Badenfahrt 1972

Was ist eine kleine – was eine grosse Badenfahrt?

Der neue untere Bahnhofplatz war 1972 mit ein Grund zum Feiern.

Der neue untere Bahnhofplatz war 1972 mit ein Grund zum Feiern.

Als das Badener Festvolk nach einem grossen Fest im Fünf-Jahre-Rhythmus dürstete.

Seit es die Badenfahrt im Jahr mit der Zahl 2 am Schluss gibt, tauchte immer wieder die Diskussion auf, ob das nun eine «kleine» oder eine «grosse» Badenfahrt sei. Ob dann überhaupt von einer Badenfahrt die Rede sein könne, darüber haben sich schon Badenfahrt-Experten gestritten. Die Sachargumente vermochten die emotionalen Begründungen nicht zu widerlegen. Badenfahrt ist Badenfahrt, basta! Der Rhythmus: Alle fünf Jahre gibt es ein Fest. Doch offiziell so betitelte Badenfahrten (klein genannt, aber nicht minder gross als die grossen) hat es eigentlich nur in den Jahren 1972 und 1982 gegeben.

Das mit dem Fünf-Jahres-Rhythmus haute dann allerdings nicht so hin. Festerprobte erinnern sich: Im Jahr 1991 tauschte die Stadt Baden zu Ehren der jubilierenden Eidgenossenschaft (700 Jahre Schweiz) eine kleine Badenfahrt vorgängig mit dem Regionalfest unter dem Motto Swissmade ein. Im Jahr 2002 opferte man die «kleine Badenfahrt» dem im Folgejahr 2003 angesetzten Kantonsjubiläum – wie konnte man nur, sagten sich viele eingefleischte Badener.
Auch wie es in Zukunft gelöst werden soll, darüber ist man sich heute noch nicht einig. 2012 war in Anlehnung des Überfalls auf die Stadt Baden und die Zerstörung des Schlosses Steins mit Stadtfest betitelt. Doch wie kommt man dazu, ein solches 300-Jahr-Jubiläum mit einem freudigen Fest zu begehen? Nun hat sich der Titel «Stadtfest» als Fest zwischen den alle zehn Jahre stattfindenden Badenfahrten bewährt.

125 Jahre Spanischbrötlibahn

Die Diskussion, wann und in welchem Rhythmus ein grosses Fest stattfinden soll, ist erst 1967 entbrannt. Denn auf eine Badenfahrt 1957 wurde wegen der grossen Verkehrssanierung verzichtet, im Bewusstsein, dass es ohnehin grosse Einweihungsfeste für die Bauten geben würde.

Klaus Streif, einst Brödlimeister der Spanischbrödlizunft und Redaktor dieser Zeitung, verfasste dazu in den Neujahrsblättern 1973 einen Artikel: «Baden habe, so schrieb eine grosse auswärtige Tageszeitung bei der Berichterstattung über die «Badenfahrt 1967», in der Schweiz seit dem 15. Jahrhundert sozusagen die Fröhlichkeit gepachtet und gebe auch in unseren eher grau gefärbten Tagen freigiebig eine gehörige Portion davon ab. – War dies blosse Schmeichelei oder ein echtes, riesengrosses Kompliment? Manches spricht gegen die erste, vieles – auch bei selbstkritischer Betrachtungsweise – für die zweite Möglichkeit.»
Damals war der zweiwöchige Festtrubel kaum vorbei, als man in Baden bereits Pläne für ein neues Fest zu schmieden begann. In einem Punkt war man sich einig: Eine Zeitspanne von zehn Jahren bis zur nächsten «Badenfahrt» wäre unerträglich. In wieweit dabei bereits die Erkenntnis mitspielte, dass ja 1972 das Jubiläum «125 Jahre Spanischbrötlibahn» fällig würde, lässt sich im Nachhinein nicht mehr genau feststellen.

Streif schreibt weiter: «In Anbetracht der offenbar angeborenen Festfreude der Badener darf jedoch getrost angenommen werden, dass daraus wohl eine zusätzliche Verpflichtung, keinesfalls aber der eigentliche Grund für ein Fest abgeleitet wurde. Auch die Fertigstellung der Bauarbeiten am neuen Bahnhofplatz auf den für ein Fest ins Auge gefassten Zeitpunkt wurde in ähnlich beiläufigem Sinne eher als ein besonders glücklicher Zufall, denn als Absicht zur Kenntnis genommen. Beides, das Eisenbahnjubiläum und der neue Bahnhofplatz, vermochte den Wunsch nach einer neuen «Badenfahrt» bestenfalls zu unterstreichen; innerlich war das Fest schon längst eine beschlossene Sache, gegen die nicht einmal der Hinweis auf die Tradition etwas nützte, die für Badenfahrten einen Turnus von zehn Jahren vorschreibt.»

Statt der traditionellen «grossen» würde es eben eine «kleine Badenfahrt» geben. So nahm das «Badenfahrt-Komitee», erneut unter Leitung von Walter Bölsterli und gegenüber 1967 in fast unveränderter Besetzung, frühzeitig die Vorbereitung in Angriff.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1