrbare Weg, dem Schadenmühleplatz gegenüber dem Keuzliberg zustrebend, heute Tannwaldstrasse genannt, war bis dahin die Kennelgasse. Übrigens: Eng, schmal und steil sind die Bedingungen für einen Kennel; so wie eine Dachrinne eben ist.

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