Ein Auftakt in ein neues Jahr ist immer speziell. Aus gutem Grund wird das neue Jahr in den meisten Gemeinden denn auch mit einem Neujahrsapéro begangen. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass Ennetbaden gestern im ehrwürdigen «Schwanen» die Bevölkerung zum ersten Mal eingeladen hat, auf das neue Jahr anzustossen. Die Prognose sei an dieser Stelle gestellt: Es war wohl nicht der letzte Neujahrsapéro, sondern vielmehr der Startschuss für eine langjährige Tradition.
Denn die Brasserie, die im Frühling vor einem Jahr eröffnet wurde, platzte fast aus allen Nähten – so viele Gäste hatten sich eingefunden. «Ich bin schlicht überwältigt», sagte Gemeindeammann Pius Graf (SP) denn auch in seiner Neujahrsansprache. Diese, wie auch die erstmalige Ausführung des Neujahrsapéros standen ganz im Zeichen des 200-Jahr-Jubiläums, sprich 200 Jahren Unabhängigkeit von Baden. Denn genau vor 200 Jahren, also 1819, wurde das damals arme Ennetbaden von der Stadt Baden und auf deren Begehren losgetrennt.
In seiner Ansprache betonte Graf, wie wenig die Zukunft vorhersehbar sei. «Heute blicken wir Ennetbadener stolz auf unsere sanierte Limmat-Promenade, während sich auf der anderen Seite der Limmat noch immer eine Brache befindet». Doch auch das sei nur eine Momentaufnahme, mahnte Graf. Gerade weil die Zukunft unvorsehbar sei, wage er für die nächsten 200 Jahre auch keine Prognose. «Ich kann nur versichern, dass wir als Gemeinderat alles daransetzen, dass die Ennetbadenerinnen und Ennetbadener auch in 200 Jahren stolz sein können auf ihre Gemeinde. Lasst uns also auf 400 Jahre Ennetbaden anstossen – auf die letzten und die kommenden 200 Jahre.»


Badener Chräbeli und eine Uhr als Geschenk


Auch der Badener Stadtammann Markus Schneider (CVP) liess es sich nicht nehmen, ein paar Worte an die Anwesenden zu richten. «Also ganz ehrlich: Eigentlich ist das hier gar kein toller Anlass. Ich wüsste nicht, was es bei einer Trennung zu feiern gibt.» Es sollte vielmehr das Ziel sein, dass sich die beiden Gemeinden wieder annähern würden, so Schneider. Um diese Worte zu unterstreichen, überreichte Schneider seinem Amtskollegen Pius Graf zwei Geschenke. «Als Erstes ein Sack Badener Chräbeli. Natürlich wären Badener Steine naheliegender gewesen. Doch ich finde, wir sollten nüchtern über die Zukunft sprechen», so Schneider.
Als zweites Geschenk erhielt Graf eine Uhr. «Wir Badener mussten uns ja mal den Vorwurf gefallen lassen, dass wir bei der Stadthaus-Uhr extra die Zeiger abgenommen hatten, damit die Ennetbadener nicht wussten, wie spät es ist. Diese Uhr hier soll nun Abhilfe schaffen», so Schneider. Doch nicht nur das: «Sie läuft rückwärts. Im Idealfall 200 Jahre zurück bis zu dem Tag, als Ennetbaden und Baden noch zusammengehörten.»


Viertägiges Dorffest im September


Der fröhliche und gesellige Neujahrsapéro bildete den perfekten Auftakt ins Jubiläumsjahr. Dieses ist nur so gespickt mit Höhepunkten. Den eigentlichen Auftakt macht im Mai eine Sonderausstellung im Historischen Museum Baden. Weiter wird am 6. Juni 2019 die Sommergmeind im Freien als Landsgemeinde durchgeführt. Und Ende Jahr ist vom 20. bis 22. Dezember 2019 – genau an diesem Tag vor 200 Jahren beschloss der Grosse Rat die Abtrennung – ein grosses Lichterspektakel mit Weihnachtsmarkt geplant.
Doch den Höhepunkt der Feierlichkeiten wird das Dorffest Anfang September 2019 bilden. Dieses wird zwar nicht wie 1969 (150-Jahr-Feierlichkeiten) zehn Tage dauern, sondern nur deren vier. Doch dafür trumpft das Fest, das vom 5. bis 8. September dauern wird, mit einem umso vielfältigerem kulturellen und kulinarischen Angebot auf. Parallel zu den Feierlichkeiten kommt eine Theater-Trilogie unter der Leitung der Theatermacher Ruth und Robert Egloff zur Aufführung. Der erste Akt wird im Mai im Rahmen der Sonderausstellung im Landvogteischloss aufgeführt. Der zweite Akt bildet dann quasi das grosse Festspiel während des viertägigen Dorffests im September. Und der dritte Akt wird dann im Dezember während des Lichterspektakels aufgeführt.